Balsthal
Überraschender Austritt von Richard Bolli: «Ich gehe als Freund des Parks»

Die Meldung kommt überraschend, dass Richard Bolli den Naturpark Thal verlassen wird. Denn er hat den Posten als dessen Leiter erst im Oktober 2013 angetreten und ist voller Elan und Ideen ans Werk gegangen. Bolli will sich nun neu ausrichten.

Alois Winiger
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Packte nicht nur im Büro, sondern auch draussen mit an: Richard Bolli.

Packte nicht nur im Büro, sondern auch draussen mit an: Richard Bolli.

zvg

Wie wichtig es war – und ist – für den Naturpark, Konstanz in das dafür verantwortliche Team zu bringen, dessen war sich Richard Bolli bewusst. «Die Leute müssen wissen, an wen sie sich wenden können. Es ist alles andere als optimal, wenn man innert kurzer Zeit drei Naturparkleiter erlebt», sagte Bolli nach seinem Eintritt in einem Interview mit dieser Zeitung mit Blick auf das vorangehende, nur elfmonatige Engagement von René Urs Altermatt, das Ende Juni 2013 geendet hatte. Er war nach Stefan Müller der zweite Leiter Naturpark.

Michael Bur übernimmt ad interim

Richard Bolli (54) hat seine 80-Prozentstelle als Leiter per Ende Oktober gekündigt, wird aber bereits in Kürze austreten aufgrund von Ferien- und Überzeitguthaben. Michael Bur (38, Balsthal) ist vom Vorstand Verein Naturpark per 1. September als Leiter ad interim gewählt worden. Als Projektleiter kenne Bur den Betrieb des Naturparks ausgezeichnet und könne so für Kontinuität sorgen, teilt der Vorstand mit. Der Naturpark Thal ist als Programm in den Verein Region Thal eingebunden, dessen Aufgaben und Organisation wird aktuell überprüft. «Nun wird auch analysiert, wie die Leitung des Naturparks künftig gestaltet werden kann», erklärt Bruno Born, Präsident des Vereins. Diese Überprüfung brauche Zeit, man habe sich daher bewusst für die Interimslösung entschieden. «Michael Bur kann sofort einsteigen, der Betrieb läuft weiter und wir vom Vorstand können uns mit den Strukturen der Zukunft befassen.»

«Ich will aber noch ausdrücklich betonen, dass wir den Entscheid von Richard Bolli sehr bedauern», sagt Bruno Born. «Er hat mit grosser Fachkompetenz und viel Engagement zusammen mit dem Vorstand und den Projektleitern unter anderem das Mehrjahresprogramm 2016 bis 2019 entwickelt. Damit hat er die Weichen gestellt für das gute Vorankommen des Naturpark Thal.»

Richard Bolli trat den Posten als Leiter des Naturparks am 1.Oktober 2013 an. Auf Ende Oktober 2015 geht er wieder.
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Der Tscheppacher war damit während zweier Jahre für die Leitung des Parks zuständig.
Packte nicht nur im Büro, sondern auch draussen mit an: Richard Bolli.
Im April 2015: Medienkonferenz zur vertieften Zusammenarbeit der fünf Pärke des Jurabogens – Chasseral, Doubs, Jura vaudois, Thal und Jurapark Aargau V. l.: Thor Maeder, Direktor des Parks Doubs, Jérôme Longaretti, stellvertretender Direktor «Jura Trois-Lacs», und Richard Bolli, Leiter Naturpark Thal.
Auf der «Nordwestschweiz»-Leserwanderung: Bolli erklärt Einzelheiten zur Ruine Neu Falkenstein.

Richard Bolli trat den Posten als Leiter des Naturparks am 1.Oktober 2013 an. Auf Ende Oktober 2015 geht er wieder.

Alois Winiger

«Auch ich bedaure»

Richard Bolli wolle sich beruflich neu ausrichten, heisst es in der offiziellen Meldung zum Austritt. In welche Richtung es gehen soll, sagt Bolli nicht. Ebenso keinerlei nähere Angaben macht er zu den Gründen seines Weggangs. Nur so viel, als dass auch er die Trennung bedauere. «Aber ich gehe als Freund des Naturparks Thal und ich werde sicher nicht weniger oft darin unterwegs sein als bisher.»

Einen Punkt hatte Bolli beim Antritt als Manko angeführt, nämlich dass die Zuständigkeiten der strategischen und operativen Ebene nicht klar geregelt seien. «Dieser Punkt ist tatsächlich noch immer nicht geregelt», sagt Bolli, «doch er steht auf dem Programm des Vorstandes im Zusammenhang mit den neuen Strukturen auf Leitungsebene.» Dies sei übrigens ein Problem, mit dem sich andere Naturpärke ebenfalls auseinandersetzen müssen.

Auch mit den Gegnern gesprochen

Ein anderes Problem, mit dem sich das Naturparkteam und somit auch Richard Bolli immer wieder konfrontiert sehen, ist die Meinung, es passiere nichts Sichtbares. Ein Blick in die nächsten Wochen zeigt ein anderes Bild: Naturtage in den Gemeinden stehen an, ferner der Kulturtag, die Eröffnung des Holzwegs, der Naturparkmäret und Ausseineinsätze der Schulen. Auch wenn es gegen aussen nicht so aussieht: In den gut anderthalb Jahren hat Richard Bolli sehr viel erreicht. Das wird ihm rundum attestiert von den Leuten, die mit ihm zu tun hatten. Auch mit Gegnern des Naturparks knüpfte er Kontakt. Sein Einsatz war dementsprechend gross. Wo er auftauchte, war sein Engagement für den Naturpark zu spüren. Gemeinsam mit Bruno Born, Präsident des Vereins Region Thal, besuchte er in sämtlichen Dörfern des Bezirks eine Gemeinderatssitzung, um zu erfahren, wie die Behörden über den Naturpark denken oder was sie sich wünschen.

Erfolgreiche Verhandlung beim Bund

Zu Bollis Aufgaben gehörte ferner, sich um finanzielle Unterstützung zu kümmern. Er war an den Verhandlungen mit den Raiffeisenbanken Thal beteiligt, die dann mit einen Fünfjahresvertrag einen Betrag von insgesamt einer Viertelmillion Franken zusicherten. Projekte für den Geldbringfalter und den Glögglifrösch konnten erfolgreich umgesetzt werden. Ein weiteres steht kurz bevor zugunsten des Wiesels. Und gerade dieser Tage, so kann Richard Bolli jetzt vermelden, seien die Verhandlungen mit dem Bundesamt für Umwelt bezüglich Mehrjahresprogramm bzw. der weiteren Unterstützung für den Naturpark Thal erfolgreich abgeschlossen worden.

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