Oensingen

«Unsere Region spielt eine wichtige Rolle» – Start für Projekt Cargo Sous Terrain soll in Region erfolgen

In solchen Fahrzeugen sollen ab 2030 unterirdisch Waren zwischen dem Gäu und Zürich transportiert werden.

Die Mitglieder des Industrie- und Handelsvereins Thal-Gäu-Bipperamt liessen sich aus erster Hand über Cargo Sous Terrain informieren. Der Start für das Projekt soll in der Region erfolgen.

Unter dem Label «Wirtschaftspolitik am Morgen» hatte der IHV Thal-Gäu-Bipperamt den Verwaltungsratspräsidenten der Cargo Sous Terrain AG, Peter Sutterlüti eingeladen, sein ambitioniertes Projekt vorzustellen.

Die Firma Cargo Sous Terrain (CST), zu Deutsch «Fracht unter dem Boden», plant im Schweizer Mittelland ein unterirdisches Tunnelsystem, über welches der Güterverkehr abgewickelt werden kann. Vorgesehen sind zwei Äste, einer von St. Gallen über Zürich und Bern nach Genf, der andere von Basel nach Luzern. «Unsere Region an der Kreuzung dieser Achsen wird bei diesem Projekt eine wichtige Rolle spielen», begründete IHV-Präsident Peter Dietschi einleitend das Interesse am gewählten Thema.

Primär für den Detailhandel

«Die bestehende Infrastruktur für den Personen- und Gütertransport stösst an ihre Grenzen». Diese Binsenwahrheit schickte der Referent Peter Sutterlüti seinen Erläuterungen voraus. Gleichzeitig erwartet die Wirtschaft eine schnellere Verfügbarkeit («Just in time») der bestellten Ware. Insbesondere die Detailhändler fordern deshalb neue Lösungen, um in Zukunft die Güterströme bewältigen zu können.

Der oberirdische Strassen- und Schienenverkehr soll deblockiert werden; die Nationalstrasse A1 könne um 40 Prozent vom Güterverkehr entlastet werden, so Sutterlüti. Beim CST liegt das Schwergewicht auf einer marktorientierten Lösung, mit dem Ziel, die Bedürfnisse des Detailhandels zu befriedigen. Deshalb sei das Projekt privat finanziert und beanspruche keine öffentlichen Gelder. Hingegen müssen die gesetzlichen Grundlagen geschaffen werden, dass eine Privatfirma das Erdreich benutzen kann.

In einem Tunnel mit einem Durchmesser von 6 Meter sollen auf drei Spuren geschlossene Fahrzeuge mit Platz für zwei Paletten verkehren. Insgesamt 8000 solche elektronisch gesteuerte Roboter-Fahrzeuge sollen mit Tempo 30 über die unterirdische Strasse rollen.

Zusätzlich ist an der Tunneldecke eine schnellere Hängebahn für kleinere Güter vorgesehen.
Die Realisierung tönt ambitiös. Bis ins Jahr 2020 sollen die gesetzlichen Grundlagen vorhanden sein. Danach wird das Baubewilligungsverfahren eingeleitet, sodass ab 2025 mit dem Bau der ersten Etappe im Raum Härkingen/Niederbipp nach Zürich mit Kosten von 3 Milliarden begonnen werden kann. Diese erste Teilstrecke durch das volumenstärkste Gebiet wird 70 Kilometer messen und soll 2030 den Betrieb aufnehmen.

Hub im Raum Egerkingen-Härkingen

Der Zugang erfolgt über sogenannte Hubs (englisch für Radnabe). An diesen Knotenpunkten wird die Ware, etwa Rohmaterialen oder Halbfabrikate, angeliefert und über Hochleistungslifte in den Untergrund befördert. Diese «Bahnhöfe» sind an sieben Tagen 24 Stunden geöffnet, wie Sutterlüti erwähnte. Die Konfektionierung, der Um- und Ablad erfolgt elektronisch gesteuert und automatisch. Am Bestimmungsort werden die Güter auf traditionellen Wegen an die Verbraucher fein verteilt.

An der ersten Teilstrecke rechnet man mit zehn solcher Hubs. Ihr Standort ist noch nicht festgelegt, es sind erst zehn Gebiete definiert, wo sie zu liegen kommen. Nach Möglichkeit sollen bestehende Anlagen genutzt werden. Ein solcher Hub wird im Bereich Aarau-Suhr, ein anderer in die Gegend um Egerkingen-Hägendorf-Härkingen zu liegen kommen. Noch ist nichts spruchreif, und auch die Behörden werden mitzureden haben.

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