Zahlreiche geladene Gäste versammelten sich am Freitagabend in den neuen Gewerberäumen vor der sanierten ehemaligen Schuhfabrik Hug in Niedergösgen. Eingeladen hatte der Solothurner Heimatschutz, um den diesjährigen Preis dem Investor Markus Ehrat von den Ehrat Immobilien AG, Dietikon, für den Umbau der ehemaligen «Hugi» zu verleihen. Das Gebäude habe nach seiner Schliessung 1978 leergestanden, sei zusehends verfallen und teils gar als «Schandfleck» wahrgenommen worden; als Wahrzeichen eines Arbeitgebers, der in die Krise geraten sei, bemerkte Philipp Gressly, Präsident des Vereins Solothurner Heimatschutz nach der Begrüssung einleitend.

Und doch sei immer klar gewesen, dass die ehemalige «Hugi» das Potenzial als Wohngelegenheit hat. Markus Ehrat sei es gelungen, die baulichen Schwierigkeiten im Zusammenhang mit der Umnutzung wie etwa die Zufahrt oder die Ausgestaltung der Nordseite mit ihren laubenartigen Erschliessungen sehr gut zu lösen. Ausserdem habe er ein tragfähiges Konzept für die Gesamtsanierung erarbeiten können. Deshalb sei der Vereinsvorstand überzeugt, dass ihm der diesjährige Solothurner Heimatschutzpreis gebühre.

«Ein Markenzeichen»

Regierungsrat und Baudirektor Roland Fürst durfte die Laudatio halten. Er ging kurz auf die wechselvolle Geschichte des 1933 von Robert Schild errichteten Bauwerks ein und hielt fest, dass dieses Gebäude «aus mehreren Gründen kein ‹Nullachtfünfzehnhaus› ist». Baulich weise das viergeschossige, 80 Meter lange Gebäude «eine klare architektonische Gestaltung und funktionale Ästhetik aus». Markant seien nicht nur die achteckigen Stützen und der schlichte Innenausbau, sondern auch die lindengrüne Aussenfarbe sowie das übergrosse Logo mit Uhu und Stöckelschuh. «Das Gebäude ist ein Markenzeichen für die jüngere Geschichte Dullikens», so Fürst.

Wirtschaftlich betrachtet,habe die Schuhfabrik in Spitzenzeiten (1950er- und 60er-Jahre) bis zu 800 Personen beschäftigt. Sie sei so «ein sehr bedeutender Betrieb mit Arbeit für viele Familien, mit grosser Wertschöpfung und wirtschaftlicher Bedeutung» gewesen. Aus Sicht des Denkmalschutzes blicke man zwar «etwas weniger gerne auf mehrere gescheiterte Umbau- oder Sanierungsmassnahmen zurück», desto lieber aber auf den Schweizerischen Tag des Denkmals 2003 oder das 100-Jahr-Jubiläum des Schweizerischen Heimatschutzes. Beide Jubiläen seien in dem vom Regierungsrat 2011 unter Schutz gestellten Gebäude abgehalten worden.

Neues Leben eingehaucht

Nach der Umnutzung durch Markus Ehrat und das Architekturbüro Adrian Streich Architekten AG, Zürich, sei aber ein Traum für Dulliken und die Region in Erfüllung gegangen. Das Gebäude sei sichtbar aufgewertet worden; die Ehrat Immobilien AG habe der ehemaligen «Hugi» neues Leben eingehaucht. Der Heimatschutz dürfe Ehrat diesen Preis verleihen «für einen mutigen Schritt». Er sei mit der Renovation und Umgestaltung «ein unternehmerisches Risiko» eingegangen, aber das Ergebnis kreiere «nebst ihm noch viele weitere Gewinner».

Philipp Gressly überreichte Ehrat abschliessend den Preis; vier ehemalige lindengrüne Hug-Schuhschachteln, auf denen die Trimbacher Kunstschaffende Andrea Nottaris Fotografien aus Produktionszeiten appliziert hatte; «Fotos, die die Dichte, Intensität und Vertrautheit des Arbeitsalltages zeigen». Fotos, die Arbeiter von Arbeitern gemacht hatten. Die Kunstwerke könne Ehrat am besten im Treppenhaus befestigen, so Gressly, dort kämen sie gut zur Geltung. – Nach den musikalischen Einlagen durch die Band «RhythmTalk» (Noby Lehmann, Christoph Blattner und Ruedi Maurer) und nach dem Apéro bestand für die Anwesenden Gelegenheit, das Gebäude und die neu entstandenen Loft-Wohnungen in Augenschein zu nehmen.