Matzendorf

Verkehrsführung Dorfstrasse: soll der Rechtsvortritt belassen werden?

Die Freude über die neue Dorfstrasse ist im Thaler Dorf gross. Aber bei der Verkehrsregelung sind die Lager gespalten.

Die Freude über die neue Dorfstrasse ist im Thaler Dorf gross. Aber bei der Verkehrsregelung sind die Lager gespalten.

In der Frage bezüglich des Rechtsvortritts an der Dorfstrasse kommt der Gemeinderat Matzendorfs nicht auf einen gemeinsamen Nenner. Er lanciert deshalb eine Umfrage im Dorf.

Im Oktober 2019 wurde die Sanierung der Dorfstrasse fertiggestellt. Da es sich bei der Dorfstrasse um eine Kantonsstrasse handelt, hat der Kanton die Hoheit über diese Verkehrsachse. Im Zuge der Sanierung setzte er den Gemeinderat anfangs August 2019 schriftlich in Kenntnis, dass als Verkehrsmassnahme der Rechtsvortritt aufgehoben werden sollte, weil einerseits die Dorfstrasse viel breiter als die Gemeindestrassen und mit einer Leitlinie markiert ist und andererseits die Verkehrsbelastung beider Strassen stark voneinander abweiche. Gemäss Amt für Verkehr und Tiefbau hätten Beobachtungen gezeigt, dass der Rechtsvortritt sehr häufig nicht gewährt würde und es so zu gefährlichen Situationen und Beinaheunfällen gekommen sei. Der Kanton sah vor, diese Aufhebung im Amtsblatt zu publizieren.

Hin und her zwischen Kanton und Gemeinderat

Ende August 2019 entschied sich jedoch das Gemeinderatsmehr gegen diese vorgesehene Massnahme und erhob schriftlich Einsprache. In diesem Schreiben räumte der Rat den kantonalen Behörden ein gewisses Verständnis für eine flächendeckende und einheitliche Verkehrsregelung ein. Doch er argumentierte, dass der Rechtsvortritt an der Dorfstrasse sehr gut funktioniere, weil sich die Bevölkerung an die Verkehrsregeln halte. Auch sei der Rechtsvortritt eine willkommene Massnahme, um an neuralgischen Stellen eine Geschwindigkeitsreduktion zu erzielen. Dabei sollen vor allem die schwächeren Verkehrsteilnehmer wie Schulkinder und Senioren geschützt werden. Dem Gemeinderat war zudem keine gefährliche Situation in der Vergangenheit bekannt, die auf den Rechtsvortritt zurückgeführt werden könnte.

Weiter forderte der Gemeinderat keine Umsetzung von Pauschal-Normen, sondern eine Beurteilung vor Ort, um die Praxistauglichkeit zu hinterfragen. Er bekundete zudem in seinem Schreiben, ihm liege viel an der Verkehrssicherheit und er sehe deshalb die optimale Lösung nicht in der Aufhebung des Rechtsvortritts, weil dies zu schnellem Fahren verleiten könnte. Damit meinte er nicht die Tempoüberschreitung von 50 km/h, sondern die nicht der Situation angepassten Fahrweise.
Mit Schreiben vom 26. November 2019 räumte das Amt für Verkehr und Tiefbau dem Gemeinderat ein, dass die Beibehaltung des Rechtsvortritts vertretbar wäre, obwohl er die Aufhebung dessen für richtig halte und kein Vortritt zu signalisieren wäre. Dies, weil die Dorfstrasse zwar eine Kantonsstrasse aber keine (offizielle) Ortsverbindungsstrasse ist und eher das Erscheinungsbild einer Gemeindestrasse hat. Somit kann der Rechtsvortritt belassen werden; mit Ausnahme der Einmündung Neumatt in die Dorfstrasse, dort wollte der Kanton den Rechtsvortritt aufheben.

Nun gehören die Diskussionen zwischen den Behörden der Vergangenheit an und Matzendorf darf sich über eine sanierte Dorfstrasse freuen. Fakt ist aber, dass die Werk- und Wasserkommission von Seiten der Bevölkerung öfter über diese Entscheidung angegangen wurde. Die Kommission steht jedoch geschlossen hinter den Argumentationen des Kantons und ist mit der Rechtsvortrittsregelung nicht glücklich. Sie würde ein «kein Vortritt-Regime» bevorzugen. Anlässlich der Budgetgemeindeversammlung im vergangenen Dezember wurden Stimmen laut, die neue, teerschwarze Strasse, auch «Autobahn» genannt, zu rücksichtsloser Fahrweise verleite. Zudem stifteten der «Kein Vortritt» in der Neumatt und die danach folgenden Rechtsvortritte Verwirrung.

Keine Einigkeit im Rat zu dieser Frage

Der Gemeinderat hat dieses Anliegen nun in seiner ersten Gemeinderatssitzung dieses Jahres behandelt. Die kontroverse Diskussion zeigte, dass sich die Räte bei dieser Angelegenheit nicht finden. Die Befürworter des Rechtsvortritts befürchten, dass eine Aufhebung dieses einen Freipass für eine rücksichtslosere Fahrt durch das Dorf bedeuten könnte.

Aufgrund der Uneinigkeit und der Wichtigkeit des Themas beschloss der Gemeinderat, die Bevölkerung zu Wort kommen zu lassen, um die bestmögliche Lösung für Matzendorf zu finden. Aus diesem Grund ruft er die Bevölkerung auf sich konstruktiv zur «Verkehrsführung Dorfstrasse» zu äussern. Möglich ist dies bis zum 10. April 2020 schriftlich an die Gemeindeverwaltung Matzendorf (auch per E-Mail, Betreff «Dorfstrasse»). Mündliche und auch telefonische Stellungnahmen dürfen nicht entgegengenommen werden, teilt der Gemeinderat mit. Er hoffe dank Mitwirken der Bevölkerung bald einen Konsens zu finden. (mgt)

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