Welschenrohr
Verteilung von Pachtland sorgt für gereiztes Klima

Der Vorschlag der Schatzungskommission für die Verteilung von Pachtland kommt im Bürgerrat nicht bei allen Räten gut an.

Erwin von Arb
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Die Schatzungskommission präsentierte im Auftrag des Bürgerrates einen Plan für neu zu verteilendes Pachtland. (Symbolbild)

Die Schatzungskommission präsentierte im Auftrag des Bürgerrates einen Plan für neu zu verteilendes Pachtland. (Symbolbild)

Hanspeter Bärtschi

«In den letzten Jahren hatten wir es wirklich gut im Bürgerrat, wir haben gemeinsame Anlässe durchgeführt und viel zusammen gelacht», sagt Bürgergemeindepräsident Jürg Uebelhart nach der emotionsgeladenen Bürgerratssitzung vom vergangenen Donnerstagabend. Von dieser Eintracht war nichts mehr zu spüren.

Im Gegenteil, die Anspannung im achtköpfigen Bürgerrat war förmlich greifbar. Dies wohl nicht zuletzt auch, weil vier interessierte Besucher und ein Pressevertreter das Tun der Räte aufmerksam verfolgten.

Im Fokus stand der Vorschlag der Schatzungskommission, die im Auftrag des Bürgerrates einen Plan für neu zu verteilendes Pachtland präsentierte. Dass diese Präsentation der Mehrheit im Bürgerrat zuwiderläuft, brachte Bürgerrat Hugo Gunzinger deutlich zum Ausdruck.

Der Alt-Bürgergemeindepräsident beklagte sich darüber, dass der am 22. März vom Rat gefällte Entscheid für die Verteilung von 17 Hektaren Pachtland auf Druck des Kantons aufgehoben wurde. Auslöser dafür waren Beschwerden von vier Landwirten, die sich erfolgreich gegen die nicht reglementskonforme Verteilung des Pachtlandes gewehrt hatten.

Reglement nicht ganz ausgereizt

Schatzungskommissionspräsident Jakob Eggenschwiler erklärte, dass zu den damals 17 Hektaren Pachtland weitere 11 Hektaren dazugekommen seien. Letzteres Land stammt von einem 70 Hektaren grossen Hof.

Weil der 64 Jahre alte Landwirt keinen Nachfolger aus der Familie präsentieren kann, muss der Pachtvertrag gemäss geltendem Allmend- und Pachtreglement gekündigt werden. Die dadurch frei werdenden 11 Hektaren Pachtland seien deshalb von der Schatzungskommission in den Verteilungsplan aufgenommen worden, so Eggenschwiler.

Bei der Verteilung des Pachtlandes habe sich die Kommission am Reglement orientiert, dieses aber nicht völlig ausgereizt. Sonst hätten grosse Bauernbetriebe nämlich gar kein Land zugesprochen bekommen. An die Vorgaben gehalten habe man sich hingegen bei der Regelung, dass kleine Bauernbetriebe zuerst zu berücksichtigen seien. Deshalb seien für die Vergabe der erwähnten 11 Hektaren zwei Landwirte vorgeschlagen worden, die über etwa je etwa 20 Hektaren Land verfügten.

Bürgerrat hat das letzte Wort

Dieser Vorschlag der Schatzungskommission wurde von Bürgerrat Hugo Gunzinger als nicht hinnehmbar bezeichnet. Eggenschwilers Einwand, die Kommission habe sich an die Vorgaben des Reglements gehalten, konterte Gunzinger mit der Aussage, dass auch familiäre Aspekte berücksichtigt werden müssten.

Dass das aber nur dann möglich wäre, wenn dies auch im Reglement so vorgesehen ist, nahm Gunzinger zur Kenntnis, beharrte aber weiter auf seiner Meinung. An die Adresse von Jakob Eggenschwiler erwähnte der 78-jährige Bürgerrat ferner, dass auch darauf geachtet werden müsse, dass Landwirte keine zu grossen Wege auf sich nehmen müssten, um auf ihr Pachtland zu gelangen.

Eggenschwiler liess es sich nicht nehmen, auf die bisher drei von der Bürgergemeinde erteilten Aufträge für die Verteilung von Pachtland hinzuweisen. Diese seien vom Bürgerrat stets abgeändert und das Reglement so unterlaufen worden. Dem Rat sei es auch diesmal vorbehalten, die Verteilung nach seinen Vorstellungen vorzunehmen.

«Keinen Rechtsstreit provozieren»

Die anderen Ratsmitglieder beteiligten sich kaum oder nur sehr zurückhaltend an der Diskussion. Bedenken zur von Gunzinger formulierten Haltung meldete lediglich Bürgerpräsident Jürg Uebelhart an. Er warnte davor, sich wieder ausserhalb der Vorgaben des Allmend- und Pachtreglements zu begeben. «Das könnte unter Umständen teuer werden. Ich bin nicht bereit, an der Gemeindeversammlung dafür den Kopf hinzuhalten», so Uebelhart. Das Votum des Bürgerpräsidenten wurde mit der Bemerkung «es ist ja noch lange nicht so weit» quittiert.

Unter dem Traktandum Verschiedenes wurde von einem Ratsmitglied ein Stück Weideland erwähnt, das sich im Besitz der Bürgergemeinde befindet. Bis klar ist, wie es mit der Verpachtung des Lands weitergeht, hat die Mehrheit des Rats beschlossen, dieses nicht für eine Nutzung freizugeben.

Weil derzeit das Gras auf diesem Feld kniehoch steht, wurde die Anfrage gestellt, ob es mit Blick auf den nahenden Winter nicht sinnvoll wäre, wenn Rinder das Gras fressen oder zumindest zertrampeln würden. Der Rat hatte kein Gehör dafür. Hinter vorgehaltener Hand wird gemunkelt, der anfragende Landwirt sei einer der Einsprecher. Deshalb fahre der Rat eine so harte Linie.

Wie mit dem Plan der Schatzungskommission weiter verfahren wird, entscheidet der Bürgerrat an seiner nächsten Sitzung am 20. Oktober.