Semir P. * machte bei seinen Gerichtstermin vor Amtsgerichtspräsident Guido Walser im grauen Sweatshirt, Jeans und modischen Nike-Schuhen einen äusserst gepflegten Eindruck. Zur Anklage der Staatsanwaltschaft wegen mehrfachem Diebstahl von Elektronikgeräten im Gesamtwert von 27'700 Franken wollte sich der 24-jährige Türke aber nicht äussern. Er mache Gebrauch von seinem Recht, die Aussage zu verweigern, erklärte er Walser.

Geräte dienten als Zahlungsmittel

Wortkarg war der im Thal wohnhafte Mann bereits bei der Befragung durch die Ermittlungsbehörden, als es um die ihm zur Last gelegten Diebstähle an seinem damaligen Arbeitsort im Interdiscount im Gäupark Egerkingen ging. Semir P. hatte damals bestritten, zwischen Mai 2012 und Juli 2012 reihenweise Notebooks, Apple-Pads, Kameras, Spielkonsolen sowie Smartphones aus dem Lager gestohlen zu haben.

Der damals 21 Jahre alte Türke verkaufte gemäss Staatsanwaltschaft die insgesamt rund 30 gestohlenen Elektronikgeräte nicht wie in solchen Fällen meist üblich, sondern benutze sie als Zahlungsmittel. Abnehmer war eine Autovermietung. Sie eröffnete Semir P. auf diesem Weg die Möglichkeit, seine Vorliebe für teure und schnelle Autos auszuleben. Die ganze Sache gipfelte darin, dass der junge Mann mit einem Lamborghini zur Arbeit fuhr.

Autovermieter war Komplize

Verteidigerin Martina Heilinger erwähnte SMS-Nachrichten, welche Semir P. mit der erwähnten Autovermietung ausgetauscht hatte. In diesen hatte er die Autovermietung darüber informiert, welche Geräte er im Lager erbeutet hatte. Dies wohl in der Absicht, eine weitere Miete für ein Luxusauto herauszuholen.

Die Verteidigerin stellte sich auf den Standpunkt, dass bei diesem SMS-Verkehr nur jene Elektronikgeräte erwähnt wurden, die Semir P. auch wirklich gestohlen habe. Die anderen vom Interdiscount aufgelisteten Geräte seien auf anderem Weg verschwunden. Sie verlangte ferner, dass nicht der Warenwert, sondern der Einstandspreis für die Berechnung der Deliktsumme zu verwenden sei. Unter Berücksichtigung ihrer Ausführungen würde demnach noch eine Summe von 9126 Franken verblieben, die ihrem Mandanten nachweislich angelastet werden könne.

Nahe an unbedingter Geldstrafe

Der Amtsgerichtspräsident sah es hingegen als erwiesen an, dass sämtliche der aufgelisteten Elektronikgeräte vom Angeklagten aus dem Lager gestohlen worden sind. Dies, weil die Gerätetypen genau jenen entsprachen, welche Semir P. bevorzugte. Auch müsse vom Warenwert der Geräte ausgegangen werden. Schliesslich habe davon auch der Angeklagte Gebrauch gemacht.

Bei der Bemessung des Strafmasses liess Walser Milde walten. Er verurteilte den jungen Türken zu einer Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu je 90 Franken. Die bedingt auf vier Jahre ausgesprochen Strafe bezeichnete der Amtsgerichtspräsident als eine an der unteren Grenze. Eine unbedingte Strafe sei mit Blick auf frühere Verurteilungen und laufende Bewährungsfristen des Angeklagten im Bereich des möglichen gewesen.

Mit diesem Urteil wolle er dem Angeklagten eine letzte Chance geben, sich auf den richtigen Weg zu besinnen.

Semir P., der nach einer abgebrochenen Lehre als Polymechaniker als Hilfskraft in einem Betrieb für Medizinaltechnik arbeitet, gelobte Besserung. Er habe seinen Fehler eingesehen und sei reifer geworden.

* Name von der Redaktion geändert