Neuendorf
«Väter sind schlechtere Trainer», findet Springreiter Willi Melliger

Willi Melliger und sein 20-jähriger Sohn Kevin sind praktisch jedes zweite Wochenende an Reitturnieren in ganz Europa unterwegs. Als Trainer versucht Melliger seinen Sohn an den Pferdesport heranzuführen, was nicht immer wunschgemäss gelingt.

Erwin von Arb
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Die 5-jährige Stute Escada ist derzeit das beste Pferd im Stall von Willi Melliger, der seinem Sohn Kevin mit wertvollen Ratschlägen zum Erfolg verhelfen will.

Die 5-jährige Stute Escada ist derzeit das beste Pferd im Stall von Willi Melliger, der seinem Sohn Kevin mit wertvollen Ratschlägen zum Erfolg verhelfen will.

Erwin von Arb

«Eigentlich kann ich Kevin viel zu wenig beibringen», sagt Willi Melliger und blickt seinem 20-jährigen Sohn in die Augen. Das Problem sei, dass Kevin ihn als Trainer zu wenig ernst nehme und zu oft opponiere, einfach der Opposition wegen, sagt der erfolgreichste Schweizer Springreiter etwas ratlos. In einer Vater-Sohn-Beziehung sei das normal, für das Training aber abträglich. Sohn Kevin bestätigt die Aussagen seines Vaters, und dass er womöglich schon viel weiter sein könnte, wenn er auf ihn hören würde.

Seit elf Jahren ein Team

Trotzdem sind beide seit rund elf Jahren in gutes Gespann. So lange arbeitet Willi Melliger mit seinem Sohn zusammen und führt ihn an den Reitsport heran. Kevin sei eigentlich schon weiter als er im gleichen Alter, bemerkt der 61-Jährige. Zwölf Jahre alt sei er gewesen, als er zum ersten Mal auf ein Pferd gestiegen sei, angetrieben von seinem Vater. Die ersten Erfolge an Turnieren stellten sich ein, als Melliger 15 Jahre alt war. Kevin begann schon als 10-jähriger Junge mit dem Reiten von Ponys. «Meine Mutter Nadia hat mich dazu animiert.» Zuerst habe er das abgelehnt. «Heute bin ich extrem vom Pferdesport fasziniert», sagt Kevin mit einem Glänzen in den Augen. Mit einem zweiten und dritten Platz an den Schweizer Meisterschaften in den Jahren 2009 und 2010 zeigte Kevin, dass auch er die Anlagen hat, ein erfolgreicher Springreiter zu werden.

Soviel zu erreichen, wie einst sein Vater, daran mag Kevin gar nicht denken. Immerhin hat Willi Melliger in seiner beeindruckenden Karriere nicht weniger als 15 Europameisterschaftsmedaillen geholt, war fünfmal Europameister, siebenmal Schweizer Meister, Silbermedaillengewinner an den Olympischen Spielen 1996 in Atlanta sowie 2000 in Sydney. Kevin hat sich zum Ziel gesetzt, auch schon bald zu den besten Springreitern der Welt zu gehören. Dafür will er hart an sich arbeiten und bei seinem Vater noch einiges abschauen. «Er ist klar mein Vorbild und er kann mir noch sehr viel beibringen. Etwa, wie er es immer wieder schafft, aus Pferden das bestmögliche herauszuholen. Das macht er einfach drei Klassen besser als andere», meint Kevin anerkennend.

Zusammenarbeit auch im Stall

Vater und Sohn sind praktisch jedes zweite Wochenende an Reitturnieren in ganz Europa unterwegs. Willi Melliger attestiert Kevin mentale Stärke, die er bei den Concours immer wieder beweise. «Dann hört er auf mich». Er könne aber auch viel von seinem Sohn lernen. Dieser kenne sich besser mit modernen Medien aus, was beim Pferdehandel von Vorteil sei. «Und er hat ein gutes Auge, wenn es um mögliche Neuzugänge im Stall geht», so Melliger.

Die grössten Hoffnungen setzt Kevin in die 5-jährige Stute Escada. Sie habe das Potenzial, ein Spitzenpferd zu werden. Ob er mit ihr an die grossen Erfolge seines Vaters anknüpfen kann, ist ungewiss, zumal gute Pferde oft den Besitzer wechseln. «Wir müssen auch von etwas leben», meint Willi Melliger dazu. Nicht für unmöglich hält der ehemalige Springreiter, wieder einmal an ein Pferd wie den legendären Calvaro zu kommen. Die Kunst sei dann, diese Talente in einem Pferd auch zu entdecken. Dass Melliger das kann, hat er mit dem damals 8-jährigen Schimmelwallach Calvaro bewiesen.

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