Niederbuchsiten
USA neu der zweitgrösste Markt für Jura

Die Jura Elektroapparate AG, bekannt für ihre Kaffee-Vollautomaten, hat 2014 den Umsatz um 5 Prozent auf 378,5 Millionen Franken gesteigert. Das Unternehmen in Niederbuchsiten legte in den USA und in Deutschland zu.

Erwin von Arb
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Jura-CEO Emanuel Probst setzt weiter auf die Jura-Premium-Kaffeevollautomaten .

Jura-CEO Emanuel Probst setzt weiter auf die Jura-Premium-Kaffeevollautomaten .

Bruno Kissling

Die Jura Elektroapparate AG blickt auf ein erfolgreiches 2014 zurück, wie CEO Emanuel Probst am Donnerstag in den kürzlich im Obergeschoss der gläsernen Servicefabrik fertiggestellten Büroräumen erfreut berichten konnte. Nicht unerwähnt liess er das ebenfalls auf dieser Etage neu eingerichtete Fabrikmuseum, wo die einst in Niederbuchsiten produzierten Elektroapparate ausgestellt werden.

USA überholen Schweizer Markt

Zurück zur jüngsten Firmengeschichte: Mit einem Plus von 5 Prozent erzielte Jura im Geschäftsjahr 2014 einen Umsatz von 378,5 Mio. Franken. Als Wachstumsmotoren erwiesen sich in erster Linie Deutschland, die USA, die Niederlande, Australien und Grossbritannien. 271 000 Kaffeevollautomaten setzte das Niederbuchsiter Unternehmen weltweit ab. Dabei konnte Jura vor allem im Premium- und Professional-Segment deutlich zulegen, wie Probst dazu ausführte.

«Am 15. Januar haben wir 10 Minuten geflucht»

Die Stärke des Schweizer Franken stellt Jura vor eine grosse Herausforderung, zumal 72 Prozent des 2014 erzielten Umsatzes ausserhalb der Schweiz erzielt wurden. «Als die Nationalbank am 15. Januar die Aufgabe des Mindestkurses des Frankes bekannt gegeben hat, haben wir zuerst einmal zehn Minuten geflucht», erinnert sich Jura-CEO Emanuel Probst. Eine Kürzung der Löhne der 260 Mitarbeitenden in der Schweiz – international sind es 426 Beschäftigte – wegen dieses währungsbedingten Wettbewerbsnachteils, kommt für Probst aber nicht infrage. «Grund zur Panik gibt es keinen», gibt er Entwarnung. «Wir haben eine starke Bilanz und können den Schwung in den Märkten mit dem richtigen Produkt-Portfolio nutzen.» Dabei stünden das Premiumsegment sowie der verstärkte Aufbau des Professional-Bereichs im Fokus. Mit eigenen Vertriebsgesellschaften, Jura Stores, hochwertigen Verkaufspunkten und der neuen Dienstleistung «Jura Live», bei der sich Interessierte direkt übers Internet vom Fachpersonal beraten lassen können, werde der Marktaufbau aktiv unterstützt. «Wir sind richtig aufgestellt und fit für die Zukunft», ist Probst überzeugt. Von der Politik wünscht er sich verstärkte Anstrengungen rund um die Freihandelsabkommen mit China und Brasilien. Weiter müssten die Beziehungen zwischen der USA und der EU im Auge behalten werden. Ein Freihandelsabkommen zwischen EU und USA würde sich sehr nachteilig für die Schweiz auswirken. Ferner wünscht sich Probst einen sorgfältigen Umgang mit den Bilateralen. Die EU werde auch in den kommenden zehn Jahren der wichtigste Handelspartner für die Schweiz bleiben. «Ohne die EU geht es nicht.» Deshalb plädiert der Jura-CEO für Zurückhaltung bei der Regulierungsarbeit. «Lieber unsichere Chancen als sicher nichts», so sein Credo. (eva)

«Der Wachstumsschub in Nordamerika liess die USA erstmals in der Geschichte von Jura den Heimmarkt Schweiz überholen und macht sie neu hinter Deutschland zu unserem zweitgrössten Absatzmarkt», resümierte Probst an der Medienorientierung. Besonders erfreut zeigt er sich auch über das starke erste Geschäftsjahr von Jura Polen.

Umsatzeinbruch in Russland

Einen Absturz vom bisher 6. Rang in den «Top 10» ins Niemandsland hinnehmen musste Jura hingegen in Russland, wo der Umsatz um die Hälfte einbrach. «Vor der Ukrainekrise kostete ein günstiger Kaffeevollautomat in Russland 40 000 Rubel, heute müssen dafür 100 000 Rubel bezahlt werden», meinte Probst zu den dramatischen Folgen der galoppierenden Inflation in diesem Land.

2014 investierte Jura in der Schweiz 10,7 Mio. Franken. Davon flossen 5 Mio. Franken in die Produktentwicklung und Werkzeuge. Damit sei die Grundlage für ein weiteres Wachstum im Premiumsegment geschaffen worden, bemerkte Probst. In diesem Bereich will Jura weiter stark bleiben. «Dass wir auf dem richtigen Weg sind, zeigen Reaktionen aus unserem wichtigsten Markt Deutschland, wo vor allem Premiumprodukte Anklang finden.»

Als klares Bekenntnis für den Werkplatz Schweiz sieht Probst die 4,9 Mio. Franken, welche Jura 2014 in Infrastruktur und Gebäude am Hauptsitz in Niederbuchsiten investiert hat. Davon zeuge auch die komplett neu gestaltete Juraworld of Coffee, die am 13. September 2014 wiedereröffnet worden sei.

Weniger Umsatz wegen Franken

Im laufenden Jahr will Jura weiter wachsen. Mindestens 280 000 Vollautomaten sollen rund um den Globus abgesetzt werden. Allerdings wegen der Aufgabe der Stützung des Schweizer Frankens durch die Nationalbank unter erschwerten Bedingungen, wie CEO Emanuel Probst bemerkte. Prognosen zufolge wird damit gerechnet, dass der Umsatz bei einem Eurokurs von 1.05 und einem Dollarkurs von 0.95 die Marke von 350 Mio. Franken übersteigt. Gegenüber 2014 wird also wegen des starken Frankens mit einen Umsatzrückgang von knapp 30 Mio. Franken gerechnet, trotz höherem Absatz, wie Probst bestätigte. Die Zeichen, das anvisierte Ziel zu erreichen, stünden gut. «Die ersten beiden Monate haben für Jura hervorragend begonnen», zeigte sich Probst optimistisch.

Die formulierten Ziele erreichen will das Unternehmen mit Innovationen im Premiumsegment sowie mit dem Gewinn weiterer Marktanteile in den USA. Der 2014 dort erzielte Umsatz von 50 Mio. Franken soll um 10 Prozent wachsen. Auch eine Wiederbelebung des russischen Markts wird angestrebt. Im Frühling sind zudem neue Produkteplattformen geplant. Und nicht zuletzt hofft Probst, dass Markenbotschafter Roger Federer Jura treu bleibt, obwohl über eine Verlängerung des 2016 auslaufenden Vertrags noch nicht gesprochen wurde.