Vor zehn Jahren rief die Einwohnergemeinde Gunzgen den alljährlichen Kulturanlass ins Leben. Während die Nachmittagsvorstellung jeweils für die Kinder gedacht ist, präsentiert am Abend ein Künstler ein Programm für Erwachsene. Nachdem am Samstag Bauchredner Ronaldo die jüngsten Gunzgerinnen und Gunzger mit seinen Figuren zum Lachen gebracht hatte, stand am Abend mit Rob Spence einer im deutschsprachigen Raum bekanntesten Comedy-Künstlern auf der Bühne.

Spence lernte 1987 seine spätere Ehefrau, eine Schweizerin – laut eigener Showansage «aus Ramiswil im Kanton Solothurn» stammend –, kennen, weshalb er nun seit einigen Jahren mit Geschichten, Gags und Sketchen über Schweizer und Australier durch die Länder dieser Welt zieht. Früher jahrelang im Aargau wohnhaft, lebte der heute 46-Jährige mit seiner Familie – Tochter und Sohn sind im Teeniealter – einige Jahre in Genf, bis er vor einem halben Jahr wieder in die Deutschschweiz, nach Zug, zurückkehrte.

Rob Spence’s aktuelles, fünftes Bühneprogramm heisst «KänguMuh». Damit ist ein Wesen gemeint, das in zwei verschiedenen Kulturen und Welten lebt. Genau wie Rob Spence. In «KänguMuh» erzählt dieser alltägliche Geschichten von und mit seiner Familie, von Schweizern und Australiern. Dies tut er längst nicht nur mit Worten – in charmant australisch-englisch gefärbtem Hochdeutsch mit Schweizer Dialekteinwürfen gespickt –, sondern mit dem ganzen Körper. Der in Sydney aufgewachsene Spence stellt ganze Szenen – Besuch beim Schamanen, Begegnung mit dem Eismann, Abenteuer als Springreiter, Trinkerlebnisse oder Superheldenträume im Bubenzimmer – rein pantomimisch dar, turnt, tanzt, fliegt, strahlt, träumt, trauert, und füllt damit problemlos die ganze Bühne mit Leben aus. Sein drahtiger, sportlicher Körper ist immer in Bewegung. Spence teilt dem Publikum mit einem einzigen Gesichtsausdruck mehr mit als viele Menschen mit tausend Worten. Um die Besucher/-innen zum Lachen zu bringen, reicht aber oft ein Blick auf das breite, schelmische Grinsen in seinem Lausbubengesicht aus. Dabei interagiert er so spielerisch mit seinem Publikum, dass dieses gar nicht erst dazu kommt, deswegen peinlich berührt zu sein.

Verschmitzter Lausbub

In «Kängukuh» thematisiert der bekennende «überzeugte Relaxaholic» Alltägliches wie «die vielen Regeln in der Deutschschweiz» («hier werden sie auch ernst genommen»), Arbeit und Urlaub («in der Schweiz ist Ferien ein Fremdwort, in Australien ist Arbeit ein Schimpfwort»), graue Haare («plötzlich hatte ich George Clooney zwischen den Beinen, seit ich mich rasiere, gehe ich mit Bruce Willis aus») oder das Älterwerden und die damit verbundenen Wehwehchen inklusive ärztlicher Standardantwort: «Das ist ganz normal in Ihrem Alter.» Dabei geht Spence gerne und häufig unter die Gürtellinie, wirkt mit seiner verschmitzten Art aber so verspielt, dass frau in ihm eher einen Lausbuben als einen Machomann zu sehen glaubt.

Anekdoten-, gesten-, mimik-, sinnes- und witzreich weiss Rob Spence auch von 30-stündigen überkontinentalen Flügen in der Economy Class und Horrortrips nach Indien zu erzählen. Meistens braucht er aber (örtlich) gar nicht so weit zu gehen. Ein Blick in den eigenen Familienalltag reichte am Samstagabend aus, um die – sich darin oft wiedererkennenden – Gäste in Gunzgen zum Lachen zu bringen. So war Spence’s «Tausendfüssler»-Ehefrau – Sprichwort Schuhkauf – genauso eine Anekdote wert wie seine Mutter (88), die sich nun einen 82-jährigen Toyboy angelacht hat, der Tampongeschenkkauf für seine Frau, Horrorfilme, die heute eher mit blutleeren «Tofuburgers» als mit furchterregend wirkenden Vampiren bestückt sind, oder der Besuch in grossen Einkaufszentren, in denen nie ein Verkäufer zu finden ist.

«Kangoo feel it»?

Am Ende kamen die Gunzgerinnen und Gunzger auch noch in den Genuss von Rob Spence’s Tanz und Gesangstalent. Dabei brachte der Allroundkünstler grosse Kängurufussfinken zum Tragen – wunderbar geeignet, um live (wirklich?) Elvis’ leicht abgewandeltes «Blue Kangooroo Shoes» zu schmettern und beim – ebenfalls australisch angepassten – «Jackson Five»-Hit «Kangoo feel it» mit einer Breakdance- und Moonwalk-Choreografie à la Michael Jackson zu glänzen. Das Gunzger Publikum spendete dem «Man at work from Down under» – Spence’s Showein- und Ausgangssong der australischen Achzigerjahre-Band Men at Work heisst «Down unter», der Spitzname für Australien – tosenden Applaus und forderte eine Zugabe, dass es schliesslich auch bekam.