Kreisschule Thal

Verein Lift: Berufe in der Praxis erfahren

Mit dem Lift-Projekt können Jugendliche mit Einsätzen in Betrieben herausfinden, welche Berufe sie ansprechen.

Der Verein Lift hilft Schülern, sich früh mit dem Arbeitsleben zu beschäftigen. Die Kreisschule Thal macht neu im Netzwerk mit.

Die Bezeichnung «Lift» kann auch etwas anderes als nur das bequeme Hinauf- oder Hinabfahren in einem Gebäude bedeuten. Es ist auch der Name eines Vereins, der sich dafür einsetzt, dass Jugendliche einen unkomplizierten Zugang zur Berufs- und Arbeitswelt finden. Lift heisst in diesem Zusammenhang: Leistungsfähig durch individuelle Förderung und praktische Tätigkeit.

Urs Schmid, ehemaliger «Lehrstellenjäger» des Kantons Solothurn und Eva Davanzo, Schulleiterin der Kreisschule Thal, ist das Thema Berufsfindung für Schüler besonders wichtig. Sie erklären: «Für Schüler ab der 7. Klasse werden Wochenarbeitsplätze während der schulfreien Zeit in Industrie-, Gewerbe- und Dienstleistungsbetrieben in ihrer Region angeboten. Dies soll vor allem Schülern, welche Mühe mit der Berufswahlfindung und dem Berufseinstieg bekunden, die Möglichkeit bieten, Erfahrungen mit der Arbeitswelt zu machen», so Davanzo. Und Urs Schmid ergänzt: «Damit sollen in erster Linie Lehrabbrüche, die oft schon kurz nach Lehrbeginn stattfinden, vermieden werden». Die Schüler lernen die Anforderungen der Arbeitswelt also noch während der Schulzeit kennen. Und zwar an ihrem freien Mittwochnachmittag oder am Samstag.

Mindestens drei Monate Arbeit

Man habe Lift dem Vorstand der Kreissschule Thal vorgestellt, führt Eva Davanzo weiter aus. Auch dort sei man von der positiven Wirkung des Projekts überzeugt. Deshalb seien zusätzliche Gelder bewilligt worden, um die Arbeit zweier Modulleiter – Thomas von Burg in Balsthal und Michael Kreienbühl in Matzendorf – zu ermöglichen. Diese betreuen die Lift-Schüler während ihrer Arbeitseinsätze, die in der Regel für mindestens drei Monate abgeschlossen werden. Urs Schmid amtet zusätzlich als Arbeitsplatzbetreuer. Das heisst, er ist der Verbindungsmann zwischen den Schulen und den Unternehmern, welche den Schülern die Arbeitsplätze anbieten. «Es werden zwischen den Beteiligten Verträge abgeschlossen, die verbindlich sind», sagt Schmid. Und die Schüler müssen nicht gratis arbeiten. Ihnen wird ein Stundenlohn von fünf Franken ausbezahlt.

Das Projekt Lift wurde 2006 ins Leben gerufen. Die Erfahrungen, die mit diesem praxisnahen Ansatz gemacht wurden, seien durchweg positiv – und zwar in allen Sprachregionen der Schweiz, weiss Schmid. Er ist auch einer der Kontaktmänner des Vereins Lift für die Deutschschweiz. Schulen, die am Lift-Projekt mitmachen, existieren im Kanton Solothurn bereits in Biberist, Bellach, Bettlach, Oensingen, Bättwil, Subingen/Derendingen und Dulliken. Die Kreisschule Thal ist neu dazugekommen.

Schmid und Davanzo wissen, dass viele Schüler heute Mühe haben mit dem Einstieg ins Berufsleben. «Sie müssen sich in ein Team einarbeiten, zuverlässig sein, ein Arbeitsziel erreichen, einen Arbeitsweg zurücklegen. Genau solche Vorgaben können sie sich bei einem Lift-Arbeitseinsatz üben. Sie erleben auch, dass man ihre Arbeit wertschätzt und dass man auf sie zählt. Das ist schon anders, als bei einer dreitägigen Schnupperlehre», so Schmid. Der Durchhaltewille wird gestärkt, denn der Jugendliche muss zeigen, dass er eine Arbeitsleistung auch während mehrerer Wochen bringen kann. Zudem besteht die Möglichkeit, mit dem Lift-Programm mehrere Berufe und Branchen kennenzulernen. Einmal pro Woche treffen sich die Lift-Schüler mit den Modulverantwortlichen der Schule; und sie erstellen Arbeitsprotokolle ihrer Tätigkeiten.

Auf der Suche nach Betrieben

Urs Schmid hat seit dem Ja des Kreisschule-Vorstandes mit vielen Betrieben und Unternehmen in der Region Thal Kontakt aufgenommen, ihnen das Projekt erklärt und sie zum Mitmachen aufgefordert. «In der Regel eignen sich KMU am besten für Lift. Unternehmen, die nicht allzu gross sind und bei denen nebst anderem einfache und ungefährliche Arbeiten anfallen.» Einfache Arbeiten können sein: auspacken, sortieren, reinigen, ordnen, einräumen, Botengänge erledigen.

Es ist durchaus möglich, dass die Jugendlichen mit der Zeit auch für anspruchsvollere Arbeiten eingesetzt werden können. Theoretisch müssten die Lift-Betriebe keine Lehrlinge ausbilden oder später eine Lehrstelle anbieten, dennoch machen oft Betriebe mit, welche Lehrlingsausbildungen anbieten, sagt Schmid. Wichtig sei, dass eine geeignete Person zur Betreuung und als Ansprechpartner im Betrieb zur Verfügung steht. Schmid konnte bis zum jetzigen Zeitpunkt acht Thaler Betriebe für das Mitmachen bei Lift gewinnen.

Bessere Lehrstellenchancen

«Wenn bei einer Lehrstellenbewerbung ein Lift-Arbeitseinsatz angegeben werden kann, verbessern sich die Chancen für den betreffenden Bewerber», hat Schmid erfahren. Und da viele Lift-Betriebe auch Lehrbetriebe sind, können sie während der Lift-Einsätze der Schüler fast so etwas wie ein Lehrstellen-Casting durchführen. «Es ist eine Win-win-Situation für beide Seiten», sagt Davanzo.

Zwar habe es heute ausreichend Lehrstellen welche zu besetzen sind, weiss Schmid. «Doch das geht nur nummerisch auf. Viele Schulabgänger haben unrealistische Vorstellungen über ihren Wunschberuf und viele Lehrstellen, die geeignet wären, bleiben offen. So sind Lehrabbrüche vorprogrammiert. Und diesem Phänoman müssen wir entgegenwirken.»
Gestern Abend fand nun die Kick-off Veranstaltung der Kreisschule Thal im Schulhaus Falkenstein in Balsthal statt. Geladen waren 13 Schülerinnen und Schülern, welche die ersten Lift-Arbeitseinsätze im Thal leisten werden. Begleitet wurden sie von ihren Eltern. Ebenfalls waren Vertreter der mitmachenden Unternehmer mit dabei.

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