Der Staatsanwalt sprach vor dem unter dem Vorsitz von Guido Walser tagenden Amtsgericht Thal-Gäu von Wildwest-Szenen, die sich am 5. Februar 2016 gegen 14 Uhr auf dem Gelände einer Thaler Firma abgespielt hatten. Dafür verantwortlich war Alban K.*, der mit dem Firmeninhaber über ausstehende Beträge für geleistete Arbeiten von rund 20 000 Franken sprechen wollte.

Der etwa 58-jährige Geschäftsmann liess sich nach dem Geschmack von Alban K. etwas viel Zeit, bis er sich dem unerwünschten Besucher auf dem Fabrikareal zuwandte. Allerdings nur, um zu erklären, dass sich sein Geschäft in der Nachlassstundung befinde und er sich deshalb an den Sachverwalter halten müsse, wenn er zu seinem Geld kommen wolle. Danach forderte er Alban K. auf, das Gelände zu verlassen.

«Am Schiessen gehindert»

Der ebenfalls im Thal wohnhafte Alban K. liess sich aber nicht so einfach abspeisen. Gemäss Anklageschrift soll er danach seine im Hosenbund mitgeführte Pistole gezückt und aus etwa vier bis zehn Metern Entfernung drei Schüsse in Richtung des Thaler Unternehmers abgefeuert haben.

Die Projektile schlugen etwa vier Meter neben dem Mann im Boden ein, wie die danach alarmierte Polizei feststellte. Er habe auf keinen Fall damit gerechnet, dass Alban K. auf ihn schiessen werde, zumal er diesen schon seit einigen Jahren kenne und auch geschäftlich mit ihm zu tun hatte, erklärte der Unternehmer auf Nachfrage von Guido Walser.

Noch schlimmere Folgen soll der Bruder des Angeklagten verhindert haben, indem dieser den Arm des Angeklagten vor der Schussabgabe angeblich nach unten gedrückt habe. Der Bruder von Alban K. sei etwas später zusammen mit einem weiteren Mann dazu gekommen.

Die drei Männer seien, nachdem er sich umgedreht habe, hinter ihm hergegangen, berichtete der Unternehmer. Als er gehört habe, dass jemand sagte «mach kei Schiessdräck», habe er zurückgeschaut und gesehen, dass der Bruder von Alban K. wie erwähnt eingegriffen habe.

Dieser habe danach auch die Pistole und die am Boden liegenden Patronenhülsen eingesammelt und sei damit verschwunden. So die Version des Thaler Unternehmers.

Angeklagter tischt neue Version auf

Anders in Erinnerung hatte der aus dem Kosovo stammenden Angeklagte das Geschehen. Die drei auf dem Platz anwesenden Männer seien etwa 10 Meter vor ihm marschiert, als er aus Wut darüber, dass der Geschäftsmann nicht mit ihm reden wollte, die Pistole abgefeuert habe.

Wie oft und ob er in die Luft geschossen habe, wisse er nicht mehr. Sein Bruder habe ihm danach die Waffe aus der Hand geschlagen. Auf Nachfrage des Gerichts beteuerte der Mann in gebrochenem und teilweise schwer verständlichem Hochdeutsch, die Waffe nur zufällig mitgeführt zu haben.

Er habe die Pistole angeschafft, um allfällige Diebe vom nicht verschlossenen Baustellenmagazin vertreiben zu können. Auf seinen ehemaligen Geschäftspartner wollte er nicht vorsätzlich geschossen, sondern ihn damit lediglich zu einem Gespräch bewegen wollen, sagte der als Maler und Gipser tätige Angeklagte.

Staatsanwalt Christian Fricker liess diese Version nicht gelten mit Verweis auf die Aussagen sämtlicher Beteiligten. Keiner habe die volle Wahrheit gesagt, wobei die Aussagen des Bruders von Alban K. und danach jene des Angeklagten selbst am wenigsten glaubwürdig seien. Dennoch sei er zur Überzeugung gelangt, dass die Version des Thaler Unternehmers am ehesten zutreffen könnte.

Klar sei ohnehin, dass Alban K. mit der Abgabe der drei Schüsse die Gefährdung des Lebens des Thaler Unternehmers in Kauf genommen habe. Eine unmittelbare Lebensgefahr habe insbesondere bestanden, weil der Angeklagte über keinerlei Erfahrung mit Schusswaffen verfüge.

Zudem sei der als impulsiv bekannte Mann zu diesem Zeitpunkt auch sehr erregt gewesen. Komponenten, die gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ausreichten, um eine unbedingte Strafe auszusprechen.

6 Monate Haft drohen

Für den seit 1993 in der Schweiz lebenden Kosovaren forderte der Staatsanwalt wegen Gefährdung des Lebens, versuchter Nötigung, unerlaubtem Waffenbesitz sowie weiteren Vergehen gegen das Strassenverkehrsgesetz eine Freiheitsstrafe von 16 Monaten. 6 Monate davon müsste der Angeklagte absitzen, die verbleibenden 10 Monate sollen bei einer Probezeit von 4 Jahren bedingt ausgesprochen werden.

Bei einem Freispruch vom Vorwurf der Gefährdung des Lebens verlangt der Staatsanwalt eine bedingte Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu je 120 Franken.

Der Verteidiger von Alban K. plädierte hingegen auf Freispruch oder höchstens eine bedingte Strafe. Es gebe keine Beweise, wie die Tat wirklich abgelaufen sei. Klar sei nur, dass sein Mandant nie die Absicht gehabt habe, auf den Mann zu schiessen.

Mit Blick auf die einschlägigen Vorstrafen von Alban K. versicherte der Verteidiger, dass sich dieser seiner Situation bewusst sei und sich deshalb ändern wolle. Der Angeklagte entschuldigte sich abschliessend beim Opfer und beteuerte, dem Mann nicht nach dem Leben getrachtet zu haben.

Das Urteil wird 4. Oktober im Amtsgericht Thal-Gäu mündlich eröffnet.

* Name der Redaktion bekannt.