Burgen in der Amtei Thal/Gäu II

Trotzig steht Alt-Falkenstein weiterhin da

Alt-Falkenstein hatte nie dieselbe Bedeutung wie die Schwesterburg Neu-Falkenstein. Und auch heute fristet sie, obwohl instand gehalten, ein Schattendasein.

Wer von Oensingen nach Balsthal fährt, dem wird augenscheinlich bewusst, warum eine Burg an der engsten Stelle der Klus gebaut wurde. Hier war es ein Leichtes, die Strasse zum Beispiel nach Basel zu sichern, und wer es denn für nötig hielt, auch zu sperren.

Praktisch und dadurch wäre eigentlich klar, dass die Bedeutung von Alt-Falkenstein weit grösser gewesen sein sollte, als die noch eine Jurakette weiter im Thal liegende Burg Neu-Falkenstein. Doch dem ist nicht so.

Ein besseres Pförtnerhäuschen ist man geneigt, die Burg zu nennen. Während Neu-Falkenstein wuchs und wuchs und alsbald zum Vogtei-Sitz wurde, blieb Alt-Falkenstein seiner strategisch optimalen Lage zum Trotz die unwichtigere der beiden Burgen.

Heimat für Heimatmuseum

So war es lange Zeit, dann wurde «gezeuselt» auf Neu-Falkenstein und Alt-Falkenstein blieb weiter erhalten. Bis heute. Unversehrt von Krieg, nur gerade die Zeit nagte an der Burg. 1922 brach ein Teil des Turmes zusammen und die Burg stand vor dem Untergang. Denn zu teuer war der Unterhalt für die damalige Besitzerfamilie Feigenwinter, als dass die Bausubstanz hätte erhalten werden können.

Der Kanton übernahm ab 1923 die Burg und renovierte sie. Sodass ab 1929 ein Heimatmuseum dort beheimatet wurde. Und dort ist es bis heute geblieben. Nach und nach wurden die Ausstellungsräumlichkeiten und auch die Sammlung vergrössert. Heute präsentiert sich dort ein wahres Sammelsurium an historischen Gegenständen aus etlichen Epochen.

Einer, der die Gegenstände im kleinen Museum genaustens kennt, ist Hans Hug. Seit 1991 lebt er auf der Burg. Hat seine Kinder auf Alt-Falkenstein grossgezogen. Eine zu romantische Vorstellung, wenn man als Kind behaupten kann, auf einer Burg aufgewachsen zu sein? «Ich musste mit meinen Kindern keine anderen Burgen und Schlösser anschauen gehen», lacht Hans Hug, als wir im kleinen Burg-Vorhof sitzen.

So richtig würden es seine Kinder wohl erst realisieren, dass sie an einem ganz speziellen Ort aufwachsen durften, wenn sie später mit den eigenen Kindern die Burg besuchen. Der Vorteil am Leben auf Alt-Falkenstein: Es war nicht so schlimm, wenns mal laut wurde. Doch die Burg liegt heute halt doch etwas abseits vom Dorf und vor allem der Schule. Ein weiter Schulweg war die Folge, ein Nachteil des Burgenlebens.

Präsenzzeit enorm hoch

Ein weiterer Nachteil: Der Burgwart hat immer da zu sein. Insbesondere am Wochenende, dann kamen Besucherinnen und Besucher, um dem Museum einen Besuch abzustatten. Oder besser kommen. So wie die Balsthaler Schulklasse, die Hans Hug geschlagene zwei Stunden mit Fragen löcherte. «Man muss das Museum mit Leidenschaft führen. Und das mache ich», sagt Hug. Stabil seien die Eintritte von Besuchern, so zwischen 700 und 900 Leute kommen im Jahr. Dazu 30 bis 50 Gesellschaften.

Wobei vor allem diese seit Jahren rückläufig sind. «Wir sind als Museum zu klein», zieht Hug eine Bilanz. Und auch sonst fehlt es an Infrastruktur. Anders als zum Beispiel auf Neu-Bechburg in Oensingen. Hochzeiten? Konzerte? Praktisch Fehlanzeige. Auch weil es keinen entsprechenden Raum dafür gibt. Und gleichzeitig fristet das Museum ein Schattendasein und mit ihm die Burg. Seit diesem Jahr sind Besuche nur noch auf Anmeldung hin möglich.

Verständlicherweise, Hans Hug hat neben seinem Engagement auf der Burg noch eine normale Vollzeitstelle. Doch die Leidenschaft für sein Museum ist bei Hug spürbar. «Ich liebe solche Museen», sagt er und ergänzt: «Klar, man hätte das Museum multimedial umgestalten können. Doch heute holst du mit einem Bildschirm auch keine Leute hinter dem Ofen hervor.» Das Spezielle sei eben die Vielfalt der Ausstellung. Für alle Gruppen habe er was zu bieten, einer Spezialisierung steht er skeptisch gegenüber.

Wie also weiter mit der Burg? So weitermachen? Fast unmöglich. Zwar gehört die Burg dem Kanton und dieser kommt für die Instandhaltung des Gebäudes auf. Doch der Museumsbetrieb wird durch die Eintritte finanziert. Bei vier Franken Eintritt für einen Erwachsenen und zwei Franken für ein Kind kommt da im Jahr sehr wenig zusammen. «Fürs Geld macht man den Job hier oben nicht.»

Denn Aufwand und Ertrag stehen in keinem Verhältnis. Das Museum schliessen und die Burg sich selbst überlassen? Keine Option. Denn mindestens als erkennbares Wahrzeichen von Balsthal erfüllt die Burg einen wichtigen Zweck. Vielleicht bringt ja die Zusammenarbeit mit dem Naturpark Thal was. Man kann nur hoffen. Ein langsames Verschwinden von der Bildfläche ist jedenfalls undenkbar.

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