Verein Wisent Thal

Verein startet neuen Versuch: Keine Auswilderung, sondern ein grosses Gehege

Ab Januar 2019 könnte es auf dem Gebiet des Welschenrohrer Landwirts Benjamin Brunner so aussehen.

Ab Januar 2019 könnte es auf dem Gebiet des Welschenrohrer Landwirts Benjamin Brunner so aussehen.

Der Verein Wisent Thal wird nicht wie ursprünglich geplant ein Auswilderungsgesuch stellen, sondern einen touristischen Versuch starten.

Bald sollen in Welschenrohr Wisente grasen wie es einst im Mittelalter der Fall war. Dies ist seit längerem bekannt, doch handelt es sich jetzt nicht mehr um ein Auswilderungsprojekt, das der Verein Wisent Thal verwirklichen will, sondern um einen touristischen und wissenschaftlichen Versuch.

«Wir werden in den nächsten Wochen die Gesuche für das Halten einer Wisent-Testherde während fünf Jahren in einem Ein-Quadratkilometer grossen Gebiet bei Welschenrohr stellen», teilte Darius Weber, Aktuar des Vereins Wisent Thal, gestern in einem Communiqué mit. Das mit einem Elektrozaun eingezäunte Gelände gehöre der Bürgergemeinde Solothurn und dem Landwirt Benjamin Brunner.

Als Wildtier tragbar oder nicht?

Es werde während der Projektzeit weiterhin land- und forstwirtschaftlich genutzt. Der Zugang für die Öffentlichkeit sei nicht eingeschränkt. Das Ziel des Projektes sei eine Antwort auf die Frage, ob der im Mittelalter ausgerottete Wisent heute als Wildtier im Jura tragbar ist.

Für das Projekt sei eine Tierhalterbewilligung, eine Tierversuchsbewilligung, eine Bewilligung für eine nachteilige Waldnutzung und eine Baubewilligung für einen Elektrozaun erforderlich.

Die Ämterkonferenz aus den Bereichen Bau, Umwelt und Wirtschaft des Kantons Solothurn (Kabuw) hatte dem Verein anfangs Sommer mitgeteilt, dass die Bewilligungen, insbesondere für den Elektrozaun, erst erteilt werden können, wenn das eidgenössische Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek) dem Projekt grundsätzlich zugestimmt habe. Nach einem Gesuch des Vereins Wisent Thal stellte der Bund nun fest, dass die verschiedenen Bewilligungen in die Kompetenz des Kantons fallen.

Nach diesem Schriftenwechsel stellte der Verein Wisent Thal die entsprechenden Gesuche für die kantonale Verwaltung und die für Baugesuche zuständigen beiden Gemeinden Welschenrohr und Balm bei Günsberg fertiggestellt. «Da das Projekt alle erforderlichen Bedingungen erfüllt, rechnet der Vorstand mit dem Eintreffen der verschiedenen Bewilligungen rechtzeitig für einen Projektstart im Januar 2019», lässt Darius Weber, Aktuar des Vereins Wisent Thal verlauten.

Gründe für Projektänderung

Zunächst hatte der Verein ein Auswilderungsgesuch stellen wollen, musste sein Projekt aber ändern. «Aufgrund der Bedenken aus Land- und Forstwirtschaft sowie der Jagd haben wir das Projekt weitgehend abgeändert», so die Verantwortlichen im Communiqué.

Es handle sich nun viel mehr um einen wissenschaftlichen Versuch sowie eine touristische Attraktion, welche ausschliesslich auf Grundeigentum der Bürgergemeinde Solothurn und des involvierten Landwirtes stattfinden. Es sei ausgeschlossen, dass andere Waldeigentümer oder Landwirte vom Projekt betroffen seien. Und selbst wenn sich herausstellen sollte, dass die Wisente nicht tragbar seien, könnte man die bestehenden Zäune zu einem Schaugehege umfunktionieren. Der touristische Nutzen sei somit gewährleistet.

Die Wisente sollen vom Wildnispark Zürich Langenberg in Absprache mit dem europäischen Erhaltungszuchtprogramm EEP beschafft und für das Projekt bereitgestellt werden.
Der Verein Wisent Thal war im vergangenen Juni gegründet worden. Der Verein hat derzeit die vier Gründungsmitglieder: Benjamin Brunner (Welschenrohr), Stefan Müller-Altermatt (Herbetswil), Christian Stauffer (Gondswil) und Darius Weber (Rodersdorf). Er arbeitet mit verschiedenen ausgewiesenen Fachpersonen in der Schweiz und im Ausland zusammen. (mgt)

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