Der Amteisängertag des Sängerverbandes Olten–Gösgen war dereinst ein Männerdomäne, also den Männerchören vorenthalten. «Leider schrumpfen die Chöre in der Amtei Olten–Gösgen», sagte der Präsident des organisierenden Männerchors Liederkranz Hägendorf, Jean-Pierre Stephani, bei seiner Begrüssung. «Dies hat uns bewogen, zusätzlich Gleichgesinnte einzuladen.» Erfreulicherweise haben einige weitere Chöre aus der Region der Einladung Folge geleistet, wodurch das traditionelle Gesangsfest auch wirklich zu einem Fest wurde.

In der katholischen Kirche Hägendorf trafen sich die teilnehmenden Vereine zum kameradschaftlichen Wettstreit «um zu singen, zu musizieren und uns gegenseitig anzuspornen» so die Worte des OK-Präsidenten. Es gab keine Jurierung und auch keine Bewertung mit einer abschliessenden Rangliste. Bewertet wurden die durchaus gut vorbereiteten Vorträge von einem fachkundigen Publikum, von den Sängerkameradinnen und Sängerkameraden, die nicht mit herzlichem und spontanem Applaus geizten.

Gastgeber überzeugten vollauf

Der gastgebende Verein, der Männerchor Liederkranz Hägendorf, machten den Auftakt und zeigte gleich, dass er nicht nur mitgliedermässig einiges zu bieten hatte, sondern auch gesanglich die Erwartungen zu erfüllen vermochte. Mit «Soir d’octobre» von André Ducret konnten die Sänger nicht nur musikalisch, sondern auch mit ihrer perfekten Artikulation vollauf überzeugen. Und ihre Vielfältigkeit bewiesen sie mit «Konjunktur Chachach» von Hazy Osterwald, in einer Bearbeitung ihres Dirigenten Martin Eduard Fischer.

Ein reiner Frauenchor sind die «Happy Singers» aus Fulenbach. Die «glücklichen Frauen» begannen unter der Leitung von Andrea Buchli mit «Himmel und Erde» von Lorenz Maierhofer. Es folgte «Adiemus» des walisischen Musikers Karl Jenkins. Was «Adiemus» heisse, wisse vermutlich nur der Komponist selber, war von Martin Eduard Fischer, der durchs Programm führte, zu vernehmen, wollte doch der Komponist nur die Musik und nicht der Sprache den Vorrang geben, weshalb er eine eigene Sprache erfunden habe. Der Männerchor Wangen gab mit «Der Heimatvogel» aus dem Solothurnischen Mundartliederschatz ein erstes, und dann mit «Zeit ist ein Geschenk» von Manfred Bühler ein zweites und klares Lebenszeichen. Chorleiter Roland Basler scheint es verstanden zu haben, dem Verein neuen Lebenshauch eingeflösst zu haben.

Erstmals Kirchenchöre dabei

Ebenfalls nach einem Text von Josef Reinhard sang der Frauenchor Erlinsbach «Mys Briefli» geradezu herzergreifend und begleitet auf dem E-Piano durch den Dirigenten Berni Ryter. Peter Maffey machte sein Lied «Über sieben Brücken musst du gehen» zu einem Hit, der nach dem grossen Applaus zu schliessen, auch heute noch, in der Version des Frauenchors Erlinsbach, hitverdächtig ist. Es sei wohl ein Novum, sagte Moderator Martin Eduard Fischer, dass ein Kirchenchor an einem Amteisängertag teilnehmen würde. Der evangelisch-reformierte Kirchenchor Wangen–Hägendorf unter der Leitung von Florian Engelhardt folgte jedenfalls der Einladung und präsentierte sich eher von der klassischen Seite mit dem «Lerchengesang» von Felix Mendelssohn-Barftholdy und «Tebje Pajom» von Dimitri Bortnianskij.

Verbandspräsident Werner Scheibler appellierte in seiner Ansprache an den Durchhaltewillen, mache doch Singen in jeder Beziehung Freude. Er lobte den Organisator und alle Sängerinnen und Sänger, die zu einem eindrücklichen Chorkonzert beigetragen haben. Auch gab er seinem Wunsche Ausdruck, dass sich auch sogenannte Projektchöre zur grossen Sängergemeinschaft identifizieren mögen.

Kappeler Männer toller Schluss

Der Männerchor Erlinsbach trat mit «weiblicher Verstärkung» auf und hatte «Griechischer Wein» von Udo Jürgens einstudiert. Unter der Leitung von Andreas Pauli liess er «Glocken für den Frieden» folgen. Der römisch-katholische Kirchenchor Hägendorf–Rickenbach, ein weiterer Gastverein (Leitung: Penelope Monroe), präsentierte seinerseits ein eher ernsthaftes Programm, wie aus dem Liederzyklus Opus 41 von Felix Mendelssohn-Bartholdy zu erwarten war. «Auf ihrem Grab» und «Im Walde» hiessen ihre beiden Vorträge. Ein reiner Männerchor ist die Chorgemeinschaft Däniken–Dulliken. Aus der symphonischen Dichtung «Bilder einer Ausstellung» von Modest Mussorgskij stammt das Lied «Vor dem Tor am Vaterhaus», welches überzeugend vorgetragen wurde. Zu überzeugen wusste der Chor auch mit Otto Grolls «Das Ave Maria der Berge», gleichermassen wie der Begleiter auf der Trompete, Roland Basler.

Als besonderer Chor darf «Happy Hours Olten» bezeichnet werden. Besonders deshalb, weil dieser gemischte Chor nicht wöchentlich, sondern periodisch einige Mal pro Jahr an einem Singwochenende die Proben abhält. Das hat seinen Grund, reist doch der musikalische Leiter jeweils aus der Tschechei an. Weil dieser Chor unmittelbar von einem solchen Wochenende anreiste, war er selbstredend bestens eingesungen. Den Beweis erbrachten sie Sängerinnen und Sänger unter der Leitung von Jan Stanek mit «Alleluja» von Gordon Young und schliesslich mit dem Spiritual «Give me that old time…» wobei die Solistin Karin Winistörfer-Haas besonderen Beifall ernten durfte.

Ein toller Schlusspunkt setzte, wie nicht anders zu erwarten war, der Männerchor Kappel. Unter der Leitung von Jasmine Asatryan glänzte er nicht nur dank buntem Outfit, sondern mit unbestrittenem Können. Eine Kostprobe aus ihrem umfangreichen Repertoires wurde mit «Suliko» von Akaki Zereteli in einem Arrangement der Dirigentin gegeben. Schliesslich kam nochmals Hazy Osterwald mit seinem legendären «Kriminal-Tango» zu Ehren, wobei der Pistolenschuss, wie in der Originalfassung, auch nicht fehlte.

Trotz Schwierigkeiten wegen des Mitgliederschwundes und dem fehlendem Nachwuchs bei den Männerchören hat der Amteisängertag eindeutig bewiesen, dass Singen, wenn auch in anderen Formen, durchaus seine Berechtigung hat. In Hägendorf waren durchwegs frohe, aufgestellte und zufriedene Teilnehmer und Besucher zu erkennen. Die Pflege der Kameradschaft konnte nach dem Konzert in der Turnhalle des Oberdorf-Schulhauses bei einem Imbiss gepflegt werden.