Ueli Emch wurde in den Schwingsport hineingeboren. Sein Vater sicherte sich insgesamt 70 Kränze, darunter drei eidgenössische in den Jahren 1980, 1983 und 1986. «Etwa ab meinem siebten oder achten Lebensjahr war ich im Schwingkeller und an den Festen mit dabei», erinnert sich Ueli Emch, der im Jahr 1979 das Licht der Welt erblickte.

In Kammersrohr, wo er aufwuchs, habe es gar keine Alternativen zum Schwingen gegeben. «Ich kannte gar nichts anderes und so begann ich mit zehn oder elf Jahren so richtig mit dem Sport», erzählt Emch.

Die Erinnerungen an sein erstes Schwingfest als Aktiver sind nur noch sehr vage, es müsse ein Solothurner Kantonalschwingfest Mitte der Neunzigerjahre gewesen sein. Nervös sei er sicherlich gewesen, denn, «am Morgen ist man immer etwas nervös - auch nach zehn Jahren noch -, aber das legte sich meistens nach den ersten beiden Gängen.»

Während seiner mehr als zehn Jahre dauernden Karriere schaffte es Ueli Emch auf 14 Kränze. «Ich war eigentlich immer im Mittelfeld», sagt Emch bescheiden, «doch für den geringen Aufwand, den ich betrieben habe, war das gut.» Er trainierte während seiner Aktivzeit zweimal pro Woche, mehr sei zeitlich nicht möglich gewesen, in einem Kraftraum war er nie. Weil es auf dem Hof der Eltern stets sehr viel zu tun gab, konnte er gar nicht mehr Zeit investieren ins Schwingen: «Manchmal hat es mich schon gewurmt, dass Zindel oder auch Gisler viel weiter vorne waren als ich, doch ich hatte andere Prioritäten», erklärt Emch. Trotzdem kamen einige Höhepunkte während seiner Karriere zusammen. Seinen schönsten Sieg feierte Emch 2006 am Aargauer Kantonalschwingfest, wo er exakt zwanzig Jahre nach seinem Vater triumphierte. «Da ist es mir sehr gut gelaufen», strahlt Emch, «im fünften Gang konnte ich Christoph Bieri auf den Rücken drehen. Dass ein Solothurner gewinnt, war eine Überraschung. Die Rivalität zwischen den Verbänden war zu dieser Zeit noch etwas grösser.»

Das Markenzeichen von Ueli Emch war sein rot kariertes Hemd. Nie habe er etwas anderes getragen an den Schwingfesten. «Da war natürlich viel Aberglaube dabei», gesteht Emch, «dafür brauchte ich nie einen Mentaltrainer - ich konnte verlieren.» Auch einen Trainer hätte er eigentlich nie benötigt, denn er hörte sowieso nicht auf ihn: «Das ist mein Gang, habe ich mir immer gesagt. Ein Abtasten gab es für mich nicht. Ich habe immer Achtung, fertig, los auf Angriff geschwungen.» So häufte er bis 2007 unzählige Preise an - Stabellen, Tröge, Glocken, Fahrräder, Ski oder auch mal einen Sonnenschirm heimste er ein. «Irgendeinmal ist die Wohnung voll», lacht Emch. Für einen eidgenössischen Kranz hat es ihm aber knapp nicht gereicht. An seinem letzten Auftritt, am Eidgenössischen in Aarau 2007, fehlte lediglich ein halber Punkt.

Vom Schwingsport trat Ueli Emch, wie es seine Art ist, ohne grosses Aufsehen zurück. «Der Rücktritt kam spontan und ich habe meinen Abgang auch nie gross gefeiert», blickt er zurück. Nach der Aktiv-Karriere amtete er beim Schwingklub Solothurn zuerst als Kassier, mittlerweile ist er Präsident und leitet den administrativen Bereich. Dazu ist er Beisitzer beim Schwingklub Grenchen und im Vorstand des Solothurner Kantonalverbandes. Die Schwingfeste besucht er immer noch regelmässig, sofern es zeitlich drin liegt.

Emch pendelt nämlich von seinem Elternhof in Kammersrohr und dem Betrieb der Schwiegereltern in Kestenholz hin und her. Vor allem im Sommer gebe es mit der Lohnarbeit, dem Mähdreschen und Pressen, immer sehr viel zu tun. Im Winter ist Holz hacken für die Holzschnitzel AG Niederbipp angesagt und mit seinem Vater und den zwei Brüdern übernimmt er auch den Winterdienst in den umliegenden Gemeinden. «Langweilig wird es mir sicher nicht, es läuft immer etwas», lässt Emch verlauten.