Die zentrale Lage mit Autobahnanschluss hat nach Emil Egger, Planzer, Murpf sowie anderen Logistikbetrieben einen weiteren aus dieser Branche dazu bewogen, im Gäu einen Stützpunkt aufzubauen. Beim Neuzugang handelt es sich um die Dreier AG, die ihren Hauptsitz in Suhr AG hat.

Wegen auslaufenden Mietverträgen für Baustofflager an den Standorten Hunzenschwil, Aarau und Schöftland musste sich die Dreier AG nach einem anderen Standort umsehen, um ihren Dienstleistungsumfang in diesem Segment weiter führen zu können. Fündig wurde das Aargauer Transportunternehmen mit rund 450 Beschäftigten und einem Jahresumsatz von 90 Mio. Franken (2016) in Egerkingen.

Künftiger Dreh- und Angelpunkt

Das von der Dreier AG erworbene Landstück befindet sich an der Industriestrasse zwischen der Winkler Fahrzeugteile GmbH und dem 2016 fertiggestellten Park- und Gewerbehaus der AG für Wirtschaftsförderung. Auf der insgesamt rund 20'000 Quadratmeter grossen Parzelle soll ein 60 Meter breites, 140 Meter langes und 20 Meter hohes Gebäude errichtet werden. Unterirdisch reicht der Bau 7,5 Meter in die Tiefe. Im Erdgeschoss sind 23 Rampen und im mit Lastwagen befahrbaren Untergeschoss 5 Kombi-Rampen geplant.

Beim mit rund 40 Mio. Franken veranschlagten Neubauprojekt ist die Rede von einem Kompetenzzentrum, welches für die Dreier AG zum Dreh- und Angelpunkt für alle Verkehrsarten im kombinierten nationalen Verkehr werden soll. Dies vor allem mit Blick auf den Anteil beim Schienenverkehr, den die Dreier AG auf 50 Prozent erhöhen will, wie CEO Hans-Peter Dreier auf Anfrage erklärt.

Der Kauf des Areals mache in mehrfacher Hinsicht Sinn, zumal damit auch die Zusammenarbeit mit dem Paketzentrum der Post in Härkingen optimiert werden könne. Gleiches gelte für die Textillogistik, welche Dreier für H&M in Neuendorf abwickle. Mit dem Neubau könnten somit Synergien geschaffen werden, so Dreier.

Textilaufbereitung für H&M

Im geplanten Kompetenzzentrum sind denn auch für die Aufbereitung (auszeichnen und bügeln) der H&M-Textilien rund 2600 Quadratmeter eingeplant. Als Lagerfläche sind rund 20'000 Quadratmeter vorgesehen. 8580 davon befinden sich im Untergeschoss und sollen als Baustofflager dienen. Im Erdgeschoss ist ein 5800 Quadratmeter grosser Lager- und Umschlagplatz geplant, im zweiten Obergeschoss ein weiteres, 4800 Quadratmeter grosses Lager.

In Egerkingen angesiedelt sollen des Weiteren die Dispositionen «Baustoffe» und «Kombinierte Verkehre» sowie Administration und Verwaltung mit Besprechungsräumen, wofür insgesamt rund 1300 Quadratmeter vorgesehen sind. Dazu kommen weitere 1800 Quadratmeter vermietbare Bürofläche. Im Parkdeck im ersten Oberschoss sind 77 gedeckte Parkplätze geplant.

Neue Stellen im Gäu

Mit der Realisierung des Dreier-Kompetenzzentrums würden auch über 200 Stellen ins Gäu verlagert oder teilweise neu geschaffen. 110 davon betreffen Chauffeure inklusive Lernende und sind daher nicht ortsfest. Ortsgebunden wären hingegen die 34 Arbeitsplätze im Baustoffbereich sowie die zehn Arbeitsplätze in der Textilaufbereitung. Dazu kommen 22 weitere Stellen samt Lernenden für Disposition, Administration und Verwaltung. Die Vermietung von Büroflächen soll weitere 40 Arbeitsplätze generieren.

Derzeit liegt auf der Bauverwaltung in Egerkingen der Gestaltungsplan «Dreier Industriestrasse» zur Mitwirkung auf. Aus raumplanerischer Sicht wurde das Dreier-Projekt als recht- und zweckmässig beurteilt, wie dem ebenfalls aufliegenden Raumplanungsbericht zu entnehmen ist.

Keine Bedenken gibt es auch im Umweltverträglichkeitsbericht (UVB) gegen das Bauvorhaben. Der Mehrverkehr von täglich 182 Zu- und Wegfahrten von Lastwagen, 15 Abholungen des verarbeitenden Gewerbes sowie die rund 520 Fahrten der Angestellten führten weder zu einer Überbelastung des Strassennetzes noch zu einer übermässigen Belastung der Umwelt, heisst es im UVB. Auf das Strassennetz der Umgebung umgelegt entspreche das einer Verkehrszunahme von 1 Prozent. Dies gilt allerdings nicht für die Industriestrasse in Richtung Egerkingen, wo zusätzlicher Verkehr in der Grössenordnung von 12 Prozent erwartet wird.

Bartholdi: «Das bestmögliche Projekt»

Der Gemeinderat sei sich dieser Problematik bewusst, sagt Gemeindepräsidentin Johanna Bartholdi. Der Kanton arbeite an einer Kapazitätserhöhung dieses Strassenabschnittes. Der Rat sei der Auffassung, dass das Dreier-Projekt das bestmögliche im logistiklastigen Gäu sei. «Mehr lag nicht drin», so Bartholdi. Der Gemeinderat hat Gestaltungsplan, Raumplanungsbericht und Umweltverträglichkeitsbericht am 14. Juni zuhanden des Raumplanungsamtes zur Vorprüfung verabschiedet.

Architekt Claude Belard, der für die Planung zuständig ist, hofft auf einen Baubeginn im Frühling 2018. Der Bezug ist für Herbst 2019 vorgesehen. Darauf hofft auch Hanspeter Dreier. Denn damit könnten die Baustofflager in Hunzenschwil, Aarau und Schöftland in geordnetem Rahmen geräumt und die in Egerkingen gemieteten Umschlags- und Parkplätze bei der Dörfliger AG, der Pangas AG und bei der Valora aufgelöst werden.