«Das bisherige Mitmachen hat nichts bewirkt, die Führungsgremien spuren alles vor und relevante Hinterfragungen werden von Nagra und Bundesamt abgewürgt», begründet Präsident Urs Huber (Obergösgen) diesen Schritt in einer Medienmitteilung von gestern Freitag. Der Verein «Niederamt ohne Endlager» sei zum Schluss gekommen, dass es beim ganzen Prozedere weder um eine echte Vertretung der Region, noch um eine möglichst sichere und logische Entsorgung von radioaktiven Abfällen gehe. Das Verfahren werde immer mehr zur Farce, kritisiert NoE. «Kein vernünftiger Mensch kann es sinnvoll finden», so NoE, über die «letztlich absolut zweitrangige Gestaltung eines Areals, eines Eingangstores usw. zu diskutieren», wenn gar nicht bekannt sei, in welche Region ein solches Lager überhaupt kommen werde.

Däniken als «bester Standort»?

NoE hatte bereits heftig kritisiert, dass die Regionalkonferenz Ende April den Entscheid für einen Oberflächenstandort in Däniken getroffen hatte. An der nächsten Regionalversammlung Ende September habe dann die Nagra «schöne Collagen» präsentiert, «wie problemlos ein solcher Oberflächenstandort mitten im Niederamt hingestellt werden könnte». Aus dem ‹wenigsten schlechten Standort von vier ungeeigneten Standorten› sei so in fünf Monaten der ‹beste Standort› geworden, kritisiert NoE. Immerhin habe auch der Nagra-Vertreter die Schwachstellen des Standortes in Däniken zugeben müssen, wie Probleme mit Grundwasser, Gasleitungen, Wildwechsel-Korridor und Bahnanschlüssen.

Dass auch vielen Beteiligte die regionale Partizipation als Alibi-Übung taxierten, hat sich nach Ansicht von NoE an der Regionalkonferenz von Ende September in Gränichen gezeigt: «Von 90 Delegierten waren ganze 38 anwesend, über 30 entschuldigten sich nicht einmal.»

Als «sehr problematisch» beurteilt der Verein NoE die Berichterstattung in den Medien: An den letzten zwei Konferenzen sei jeweils nur ein einziger Medienvertreter anwesend gewesen, «in Gränichen wurden keine Diskussion und schon gar nicht kritische Nachfragen wiedergegeben».

Auftrag der Bevölkerung ignoriert

Der Verein Niederamt ohne Endlager kritisiert, dass die Regionalversammlung den Auftrag der Bevölkerung ignoriere. Seit 2009 sei klar, dass 80 Prozent kein Endlager im Niederamt wollten. Auch die Gemeindepräsidentenkonferenz und der Kantonsrat hätten kritische Beschlüsse gefasst. «Davon ist hier nicht das Geringste zu spüren, insofern kann von einer Partizipation der Bevölkerung kaum gesprochen werden», schreibt NoE.

Der Verein kündigt in der Medienmitteilung an, auch nicht an dem sogenannten «Marktplatz Tiefenlager» teilzunehmen.

Für seine Versammlung vom 14. November in Olten hat NoE Professor Walter Wildi eingeladen, den früheren Präsidenten der Kommission für die Sicherheit von Kernanlagen. Der als AKW-Kritiker bekannte Geologieprofessor war Mitte 2012 bereits aus dem Beirat Entsorgung ausgetreten, einem beratenden Gremium des Bundes. Wildi kritisiert seither die Weiterführung des Sachplans für Oberflächenanlagen als «sinn- und kopflos». (otr)