Balsthal
Värsli aufsagen im Garten: Der Samichlaus wird dieses Jahr draussen bleiben

Auch die beliebteste Balsthaler Tradition muss Abstriche wegen Corona machen. Värsli-lernen für die Kinder ist aber dennoch angesagt.

Fränzi Zwahlen-Saner
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Traditionelles Samichlausjagen in Balsthal. Das wird es in diesem Jahr nicht geben.

Traditionelles Samichlausjagen in Balsthal. Das wird es in diesem Jahr nicht geben.

Felix Gerber

Balsthal und der Samichlaus – das ist fast so etwas wie ein Liebesgeschichte mit viel Tradition. Seit über 100 Jahren ist verbrieft, dass die Samichlaus -Tradition noch immer in der gleichen Art durchgeführt wird.

Der Samichlaus, es sind Mitglieder des Turnvereins Balsthal und des FC Klus-Balsthal, besucht die Kinder in ihren Häusern. Begleitet wird er vom Schmutzli und einer Schar älterer Kinder mit Glocken - Chlausjagen nennt man das. Der Samichlaus betritt die Stube und hält den Kindern nach seinen Friedensgruss ihr «Sündenregister» vor. Zur Besänftigung des Mannes mit dem Rauschebart wird dann ein möglichst gut auswendig gelehrtes Värsli vorgetragen.

Dann zeigt sich der Chlaus versöhnt; breitet Nüssli, Bänzli und Lebkuchen auf dem Tisch aus und überreicht den Kindern kleinere Geschenke, die ihm die Eltern vorher zugesteckt hatten. Dann verschwindet er mit seinem Gefolge in die Nacht hinaus und die Erleichterung bei Gross und Klein ist oft gross, dass der Besuch dieses Mannes erst wieder in einem Jahr ansteht.

Durchs Dorf gejagt

In Balsthal geht es aber nach den Hausbesuchen erst richtig los: Sind alle Samichläuse mit ihren Besuchen fertig, versammeln sie sich im Dorf um dann unter lautem Glockenklängen von den Chlaus-Jägern und unterbrochen von Geisle-Chlöpfern zweimal durch die Herrengasse gejagt zu werden.

Das braucht dann schon etwas Kondition, sind doch die Samichläuse schon seit Stunden in den Kostümen mit den dicken Bärten unterwegs - oft auch durch gut-gemeintes Getränk schon ein bisschen angeschlagen. Zum Schluss besammeln sich die Chläuse dann alle auf der Treppe des Gasthofes Kreuz wo sie dann noch einmal ihr Eintrittsvers «Der Friede sei mit Euch...» vor dem versammelten Publikum zum Besten geben.

Seit einigen Jahren hat sich in der Goldgasse und auf dem Kornhausplatz noch der Samichlaus-Märet des Gewerbevereins etabliert. Dieser und die Jagd der Chläuse führt dazu, dass der Abend des 6. Dezember in Balsthal zu einem wahren Volksfest wird.

Das Jahr, in dem alles anders sein wird

Doch dieses Jahr wird es anders. Der Samichlaus-Märet wurde schon länger abgesagt und Thomas Dobler, Covid-Verantwortlicher für den Samichlaus der beiden Vereine informierte an letzten Gemeindeversammlung, wie es mit der Chlaus-Tradition dieses Jahr aussieht. «Der Samichlaus wird durchgeführt. Allerdings in begrenztem Umfang. Er kommt zu den Kindern nach Hause, aber nur zu denjenigen, deren Familien sich im Vorfeld anmeldeten».

13 Personen – mit Samichlaus und Schmutzli sind es dann 15 – dürfen pro Familie anwesend sein. «So kann man den Chlaus im Garten oder auf dem Vorplatz - und nur dort - empfangen und dort können die Kinder ihre Värsli aufsagen», so Dobler. «Der Samichlaus gibt nur verpackte Bänzli ab und wechselt nach jedem Besuch die Handschuhe. Im Dorf findet kein Umzug kein anschliessender Beizen-Chlaus statt. Auch werden wir keine Kostüme ausleihen». Dieses Konzept sei so mit der Gemeindebehörde abgesprochen.