Gänsbrunnen/Welschenrohr

«Vieles ist bereits bereinigt» – die Fusion der zwei Thaler Gemeinden kommt voran

Welschenrohr und Gänsbrunnen treffen Vorbereitungen zur Gemeindefusion. Die Gemeinde wäre dann 24,33 km2 gross und hätte 1200 Einwohner

Welschenrohr und Gänsbrunnen treffen Vorbereitungen zur Gemeindefusion. Die Gemeinde wäre dann 24,33 km2 gross und hätte 1200 Einwohner

Welschenrohr und Gänsbrunnen sollen zur zweiten Thaler Fusionsgemeinde werden.

Dass Gemeinden fusionieren, kommt in heute vermehrt vor. Allerdings ist dies keine neuartige Erscheinung; auch nicht im Thal, denn schon vor 120 Jahren fusionierten die beiden Gemeinden Mümliswil und Ramiswil. Nun steht in der Region die nächste Fusion an. Welschenrohr und Gänsbrunnen machen sich auf den Weg, die Stolpersteine für dieses Vorhaben aus dem Weg zu räumen. «Wir arbeiten seit vergangenem März in einer neunköpfigen Arbeitsgruppe daran», sagt Stefan Schneider, ehemaliger Welschenrohrer Gemeindepräsident und nun Vorsitzender dieser Arbeitsgruppe. «Es sind alles Mitglieder, die sich in beiden Gemeinden gut auskennen.» Schneider lobt die Arbeitsgruppe. «Wir arbeiten sehr speditiv, offen und ohne Vorbehalte. Es ist auch von Vorteil, dass beide Gemeinden in den Sparten Schule, Feuerwehr und Verwaltung schon eng zusammenarbeiten. So ist vieles bereits bereinigt.»

Tatsächlich besuchen die Kinder von Gänsbrunnen in Welschenrohr den Kindergarten und die Primarschule. Die Finanzverwaltung von Gänsbrunnen erledigt die Finanzverwalterin von Welschenrohr. Zudem gibt es die gemeinsame Feuerwehr Gänsbrunnen-Welschenrohr und viele Gänsbrunner machen in Vereinen von Welschenrohr mit.

Im Gegenzug hat Gänsbrunnen immer mehr Mühe, die Gemeindechargen zu besetzen. Auch verlangt der Kanton immer mehr Anforderungen zur Führung einer Gemeinde, wain einem Nebenamt insbesondere für kleinere Gemeinden schwierig zu erledigen ist. Trotz vieler bestehenden Gemeinsamkeiten - es gibt auch Unterschiede. Gänsbrunnen ist eine Einheitsgemeinde, Welschenrohr hat Bürger- und Einwohnergemeinde. «Das bleibt auch nach der Fusion so», sagt Schneider. Die Welschenrohrer Bürger bleiben autonom, wie sie es bisher sind.

Besitzstandsgarantie für sechs Jahre

Die grösste Diskrepanz der beiden Gemeinden ist die Einwohnerzahl. Welschenrohr wies auf Ende 2019 1068 Einwohner auf; Gänsbrunnen lediglich 85. Auch beim Steuersatz gibt es Unterschiede. Welschenrohr ist mit 121 Prozent die steuergünstigste Gemeinde im Thal; Gänsbrunnen liegt bei 130 Prozent. «Es ist vorgesehen, dass nach der Fusion der Welschenrohrer Steuerfuss angewendet wird», so Schneider. Nach einer Fusion besteht eine Besitzstandsgarantie des Finanzausgleiches der beiden Gemeinden über sechs Jahre, was eine gewisse Planungssicherheit ergibt. Welschenrohr erhält dieses Jahr 1.37 Mio. Franken, für Gänsbrunnen sind 62900 Franken aus dem Finanzausgleich. Schneider betont: «Das Amt für Gemeinden berät uns und der Kanton hat Fusionsbeiträge in Aussicht gestellt.»

Welschenrohr wies auf Ende 2018 eine Pro-Kopf-Verschuldung von 1316 Franken aus; Gänsbrunnen hingegen ein Pro-Kopf-Vermögen von 1513 Franken. Ein Finanzplan sei erstellt, mehr darüber sei am kommenden Info-Anlass vom 9. März zu erfahren, verrät Schneider. Auf die Fusionsgemeinde werden neue Aufgaben zukommen. «Der ARA-Anschluss von Gänsbrunnen soll an das Netz von Welschenrohr angeschlossen werden und wir werden uns mit der Ortsplanrevision beschäftigten», sagt Schneider.

Zeitplan und Namensgebung

Am kommenden 9. März um 20 Uhr findet in der Mehrzweckhalle Welschenrohr ein Info-Anlass für die Bevölkerung statt. Am 23. März sollen in beiden Gemeinden ausserordentliche Gemeindeversammlungen über die Bühne gehen; dort soll der Beschluss zur Urnenabstimmung gefasst werden. Am 17. Mai soll diese durchgeführt werden. Eine Urnenabstimmung ist bei Gemeindefusionen zwingend. «Ist die Zustimmung durch den Souverän erfolgt, werden Kantons- und Regierungsrat der Fusion zustimmen, so dass wir am 1.1.2021 neu als Fusionsgemeinde operativ tätig werden können», sagt Schneider. Danach gelte es noch, die verschiedenen Reglemente anzupassen.

«Sollte die Fusion zu Stande kommen, wird der neue Gemeinderat nicht paritätisch zusammengesetzt sein, denn: «wir sind ja eine Gemeinde und wer Gemeinderat werden will und gewählt wird, soll dies – unabhängig vom Wohnort – auch sein können. Es gibt bei diesem Vorhaben eine rein politisch-rechtliche Dimension, aber auch eine Emotionale», stellt Schneider fest. «Es wird von uns allen ein Umdenken erforderlich sein.» Den Vorschlag zum neuen Namen der Fusionsgemeinde will Schneider ebenfalls an der Info-Veranstaltung bekannt geben. «Über den Gemeindename wird dann in der Budgetgemeinde im Dezember abgestimmt.

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