Das Guldental ist bekannt für Traditionen und Beständigkeit. Die Fasnacht zum Beispiel hat, wie die Dorfchronik berichtet, seit Jahrhunderten Bestand; ein Brief der Gemeinde an die Obrigkeit, datiert vom 20. März 1626, belegt das. Darin steht: «Die alte Fasnacht wurde nicht mit Üppigkeit gefeiert, sondern gemäss Mandat.» Eine Art Mandat stellte es in den 1970er-Jahren auch für den einheimischen Künstler Gustav Grolimund dar, als er mit den Mümliswiler Fasnächtlern bzw. mit der Mümliswiler Fasnachtsgesellschaft unter Leitung von Fritz Fankhauser vereinbarte, jährlich eine Plakette zu gestalten.

Jedoch nicht irgend eine, sondern jede einzelne sollte einen Buchstaben des Namens Mümliswiler Fasnachtsgesellschaft darstellen. Start war 1978 mit dem «M», dann sollten die weiteren 31 Buchstaben folgen bis 2009 das «t» den Abschluss bilden würde. Doch bei 2006 war Ende. Sehr zum Ärger von vielen Fasnachtsbegeisterten in und um Mümliswil, namentlich für jene, die hofften, letztlich einen ganzen Satz Plaketten zu besitzen, die ein Gesamtkunstwerk darstellen.

«Das tat mir weh»

Ganz besonders getroffen jedoch hat das Ende den Macher der Plaketten, Gustav Grolimund. 1934 geboren in Mümliswil, lernte er zuerst Wagner, besuchte dann die Kunstgewerbeschule und die Schnitzerschule Brienz. Seit 1975 hat er in Walterswil ein eigenes Atelier für Bildhauerei und Restaurationen kirchlicher Kunst. «Ja, das tat mir weh», sagt er, «und es ärgert mich noch heute.»

Vor kurzem hat man ihn vonseiten des Historischen Vereins Guldentals angefragt, was denn mit den Plakettenmodellen aus Holz geschehe und ob man nicht nach einer Möglichkeit suchen sollte, um die Plakettenreihe doch noch zu Ende zu bringen. «Die Anfrage hat mich gefreut», gibt Grolimund zu. «Es zeigt, dass das Werk nicht ganz vergessen worden ist.» Doch so gut das Bemühen auch gemeint sei, «für mich kommt eine Realisierung nicht infrage.» Zu viel Zeit sei vergangen, und die Jüngeren würden wohl kaum verstehen, was das soll.

Aber warum ist denn eigentlich der Verlauf des Plakettensatzes gestoppt worden? «Es gab halt mit der Zeit verschiedene Vorstellungen darüber, wer an der Fasnacht etwas zu sagen hat», antwortet Grolimund. «Aber ich möchte lieber nicht mehr darüber sprechen», fügt dann aber noch an, dass er für seine Arbeit nie Geld verlangt habe. Die Herstellung eines Plakettenmodells koste immerhin rund 800 Franken.

Der Bruch zwischen den Fasnächtlern und Gustav Grolimund fiel in jene Zeit, in der die Mümliswiler Fasnacht einige Turbulenzen durchmachte. Der Ortskorrespondent berichtete im Januar 2005: «Nachdem fast alle Mitglieder (fünf von sechs) abgetreten sind und zudem keine neue Obernärrin oder Obernarr gefunden werden konnte, haben die Cliquen kurzfristig beschlossen, die diesjährige Fasnacht zu organisieren, bis die MFG wieder voll durchstarten kann.» Gustav Grolimund hat nach einem Eklat nicht nur der Mümliswiler Fasnacht den Rücken zugekehrt, sondern es kam auch noch zu rechtlichen Händeln.

Eine Konsequenz hat er gezogen, indem er den – selbstverständlich selber gemachten – Schaukasten mit den Plaketten in Mümliswil abholte. Der Kasten hing bis dahin im Restaurant Kreuz, nun bewahrt Grolimund alles bei sich in Walterswil auf.

Es geht auch ohne

Die Mümliswiler Fasnachtsgesellschaft MFG kam nach dem Bruch nicht mehr auf die Beine. 2005 gründeten 13 Personen das Guldentaler Fasnachtskomitee GFK und dieses waltet seither seines Amtes. Die Fasnacht funktioniert. Offenbar auch ohne Oberchessler und Obernarr, dieses Jahr ist keiner dieser Posten besetzt. Aber eine Plakette gibts trotzdem, einmal mehr geschaffen vom einheimischen Künstler Marius Füeg.