Die Stimmberechtigten der Einwohnergemeinde Neuendorf werden am 29. Juni nicht wie vorgesehen über die Verwaltungsrechnung 2016 befinden können. Grund: Der dafür nötige Rechnungsabschluss kann nicht fristgerecht erfolgen. Die Gemeinde begründet die Verzögerung des Rechnungsabschlusses mit dem über Monate dauernden krankheitsbedingten Ausfall der Gemeindeverwalterin sowie personellen Veränderungen auf der Gemeindeverwaltung.

Nach dem definitiven Weggang der Gemeindeverwalterin Anfang April sei klar geworden, dass die Gemeinde für die Erstellung der Jahresrechnung auf externe Hilfe angewiesen sei, erklärt Gemeindepräsident Rolf Kissling. Solche Fachleute zu finden erwies sich allerdings als sehr schwierig, insbesondere darum, weil der Abschluss erstmals nach dem neuen Rechnungslegungsmodell HRM 2 zu erfolgen hat.

Schwierige Suche nach Abhilfe

In dieser schwierigen Situation wandte sich die Gemeinde an das kantonale Amt für Gemeinden, um den Abschluss für die erwähnte Gemeindeversammlung doch noch bewerkstelligen zu können. Die in Zusammenarbeit mit dem Amt getätigten Anfragen um Unterstützung durch Fachkräfte, insbesondere bei Nachbargemeinden, waren aber durchweg erfolglos. Niemand hatte die Kapazität für eine termingerechte Erstellung des Jahresabschlusses.

Eine Kurzanalyse des gegenwärtigen Status der Gemeinderechnung durch externe Fachleute zeigte zudem, dass aufgrund vieler offener Fragen und dem nicht aktuellen Stand der Buchhaltung der Rechnungsabschluss viel mehr Zeit in Anspruch nehmen wird als angenommen. Für einen Lichtblick sorgte in der prekären Situation um die Gemeindefinanzen zumindest die Nachricht, dass eine bestens ausgewiesene Firma aus Luterbach für die Lösung der komplexen Aufgabenstellung gefunden werden konnte.

Solche Fälle kommen selten vor

Dies ändert allerdings nichts daran, dass die Zeit nicht ausreicht, um die Rechnung 2016 am 29. Juni der Gemeindeversammlung zur Genehmigung vorzulegen. Deshalb wurde die Rechnungsgemeindeversammlung auf den 14. September verschoben. Davon in Kenntnis gesetzt wurde auch das kantonale Amt für Gemeinde, bei welchem die Gemeinden jeweils Rechenschaft über die Verwaltungsrechnung ablegen müssen. Gemäss Vorgaben des Amtes für Gemeinden muss die Rechnung jeweils bis 30. Juni von der Gemeindeversammlung bewilligt worden sein. Der Rechnungsabschluss muss danach dem Amt für Gemeinden bis 31. Juli zugestellt werden, wie Thomas Steiner, Leiter Gemeindefinanzen aus Anfrage erklärt. Die Verschiebung einer Rechnungsgemeindeversammlung wie im Fall von Neuendorf komme sehr selten vor. «In den insgesamt rund 400 Körperschaften für die wir zuständig sind, bestehend aus Einwohner-, Bürger- und Kirchgemeinden oder Zweckverbänden, passiert das jährlich nur einmal», sagt Steiner.

Das Amt für Gemeinden geht davon aus, dass sich die Situation in Neuendorf wieder stabilisieren wird. Mit ein Grund dafür sei, so Steiner, dass eine Person eingestellt werden konnte, welche mit Rechnungsabschlüssen eine gewisse Erfahrung mitbringe.

Im Herbst wieder Vollbesetzung

Gemeindepräsident Rolf Kissling bestätigt die Einstellung von Claudia Barrer für den Bereich Administration/Gemeindeschreiberei im 100-Prozent-Pensum. Ihr Stellenantritt erfolgt per 1. Juli. Die Evaluation für die Besetzung der Vollzeitstelle für den Bereich Finanzverwaltung/Verwaltungsleitung sei noch im Gang. Nach der Besetzung dieser Stelle würde sich der Kernverwaltungsbereich wieder auf dem Soll-Bestand von 340 Stellenprozenten befinden, wie Kissling bemerkt. «Wir hoffen, dass dieses Ziel im Laufe des Herbstes erreicht werden kann.»

Danach sollte die gesamte Verwaltungstätigkeit wieder ohne Einschränkungen gewährleitstet sein. Die Öffnungszeiten mussten nämlich wegen der strapazierten Situation im Personalbereich etwas reduziert werden. «Wir bewegen uns aber immer noch im Rahmen der Öffnungszeiten vergleichbarer Gemeinden. Reklamationen haben wir keine», erwähnt Kissling. Keine Probleme hatte die Gemeinde bisher auch bezüglich ihrer Liquidität. «Sämtliche Steuerrechnungen konnten verschickt und damit die Zahlungsfähigkeit der Gemeinde sichergestellt werden», so Rolf Kissling.

Die Gemeindeversammlung vom 29. Juni findet übrigens trotzdem statt, halt ohne den Rechnungsabschluss 2016.