Zwei Kirchen, zwei Baustellen. Dass die römisch-katholische Kirche St. Johannes und die Alte Kirche gleichzeitig saniert werden, dürfte in Härkingen wohl eine einmalige Sache bleiben. Schliesslich vergehen in der Regel Jahrzehnte, bis Gotteshäuser einer Renovation unterzogen werden. Die Alte Kirche mit Baujahr 1754 wurde zum Beispiel letztmals in den Jahren 1986 und 1987 umfassend saniert. Vorher war die inzwischen für kulturelle Zwecke genutzte Kirche eine Ruine, wie Paul Wyss, Präsident der Stiftung Alte Kirche Härkingen, zu berichten weiss.

Stiftung investiert 60 000 Franken

Mit 60 000 Franken schlägt die Sanierung der Innenräume und der Fassade der Alten Kirche zu Buche. Daran beteiligen sich die Bürgergemeinde mit 20 000 Franken, die Einwohnergemeinde mit 10 000 Franken, die Kirchgemeinde mit 1000 Franken und die Stiftung mit 19 000 Franken. 10 000 Franken wurden von der Denkmalpflege in Aussicht gestellt, wie Wyss erwähnt.

In der Alten Kirche, deren Fassade aktuell saniert wird, werden die Gottesdienste ersatzweise abgehalten.

In der Alten Kirche, deren Fassade aktuell saniert wird, werden die Gottesdienste ersatzweise abgehalten.

Im Gegenzug gibt die Denkmalpflege wertvolle Tipps, wie die Arbeiten ausgeführt werden sollten, um die über 260 Jahre alte Bausubstanz zu erhalten. So wurde mit dem einheimischen Steinbildhauer Rolf Wyss vereinbart, den teilweise bröckelnden Jurakalkstein an der Aussenfassade instand zustellen ohne das Erscheinungsbild des Gesteins zu verändern. Dies habe bedeutet, dass auch vor Jahren mit Farbe gestrichener Naturstein so belassen wird, so Wyss.

Vier Tage hat Wyss für die noch laufenden Arbeiten am Gemäuer der Alten Kirche veranschlagt. Daneben bleibt noch genug Zeit für sein zweites Projekt, den neuen Ambo für die Kirche St. Johannes auf der gegenüberliegenden Strassenseite. Der Begriff Ambo steht für ein Lesepult, von dem aus die Verlesung der Heiligen Schriften bei den Messen erfolgt. Im Zuge der Sanierung und der Umgestaltung der vor 60 Jahren erbauten Kirche wird der bisher aus Holz bestehende Ambo durch einen solchen aus Jurakalk ersetzt. Den Auftrag dafür hat Wyss erhalten, nachdem sein zuerst als Skizze und danach in Originalgrösse präsentiertes Modell aus Sagex vom Kirchenrat für gut befunden worden war.

Die Kirche St. Johannes ist derzeit wegen der laufenden Innensanierung geschlossen.

Die Kirche St. Johannes ist derzeit wegen der laufenden Innensanierung geschlossen.

Berufsbild hat sich verändert

Die Fertigung des 120 Zentimeter hohen und im Grundriss 60 x 24 Zentimeter messenden Steinblocks aus Solothurner Jurakalk mit einem Pultelement oben für die Ablage von Büchern überliess Wyss einer spezialisierten Firma. Seine finale Aufgabe besteht darin, drei Kreuze in den Stein zu gravieren, wie sie analog auf dem Altar und dem Taufstein zu finden sind. Diese Arbeit erledigt der 56-Jährige routiniert in etwa 45 Minuten.

Dass sein handwerklicher Beitrag am Ambo nur so kurz ausfalle, sei symptomatisch für die Branche, sagt Wyss. Während seiner Lehrzeit hätten Gravuren von Grabsteinen 90 Prozent der Arbeit ausgemacht, heute sei es noch gerade 10 Prozent. Daneben gebe es nur noch wenige Einsatzbereiche für Steinbildhauer, wie etwa die Sanierung von Natursteinen in alten Kirchen oder Häusern. Seine Zukunft sieht Wyss deshalb eher in der Kunst, wo er auch seine Leidenschaft für das Schöpferische ausleben kann. Zahlreiche Objekte im Obergeschoss seines Ateliers zeugen davon.

Einsegnung erfolgt am 27. August

Zurück zum Ambo: Er wird schon bald in der Kirche Johannes einen festen Platz im Altarraum bekommen. Gleiches gilt für den bereits bestehenden Sockel zum Tabernakel, dessen konische Form maschinell begradigt wird. Die anderen Arbeiten für die Innensanierung und Umgestaltung der Kirche sowie der Einbau einer zusätzlichen WC-Anlage sind weit fortgeschritten, wie Architekt Markus Oegerli auf Anfrage erklärt. Der vorgegebene Kostenrahmen von 500 000 Franken könne ebenso eingehalten werden, wie der veranschlagte Termin für die Einsegnung der Kirche am 27. August, verspricht Oegerli.

Bis zu diesem Zeitpunkt werden die Gottesdienste in der Alten Kirche abgehalten. Für die Katholiken sei das kein Problem, auch wegen der besonderen Atmosphäre in der vormaligen Kirch des Dorfes, sagt Kirchgemeindepräsident Eduard Jäggi. Trotzdem freut sich Jäggi auf den Bezug der fertig sanierten Kirche und dass danach das normale Pfarreileben wieder stattfinden kann.