Thal

Verein Wisent Thal schöpft Zuversicht: «Die ersten Tiere könnten im Juli weiden»

Bald im Solothurner Jura zu sehen: Wisente im Wald – wie in Rothaarsteig (D).ho

Bald im Solothurner Jura zu sehen: Wisente im Wald – wie in Rothaarsteig (D).ho

Der Verein Wisent Thal bereitet den Zaun-Bau vor, während die Gegnerschaft weiter Kritik übt und Beschwerde einlegen könnte.

Bald könnten die Wisente im hinteren Thal weiden: Was bereits Ende Februar die Runde machte, bestätigte der Verein Wisent Thal am Freitagnachmittag in einer Medienmitteilung: Der Kanton Solothurn und die betroffenen Gemeinden Balm bei Günsberg und Welschenrohr bewilligten den Bau der Zäune und die Haltung der Wisente. «Wir sind glücklich über den Entscheid. Durch ihn sind die Rechtmässigkeit und der Sinn des Projekts anerkannt», sagte Präsident Stefan Müller-Altermatt auf Anfrage. Der Verein sei froh, nun weiterarbeiten zu können.

Wann die Tiere im Thal das eingezäunte Land beziehen können hängt auch davon ab, ob die Einsprecher während der zehntägigen Frist beim Bau- und Justizdepartement Beschwerde einreichen. «Ein Weiterzug nach dem doch deutlichen Verdikt wäre bedauerlich», sagt Müller-Altermatt. Trotzdem ist der Verein auf verschiedene Szenarien vorbereitet, wie der Präsident sagt. Sollten Beschwerden ausbleiben, würden die Verantwortlichen sofort mit dem Bau loslegen und die weiblichen Tiere würden danach vom Wildnispark Zürich bereitgestellt. Zuerst würde wohl eine Herde mit Wisent-Kühen im Gehege weiden. Etwas länger würde die Beschaffung des Bullen dauern, der später hinzukommen würde, wie Müller-Altermatt ausführt. «Wenn alles optimal läuft, könnten die ersten Tiere im Juli im Thal weiden», sagt er. Im Rahmen der Testphase sollen sich die ursprünglich etwa fünf Tiere vermehren. Kommt es zu Beschwerden, würde die Umsetzung entsprechend länger dauern.

Gegner erachten den Wisent-Test als unnötig

Edgar Kupper, Wortführer der Gegnerschaft, sagte am Freitag auf Anfrage, der Solothurnische Bauernverband sei in Kontakt mit den umliegenden Bauern des Projektperimeters. Das weitere Vorgehen werde eruiert. «Wir sind erstaunt, dass die zuständigen kantonalen und kommunalen Behörden mehrere, weitreichende Ausnahmebewilligungen für einen Versuch geben», sagte Kupper. Das Ergebnis der Testphase sei aufgrund von Erkenntnissen in Deutschland und Polen absehbar. Auch würden Bauten und Anlagen ausserhalb der Bauzone sowie in der Juraschutzzone üblicherweise stets nur «sehr zurückhaltend und mit vielen Auflagen erteilt», argumentiert Kupper.

Der Verein Wisent gibt sich derweil bemüht, nach dem Teilerfolg den Dialog mit den Kritikern zu suchen. «Unabhängig von der nun erfolgten Bestätigung, dass unser Projekt rechtmässig ist, ist es dem Verein Wisent Thal ein Anliegen, dass möglichst breite Kreise aus der Region ins Projekt involviert sind und davon profitieren können», schreibt der Verein in seiner Medienmitteilung.

«Die Einsprecher haben ja durchaus auch recht erhalten», sagt Müller-Altermatt. Der Nationalrat aus Herbetswil bezieht sich auf die Laufdauer und die verschiedenen Phasen des Projekts. Die Phase mit frei laufenden, besenderten Wisenten wurde aufgrund der Kritik gestrichen und die Projektdauer von ursprünglich zehn auf fünf Jahre redimensioniert. In diesem Zeitraum soll sich im 100 Hektar grossen Gehege zeigen – die Fläche entspricht fast 150 Fussballfeldern –, ob der im Mittelalter ausgerottete Wisent heute als Wildtier im Jura tragbar ist. Zudem will der Verein die Menschen mit der Tierart vertraut machen. Hierzu will Wisent Thal sobald die Testphase lanciert ist, Führungen durchführen.

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