Egerkingen
Ungewöhnliche Berufswahl: Auch der dritte Sohn will zur Schweizer Garde

So nahe wie er werden nur wenige dem Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche kommen. Alexander Studer ist 19, wohnt derzeit noch bei seinen Eltern in Egerkingen und tritt Ende Oktober der päpstlichen Schweizergarde bei. Eine Berufswahl, die ungewöhnlich klingen mag, in seiner Familie aber sozusagen die Regel ist: Bereits seine zwei älteren Brüder dienen als Gardisten im Vatikan.

Isabel hempen
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Die Familie Studer bei einem Besuch in Rom: (vl.) Cornelia, Philipp, Michael, Alexander, Christian und Monika.

Die Familie Studer bei einem Besuch in Rom: (vl.) Cornelia, Philipp, Michael, Alexander, Christian und Monika.

zvg

Lernt man den knapp Zwanzigjährigen kennen, würde man erst einmal nicht vermuten, welche Pläne ihn gerade umtreiben: Er trägt Piercing, schwarze Klamotten, hört Hardcore-Techno und verbringt seine Zeit gerne mit Kollegen.

Was also hat in bewogen, in den Dienst der katholischen Kirche zu treten? «Die Schweizergarde fasziniert mich. Das ist eine Erfahrung, die man nicht alltäglich macht», sagt er. Und man lerne etwas fürs Leben.

Italienischkenntnisse auf B2-Niveau gemäss europäischem Referenzrahmen sind Pflicht. Ausserdem wird er an der Pistole und, ja, der Hellebarde ausgebildet. Nichts Alltägliches eben.

Einen starken Einfluss auf seine Entscheidung hatten seine beiden Brüder. Michael, der Älteste, ist bereits seit Februar 2014 «unten», in Rom. Die Mindestdienstzeit eines Schweizergardisten sind 25 Monate, der 24-Jährige hat aber vor, mindestens drei Jahre zu bleiben.

Danach kann er die Prüfung für den eidgenössischen Fachausweis als Fachmann Sicherheit und Bewachung sowie Personen- und Objektschutz ablegen. Philipp, der zweite Bruder, ist 21 und wird Ende November dieses Jahres nach absolvierter Solldienstzeit in die Schweiz zurückkehren.

Er geht anschliessend für drei Monate nach Schottland an eine Sprachschule, Englisch lernen. Danach vielleicht Berufsmatur, später einmal studieren.

Die neuen Schweizergardisten schwören auf den Papst. 23 neue Schweizer Gardisten warten am Freitag, 6. Mai 2016, im Damasushof des Apostolischen Palastes im Vatikan auf ihre Vereidigung.
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Einer der 23 neuen Schweizer Gardisten leistet seinen Eid.
Die neuen Schweizergardisten schwören auf den Papst.
Der Eid auf den Papst.
Bundespraesident Johann Schneider-Ammann und Nationalratspraesidentin Frau Christa Markwalder.
Schweizer Gardisten auf dem Weg zu ihrer Vereidigung.
23 neue Gardisten leisten in Gegenwart des Vertreters des Heiligen Vaters, Seiner Exzellenz Monsignor Giovanni Angelo Becciu.
Einer der 23 neuen Schweizer Gardisten vor der Vereidigung.
Ein Maedchen verfolgt die Vereidigung.
Einer der 23 neuen Schweizer Gardisten wird am Freitag, 6. Mai 2016, im Damasushof des Apostolischen Palastes, im Vatikan auf seine Vereidigung vorbereitet.
Christoph Graf, Kommandant der Paepstlichen Schweizergarde.
Neue Schweizer Gardisten bereiten sich vor.
Neue Schweizer Gardisten bereiten sich vor.
Neue Schweizer Gardisten bereiten sich vor.
Bundespraesident Johann Schneider-Ammann.
Der Eid wird abgelegt.
Der Eid wird abgelegt.
Christoph Graf, Kommandant der Paepstlichen Schweizergarde, vor der Vereidigung von 23 neuen Schweizer Gardisten am Freitag.

Die neuen Schweizergardisten schwören auf den Papst. 23 neue Schweizer Gardisten warten am Freitag, 6. Mai 2016, im Damasushof des Apostolischen Palastes im Vatikan auf ihre Vereidigung.

Keystone

Zuerst ins Tessin

Wer sich für die Schweizergarde entscheidet, verplant also nicht gerade sein Leben. Auch Alexander hat vor, nach zwei Jahren weiterzuschauen. Zunächst einmal fliegt er aber am kommenden 23. Oktober nach Rom.

Eine Woche hat er dann Zeit, um die Formalitäten zu erledigen. Danach gehts einen Monat lang ins Tessin: Italienisch lernen, Ausbildung an der Pistole bei der Polizei. Zurück in Rom kommt zum Italienisch-Unterricht die einmonatige Ausbildung an der Hellebarde hinzu. Am 6. Mai 2017 wird er dann vereidigt.

Die Schweizergarde, deren Aufgabe es ist, den Papst und die Eingänge zur Vatikanstadt zu bewachen, besteht seit 1506. Die Voraussetzungen, die Alexander erfüllen musste, um Schweizergardist zu werden, sind unter anderem: Mindestalter 19, Mindestgrösse 174 Zentimeter und absolvierte RS. Katholisch, ledig und Schweizerbürger ist er ebenfalls.

Worauf er sich freut? «Auf die Kameradschaft, da entstehen Freundschaften fürs Leben», ist er sicher. Und natürlich auf Rom und das mediterrane Klima. Respekt flösse ihm jedoch ein, dass er jeweils «eine Stunde lang herumstehen» müsse. «Ich bin eher ein Zappelphilipp», meint er schmunzelnd.

Dass sich alle ihre Söhne zum Schweizergardisten berufen fühlen – Tochter Monika kann da nicht mittun –, ist auch für die Eltern Cornelia und Christian Studer etwas Besonderes: «Wir werden bald zum dritten Mal dabei sein, wenn einer unserer Söhne vereidigt wird. Man erhält da jeweils eine Audienz beim Papst, er kennt uns schon», sagt Cornelia Studer lachend.

Ausserdem bekämen sie im Vatikan Dinge zu sehen, die für normale Touristen nicht zugänglich sind, etwa den Apostolischen Palast. «Wir haben unsere Söhne in den letzten zweieinhalb Jahren sicher achtmal besucht, das sind immer sehr intensive Erlebnisse», meint Christian Studer. «Aber von Rom haben wir noch längst nicht alles gesehen», fügt er an.