Egerkingen
Videokameras sollen lebensgefährlichen Sabotageakten den Riegel schieben

Saboteure suchen in Egerkingen offenbar regelmässig den Velounterstand beim Mühlemattschulhaus heim, um dort Fahrräder von Schülern zu manipulieren. Auf Antrag der Schulleitung werden nun Videokameras installiert.

Erwin von Arb
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Das Geschehen auf diesem Areal soll künftig mit Videokameras aufgezeichnet werden, um Manipulationen an Velos zu verhindern.

Das Geschehen auf diesem Areal soll künftig mit Videokameras aufgezeichnet werden, um Manipulationen an Velos zu verhindern.

Erwin von Arb

Eine nicht funktionierende Bremse oder ein Vorderrad, das bei der Fahrt über den Trottoirrand aus der Gabel springt, können für Velofahrer fatale Folgen haben und im schlimmsten Fall gar im Spital enden. Dies befürchten in Egerkingen seit einiger Zeit Eltern von Kindern, die ihre Fahrräder im Velounterstand im Mühlemattschulhaus abstellen.

In den beschriebenen Fällen ging es um einen Bremskabelzug, der absichtlich verstellt worden sein soll und um eine angeblich vorsätzlich gelöste Schraube eines Vorderrades. Im November des letzten Jahres wurde die Schulleitung von Eltern in dieser Sache kontaktiert. Verlangt wurden Massnahmen, um solch lebensgefährlichen Sabotageakten den Riegel zu schieben, wie Schulleiter Hanspeter Stöckli auf Anfrage erklärt.

Prävention steht im Vordergrund

In der Folge wurden die Lehrerinnen und Lehrer vom Schulleiter angewiesen, den Velounterstand beim Mühlemattschulhaus besonders im Auge zu behalten und Vorfälle zu melden. Zahlen wollte Stöckli keine nennen, zumal auch viele Bagatellfälle gemeldet worden seien. Er sei aber zum Schluss gelangt, dass neben den von Vandalen verursachten Beschädigungen an Fahrrädern ein Risiko bestehe, dass Velos absichtlich manipuliert würden. Ausgeschlossen werden könne dies auf jeden Fall nicht.

«Ich verstehe, wenn sich Eltern deswegen Sorgen um ihre Kinder machen», so Stöckli. Um dieser Sache beizukommen, habe er deshalb beim Gemeinderat den Antrag für eine Überwachung des Velounterstandes beim Mühlemattschulhaus mit einer Videokamera gestellt. Ziel sei aber nicht eine systematische Überwachung, sondern in erster Linie die präventive Wirkung. «Wenn der oder die Täter wissen, dass das Areal mit Videokameras überwacht wird, werden sie vielleicht gar nicht mehr aktiv.»

Diese Hoffnung hat auch der Egerkingen Gemeinderat, der sich am Mittwochabend mit dem Antrag der Schulleitung beschäftigte. Der Rat war sich einig, dass die Vorkommnisse beim Velounterstand ernst genommen werden müssen. Entsprechend unbestritten war deshalb auch die Montage von Videokameras, um das Geschehen auf dem Areal aufzuzeichnen und allfällige Täter zu überführen.

Der Datensicherheit müsse dabei aber höchste Priorität beigemessen werden, wurde im Rat betont. Dazu gehöre, dass ein Zugriff auf die Bilder nur nach einer Anfrage vonseiten der Schulleitung und in Anwesenheit einer Amtsperson erfolgen darf.

Der Rat bestimmte dafür die Gemeindepräsidentin und den Gemeindevizepräsidenten. Sichergestellt werden müsse ferner, dass die Bilder den kantonalen Vorgaben entsprechend nach 96 Stunden automatisch gelöscht würden. Vorgeschrieben ist aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes wegen der Videoüberwachung ferner ein Hinweisschild.

Auf Basis des Polizeireglements

Der Rat stimmte in der Folge einem Kredit von 9523 Franken für die Beschaffung von vier Videokameras zu. Ausgerichtet werden sollen die Kameras primär auf das Areal beim Velounterstand inklusive Durchgang.

Der Entscheid für die Installation und den Betrieb von Videokameras wurde auf der Grundlage des im Januar 2016 verabschiedeten Polizeireglements der Einwohnergemeinde gefällt, wie Gemeindepräsidentin Johanna Bartholdi erwähnte.

Dieses erlaube die Videoüberwachung eines Areals, wenn damit Straftaten verhindert werden könnten. Für die Handhabung der Überwachungen soll nun ein Manual erarbeitet werden. Dabei sollen nach Möglichkeit auch Erfahrungen anderer Schulen einfliessen.

Über solche Erfahrungen verfügt Silvan Jäggi, der neue Direktor der Kreisschule Gäu in Neuendorf. Dort wird ebenfalls der Velounterstand mit einer Videokamera überwacht. Jäggi, erst seit rund eineinhalb Monaten als Kreisschuldirektor im Amt, nimmt Bezug auf seine vorherige Tätigkeit als Gesamtschulleiter in Langendorf.

Als dort der Velounterstand mit einer Videokamera überwacht worden sei, hätten die Sachbeschädigungen schlagartig aufgehört. Ausser, wenn ein Jugendlicher die Kamera vergessen habe oder glaubte, diese sei lediglich eine Attrappe.

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