Oensingen
VCS will Bell-Parkhaus um ein Drittel stutzen

Der VCS verlangt für die von Bell in Oensingen geplanten Projekte ein Mobilitätskonzept und damit einhergehend eine Reduktion des Parkplatzangebots.

Erwin von Arb
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Das Platzangebot im Parkhaus soll von 1200 auf rund 800 Parkplätze reduziert werden.

Das Platzangebot im Parkhaus soll von 1200 auf rund 800 Parkplätze reduziert werden.

zvg

Die von Bell in Oensingen geplanten Investitionen für den Ersatzbau des bestehenden Rinderschlachthofs an der Dünnernstrasse sowie die Ansiedlung der Schweinezerlegerei haben den Verkehrs-Club der Schweiz (VCS) auf den Plan gerufen.

Der VCS stellt sich bei seiner offiziellen Beteiligung am Mitwirkungsverfahren für die Gestaltungspläne nicht gegen die Ausbaupläne von Bell oder gegen das ebenfalls geplante Parkhaus. Dieses wird sogar begrüsst, weil so der Landverbrauch für das Abstellen der Fahrzeuge der Mitarbeiter tief gehalten werden könne.

Das Projekt

Bell investiert an den Standorten Basel und Oensingen in den nächsten Jahren einen dreistelligen Millionenbetrag. In Oensingen sollen die Werke für die Schweineverarbeitung und die Aufbereitung und Kommissionierung von Frisch- und Tiefkühlprodukten sowie ein Ersatzbau für den bestehenden Rinderschlachthof an der Dünnernstrasse realisiert werden. In einer ersten Etappe soll der 1971 gebaute Rinderschlachthof an der Dünnerstrasse durch einen Neubau auf dem nördlich gelegenen Parkplatz ersetzt werden. Durch den Wegfall der Parkplätze und den erhöhten Parkplatzbedarf für die auf dem Areal Holinden geplanten Neubauten soll auf einer zentral zwischen den Betrieben liegenden Parzelle ein Parkhaus mit einer Kapazität von 1200 Parkplätzen gebaut werden. Ein Baustart ist vorbehältlich der Bewilligungen im ersten Quartal 2018 geplant. Die Inbetriebnahme des Parkhauses ist Ende 2018 vorgesehen, jener des Rinderschlachthofs in der zweiten Jahreshälfte 2019. Das Mitwirkungsverfahren für die Gestaltungspläne dieser beiden Projekte läuft noch bis 20. November.

Das östlich der Parzelle Holinden geplante Tiefkühllager mit 30'000 Palettenplätzen soll bis Ende 2019 in Betrieb genommen werden. Die Auflage von Gestaltungsplan und Umweltverträglichkeitsbericht sowie das Baugesuch sind in Planung. (eva)

«Schöne Worte statt Taten»

Im Namen der VCS-Sektion Solothurn moniert Vorstandsmitglied Heinz Flück aber, dass mit dem Gestaltungsplan kein Mobilitätskonzept erarbeitet worden sei. Den schönen Worten im Gestaltungsplan wie «Der Betrieb hat durch geeignete Massnahmen wie attraktive Zweirad-Abstellplätze, Schaffung von E-Bike-Angeboten etc. dafür zu sorgen, dass der Modal-Split der Pendler zugunsten des öffentlichen Verkehrs und des Langsamverkehrs optimiert wird», folgten keine Taten.

Kritisiert wird vom VCS, dass das Parkhaus für alle der künftigen 1200 Mitarbeitenden erstellt werden soll. In der Verkehrsprognose des Umweltverträglichkeitsberichts werde davon ausgegangen, dass alle Beschäftigten ihren Arbeitsweg individuell mit einem Motorfahrzeug zurücklegten. Folglich seien bei diesen Berechnungen Fahrgemeinschaften, öV-Benutzer oder der Langsamverkehr mit Velos und Fussgängern nicht berücksichtigt worden, führt der VCS ins Feld.

Für den VCS nicht akzeptabel

Der VCS kommt zum Schluss, dass mit einem griffigen Mobilitätskonzept die Anzahl benötigter Parkplätze um rund 30 Prozent reduziert werden könnte und fordert deshalb das Volumen des Parkhauses entsprechend anzupassen. Bezüglich des Verkehrsaufkommens verlangt der VCS ferner, den «Gestaltungsplan Holinden» (Parkhaus) nicht unabhängig, sondern als Teil des gesamten «Gestaltungsplans Bell Dünnernstrasse» zu beurteilen. Zudem sei eine Mobilitätsstrategie für die Bell-Mitarbeitenden auszuarbeiten und in den Gestaltungsplan zu integrieren.

Abschliessend geht der VCS hart ins Gericht mit der Gemeinde. Ein Projekt dieser Dimension ohne Mobilitätskonzept aufzugleisen sei für eine Gemeinde wie Oensingen, die sich Energiestadt nenne, nicht akzeptabel.

«Einwände sind unberechtigt»

Gemeindepräsident Fabian Gloor erklärt auf Anfrage, dass die Einwände des VCS nicht berechtigt seien. Im Rahmen der Auflage des Gestaltungsplans sei entgegen der Aussage des VCS sehr wohl ein Mobilitätskonzept vorgesehen. Auch ordne Oensingen seinen Status als Energiestadt nicht den Projekten der Industrie unter. In der öffentlichen Auflage würden alle Forderungen aus der Mitwirkung und der Vorprüfung geprüft und allenfalls in den aufzulegenden Gestaltungsplan integriert. Zudem würden die Projekte der Bell Schweiz AG in Bezug auf den Verkehr bereits als Ganzes betrachtet. «Im Moment sind die Projekte in der Vorprüfung beim Kanton», so Gloor.

Nach Ablauf des Mitwirkungsverfahrens, welches noch bis 20. November läuft, wird ein zusammenfassender Bericht erstellt. Dieser wird danach vom Gemeinderat zur Kenntnis genommen und veröffentlicht. Nach der Vorprüfung wird das Projekt nochmals von der Planungskommission behandelt und danach vom Gemeinderat die öffentliche Auflage beschlossen.