Balsthal
Unverständnis über hervorragende Hausecke beim Geissgässli

Wer beim Neubau bei der «Alten Litzi» auf ein breiteres Trottoir hoffte, wurde enttäuscht. Die Hausecke der Neuüberbauung zwischen Litzigasse und Geissgässli kommt auch nach dem Umbau noch auffällig nahe an der Hauptstrasse zu liegen.

Lucien Rahm
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Baustelle Geissgässli Balsthal: Auffällig nahe an der Hauptstrasse kommt die Hausecke der Neuüberbauung zu liegen.

Baustelle Geissgässli Balsthal: Auffällig nahe an der Hauptstrasse kommt die Hausecke der Neuüberbauung zu liegen.

Bruno Kissling

Das sei «idiotisch», befindet ein Passant, angesprochen auf die Tatsache, dass die Hausecke der ehemaligen «Alten Litzi» zwischen Litzigasse und Geissgässli auch nach dem Wiederaufbau immer noch auffällig nahe an der Hauptstrasse zu liegen kommt. «Ich verstehe nicht, warum man das nochmals bewilligt hat.» Auch einer weiteren Fussgängerin ist die Erlaubnis zur Beibehaltung des geringen Abstandes «ein Rätsel». Ebenso empfindet ein vorbeigehendes Paar die Ecke als störend, die im fertigen Zustand zirka 110 Zentimeter Trottoirfläche bieten wird.

Nicht anders möglich

Es sei gar nicht möglich gewesen, anders zu bauen, sagt die verantwortliche Architektin Martina Zurmühle der mit dem Bau beauftragten ZSB Architekten AG. «Es war Auflage der Denkmalpflege, die gleiche Stellung sowie das Volumen beizubehalten, welche das vorherige Gebäude hatte.» Daher sei eine Verschiebung der Ecke keine Option gewesen.

Ziel der Beibehaltung dieser Masse sei es, den Charakter des Ortsbildes zu erhalten, erklärt Markus Schmid vom kantonalen Amt für Denkmalpflege. Daher müsse zudem auch das Dach die gleiche Gestalt wie zuvor haben und auch die Anzahl Geschosse müsse wieder dieselbe sein. Ob man die Hausecke versetzen müsste, darüber habe man deshalb während der Planung gar nie gross gesprochen.

Natürliche Tempobremse

Anton Wüthrich, Leiter der Bauverwaltung Balsthal, erklärt, die Entscheidung habe die damalige Ortsbildkommission so gefällt, in Absprache mit der Denkmalpflege. Nebst den genannten Gründen habe man sich auch für die Wahrung des Eckstandortes entschieden, um diese «natürliche Einfahrbremse» am Osteingang des Dorfes beizubehalten. «Wir wollten die Strasse nicht verbreitern, um die von Holderbank her herunterdonnernden Autos nicht zu schnellem Fahren zu verleiten.» Darum sei der Entscheid seiner Auffassung nach richtig.

Nicht glücklich mit der unveränderten Ausgestaltung ist Gemeindepräsident Roland Stampfli: «Irgendwie hätte man das verhindern müssen.» Auch bei einer Verschiebung des Ecks hätte man die Fassade so gestalten können wie zuvor, ist er der Meinung. Die Baubewilligung sei aber noch vor seiner Amtszeit erteilt worden, weshalb er bei diesem Thema noch nicht mitwirken konnte, hält Stampfli fest.

«Mangelndes Fingerspitzengefühl»

Auch Gemeinderat Fabian Müller kann die Entscheidung nicht ganz nachvollziehen: «Es ist seit Ewigkeiten mühsam, diese Stelle zu durchgehen, weil es einfach eng ist.» Und sobald man mit Kindern unterwegs sei, werde es auch gefährlich. Es hätten sich wohl einige Leute in Balsthal gefreut, dass an betreffender Stelle nun etwas Platz geschaffen wird. Entsprechend sei man nun enttäuscht. «Es würde der Denkmalpflege nicht schlecht tun, manchmal ein wenig Fingerspitzengefühl walten zu lassen», findet Müller.

Wer hat entschieden?

Dass vor allem die kantonale Denkmalpflege für die Beibehaltung des Ecks verantwortlich sei, dem widerspricht Claudio Favaro, ehemaliger Präsident der Ortsbildkommission und heutiges Mitglied der kantonalen Denkmalpflege-Kommission. «Die Hoheit über die Vergabe der Baubewilligung liegt bei der Gemeinde.» Balsthal selber entscheide somit abschliessend über deren Ausgestaltung, meint Favaro.

Eine weitere Quelle, die namentlich nicht genannt sein möchte, sagt jedoch: Die Ortsbildkommission habe damals vorgeschlagen, die betreffende Ecke um einen Meter zurückzusetzen. Die Denkmalpflege habe sich aber schliesslich durchgesetzt.