An der 98. Generalversammlung des Solothurner Viehhändlerverbandes (SOVV) in Balsthal setzte sich Carlo Schmid, der scheidende Präsident des Schweizerischen Viehhändlerverbandes (SVV), mit der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Viehhändlerberufes auseinander.

Der bald 65-jährige ehemalige Landammann und Ständerat des Kantons Appenzell Innerrhoden aus Oberegg präsidierte den SVV während 32 Jahren. Sein Nachfolger wird an der 98. Delegiertenversammlung in der Kartause Ittingen diesen Frühling bestimmt.

Schmid begann sein Referat mit dem Beginn des Viehhandels zur Römerzeit und im Mittelalter. Bei den Römern mussten die Militärlager mit Vieh beliefert werden. Im Mittelalter wurden Viehherden über die Alpenpässe nach Italien getrieben. Im 16. Jahrhundert verlagerte sich die Viehzucht vom Alpenraum ins Mittelland. Im 17., 18., 19. Jahrhundert eroberten jüdische Viehhändler den Jura und das Mittelland. Viehhändler waren zugleich Metzger, Wirt und Grossbauer. Dank Bevölkerungswachstum, Betriebsvergrösserungen, Zunahme der Milchwirtschaft und Wohlstand mit gesteigerter Nachfrage nach Fleisch begann die Blütezeit des Viehhandels. Der Viehhandel begann sich zu organisieren. 1917 wurde in Zürich der Schweizerische Viehhändlerverband gegründet, 1949 die Genossenschaft für Schlachtvieh- und Fleischversorgung (GSF), seit 2000 Proviande.

Migros und Coop

Eine grosse Veränderung für die Viehhändler brachte der Eintritt der beiden Grossverteiler Migros und Coop ins Marktgeschehen mit eigenen Einkäufern. In der Folge spezialisierten sich die Viehhändler auf Lebendvieh, Schlachtvieh, Schweine oder Kälber. Tierschutz und Vermeidung von Tierseuchen wurden immer wichtiger. «Der Viehhändler als Handelsmann wird immer mehr zum Dienstleister», stellte der Referent fest. Die gesellschaftlichen Trends gingen in Richtung Genuss und Gesundheit. In Zukunft werde die Spezialisierung und Internationalisierung des Viehhandels weiter zunehmen. Deshalb werden Tierdatenbanken und die Rückverfolgbarkeit jedes Stücks Fleisch immer wichtiger.

Volle Transparenz bis 2020

Carlo Schmid prognostiziert, dass 2020 bei einem Stückpreis von einem Rappen pro Chip der Konsument totale Transparenz und Produktesicherheit sämtlicher Tierkategorien erhält. Nachhaltigkeit und Gesundheitsdaten müssen in der Fleischproduktion ausgewiesen werden. Um diesen Marktanforderungen gerecht zu werden, müssen sich die Viehhändler laufend weiterbilden. Doch auch in Zukunft verfügt laut Schmid ein erfolgreicher Viehhändler über «ein gutes Auge für das Vieh», Menschenkenntnis und Anpassungsfähigkeit und hat die Gabe, Vertrauen zu schaffen.

Noch 36 Mitglieder

Rolf Nützi (Aeschi), der Präsident des Solothurner Viehhändlerverbandes (SOVV), setzte sich in seinem Jahresrückblick für Marktfreiheit mit möglichst vielen Marktteilnehmern ein. Nützi legte seinen Berufskollegen zur Meisterung der anspruchsvolle Zukunft Folgendes ans Herz: «Nur gemeinsam sind wir stark.» Nach drei Austritten zählt der SOVV noch 36 Mitglieder. Für eine weitere dreijährige Amtsperiode wurden der fünfköpfige Vorstand, der Sekretär und die beiden Revisoren wiedergewählt. Viel Lob heimste Rolf Nützi von Carlo Schmid für die mustergültige Durchführung der 97. Delegiertenversammlung SVV am 3. Mai 2014 in Solothurn durch den Solothurner Viehhändlerverband ein.