Das ist ein schwerer Schlag für Herbetswil: Die traditionsreiche Uhrenfabrik, Candino, baut als grösste Arbeitgeberin in der Thaler Gemeinde mit nicht mal 600 Einwohnern jeden dritten Arbeitsplatz ab. David Tramaux, Finanzdirektor der Festina-Candino Watch AG mit Sitz in Biel, bestätigt entsprechende Informationen dieser Zeitung. «Wir sehen uns leider gezwungen, für 18 der aktuell 54 Mitarbeitenden die Kündigung auszusprechen», heisst es in einem Informationsblatt an die Belegschaft von vergangener Woche.

Die zur spanischen Festina-Gruppe gehörende Candino begründet den Abbau in einer nun gestern verschickten Medienmitteilung mit der schwierigen Wirtschaftslage. «Diese ist durch den abrupten Bestellungsrückgang von Dritten, die in den asiatischen Raum liefern, ausgelöst worden.» Die Einführung der Kurzarbeit seit Anfang Jahr habe nicht so gewirkt, um den Rückgang des Beistellungseingangs zu kompensieren. Das Konsultationsverfahren, in welchem die Belegschaft Vorschläge und Ideen zur Vermeidung oder zumindest zur Reduktion der Entlassungen ausarbeiten können, sei am vergangenen Montag abgelaufen. Anschlussfragen wollte Tramaux nicht beantworten. Detailliertere Angaben sind im erwähnten Informationsblatt nachzulesen. Candino habe 2015 einen Verlust von 1 Million Franken und von 1,3 Millionen Franken bis Ende April 2016 zu verzeichnen. Der Bestellungseingang von Dritten sei um 90 Prozent eingebrochen.

Harsche Kritik von Unia und Syna

Die Gewerkschaften Unia und Syna kritisieren das Vorgehen der Firmenleitung. Die angesetzte Konsultationsfrist von nur einer Woche sei viel zu kurz. Sie nehmen Bezug auf einen Passus im erwähnten Infoblatt: «In Absprache mit den Gewerkschaften Unia und Syna geben wir Ihnen ab heute eine Woche Zeit, damit Ihr uns diesbezüglich Vorschläge und Ideen unterbreiten könnt», heisst es dort.

Das treffe so überhaupt nicht zu, ärgert sich Unia-Mann Ivano Marraffino. «Das hat die Firma einseitig so entschieden und verfasst.» Man fordere die im Kanton Solothurn übliche Konsultationsfrist von 30 Tagen. Zudem habe man die nötigen Informationen, um die Geschäftsentwicklung zu beurteilen, trotz mehrmaliger Aufforderung bis heute nicht erhalten. So gesehen betrachten die Gewerkschaften die Konsultationsphase als noch nicht beendet. Auch Jonas Motschi, Chef des kantonalen Amtes für Wirtschaft und Arbeit, beurteilt die siebentätige Frist als «relativ kurz». Gesetzlich sei aber die Dauer nicht explizit festgelegt, sondern es heisse «ausreichend». «Wir wünschen uns jeweils eine Frist von 30 Tagen, aber wir haben keinen Einfluss darauf.»

Bevor die Aushandlung eines Sozialplanes aufs Tapet komme, gelte es, Entlassungen zu vermeiden, so Marraffino. «Die Konsultationsphase darf keine Alibiübung sein.» Zudem sollte das Instrument der Kurzarbeit bis zur Ausschöpfung weitergeführt werden. Nach seinen Informationen könne die Firma die Massnahme noch mindestens 12 Monate einsetzen. Ein Mitarbeiter bei Candino sagt, dass aufgrund der Auslastung der Produktion schon im vergangenen Spätsommer Kurzarbeit hätte eingeführt werden sollen. Aus Imagegründen habe man darauf verzichtet.

Gemeindepräsident: «Das tut weh»

«Der Arbeitsplatzabbau tut weh», erklärt Gemeindepräsident Stefan Müller-Altermatt auf Anfrage. Die Schwächung der Firma sei das eine, am meisten zu schaffen machten aber die Einzelschicksale. «Da verlieren Menschen aus dem Dorf und aus den Nachbargemeinden ihren Job.» Candino sei für Herbetswil nach wie vor bedeutend. Sie sei die grösste Arbeitgeberin. «Man hat uns versichert, der Abbau erfolge nicht als Teil eines langsamen Sterbens. Sondern im Gegenteil als Notmassnahme, damit der Betrieb hier aufrechterhalten werden kann.»

Darauf werde man die spanischen Firmenbesitzer behaften. Im Kontext der von Candino geschilderten Lage der Firma sowie Frankenstärke und schwieriger weltweiter Konjunktur sei der Entscheid nachvollziehbar. Das Urteil, wie Candino mit der Situation umgehen werde, lasse sich erst später abgeben. «Ich hoffe sehr, dass der Stellenabbau mit einem tragfähigen Sozialplan und ohne unschöne Nebengeräusche über die Bühne gehen wird.»

Die Uhrenfabrik Candino wurde 1947 gegründet. Zu den Blütezeiten beschäftigte Candino in Herbetswil zeitweise bis zu 240 Mitarbeitende. 2002 wurde Candino von der spanischen Festina-Gruppe übernommen. Zu Festina gehören die Marken Festina, Lotus, Calypso und die Swiss-Made-Marken Candino und Jaguar. Laut Firmenangaben beschäftigt die Festina-Gruppe weltweit 2'000 Mitarbeitende und verkauft 4 bis 5 Millionen Uhren jährlich.