Ausnützung

Viele leere Wohnungen im Thal und Gäu, aber warum?

Viele Wohnungen im Thal und im Gäu stehen leer.

Viele Wohnungen im Thal und im Gäu stehen leer.

Für die hohen Leerwohnungsziffern in den Gemeinden im Thal und dem Gäu gibt es unterschiedliche Gründe.

Was leerstehende Wohnungen angeht, ist der Kanton Solothurn ein Spitzenreiter. Mit einer Leerwohnungsziffer von 3,2 Prozent weist er 2019 das dritte Jahr in Folge den schweizweit mit Abstand höchsten Wert auf. Dieser Durchschnitt ergibt sich aus Prozentsätzen, die sich in den verschiedenen Gemeinden von 0 Prozent bis zu 8,5 Prozent erstrecken.

In der oberen Hälfte dieser Spanne befinden sich auch einige Gemeinden des Thal und des Gäus: Holderbank (5,64%), Neuendorf (5,17%) und Mümliswil-Ramiswil (5,12%) weisen alle relativ hohe Leerwohnungsziffern auf. Aus den Zahlen allein ist jedoch unmöglich ersichtlich, wie die Situation in den Gemeinden tatsächlich aussieht. Für die hohen Ziffern gibt es nämlich von Ort zu Ort ganz unterschiedliche Gründe.

So erklärt etwa die Gemeinde Holderbank, bei ihnen hinge der Wert hauptsächlich mit kürzlich umgesetzten Bauprojekten zusammen. Ende 2019 seien drei neue Wohnblöcke fertiggestellt worden, die insgesamt etwa 30 Wohnungen beherbergen. «Und bei nur knapp über 700 Einwohnern macht das natürlich viel aus», so die Gemeindeverwaltung. Die meisten dieser Wohnungen seien nun allerdings auch schon bewohnt und der Prozentsatz dementsprechend leicht irreführend.

Keine grossen Investitionen

Während in Holderbank also neue Wohnungen für den hohen Prozentsatz verantwortlich zu sein scheinen, ist in Mümliswil-Ramiswil das genaue Gegenteil der Fall: Die leerstehenden Wohnungen befinden sich dort zum grössten Teil in alten Wohnblöcken, die seit Jahren Renovationen bedürften. Dafür wären eigentlich die Vermieter zuständig, doch ihr Interesse an den Liegenschaften sei oft nicht gross genug, meint Gemeindepräsident Kurt Bloch. «Oft sind es ältere Menschen, die keine grossen Investitionen mehr machen wollen», erläutert er.

«Oder jemand, dem hier zwar ein Wohnblock gehört, der aber irgendwo in Zürich sitzt und die zusätzlichen Mieter gar nicht braucht.» So entsprechen nun viele Wohnungen nicht mehr den von Mietern gewünschten Standards. Vor allem auf junge Menschen trifft dies zu; sie ziehen deshalb vermehrt aus der Gemeinde weg.

Freie Marktwirtschaft

Eine Lösung für das Problem zu finden, sei laut Block schwierig: «Wir befinden uns eben in einer freien Marktwirtschaft, da ist es für die Gemeinde schwierig, etwas zu unternehmen. Solange wir nicht steinreich werden und die Renovationen selber finanzieren können, wird sich an der Situation wohl nichts ändern.»

Wieder anders verhält sich die Situation in der Gemeinde Neuendorf: Dort ist unter den leeren Wohnungen einerseits kein Muster zu erkennen, anderseits nimmt ihr Bestand laut der Gemeindeschreiberin allerdings auch ab: «So tragisch, wie der Prozentsatz klingt, ist die Situation lange nicht», sagt sie.

Neuendorf zähle zwar momentan bei 2311 Einwohnern 57 leere Wohnungen, diese Zahl habe sich aber seit dem Vorjahr halbiert, als es 92 Wohnungen waren. Passend dazu ist auch die Einwohnerzahl allein in den letzten zwei Wochen um 10 Einwohner gestiegen.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1