Noch in Betrieb
Trafostationen sind kleine Türme mit einer grossen Wirkung

Im Thal und im Gäu sind noch viele der Trafostationen, die Anfang des 20. Jahrhunderts gebaut wurden, in Betrieb.

Fränzi Zwahlen-Saner
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Die alte Trafostation bei der Lobisei vor Mümliswil.

Die alte Trafostation bei der Lobisei vor Mümliswil.

Bruno Kissling

In der Schweizer Landschaft fallen solitär stehende Turmbauten auf, aus denen manchmal ein seltsames Brummen zu hören ist. Oft sind sie mit Warntafeln versehen, auf denen «Berühren verboten» und «Lebensgefahr» steht. Man ist veranlasst, das Gebiet ums Gebäude schnell wieder zu verlassen. Es sind alles Trafostationen, die aber auch still und verlassen dastehen oder für einen neuen Zweck gebraucht werden.

Vor rund 120 Jahren begann man in der Schweiz mit der flächendeckenden Elektrifizierung. Dazu wurden diese Trafobauten nötig. Hier wurde nämlich mithilfe von eingebauten Transformatoren der Strom von Gleich- auf Wechselstrom umgewandelt, was ermöglichte, dass die Stromspannung wirtschaftlich sinnvoll genutzt und über weite Distanzen ohne Verluste transportiert werden konnte. Der Strom wurde so von einer zentralen Stelle aus in abgelegene Gebiete transportiert. Damals zählte dies als umwälzende Errungenschaft.

Regional angepasste Bauten

Die Transformatorenhäuser oder -türme wurden ab 1900 überall im Land gebaut. Bauherren waren oft dorfeigene Elektrizitätsgenossenschaften, manchmal auch die Elektrizitätswerke selbst. Man bemühte sich, die Bauten den regionalen oder örtlichen Bauten anzupassen, was zu einigen seltsamen Baukörpern führte. Seit 50 Jahren schon werden keine Trafobauten mehr erstellt. Die Türme sind aber vielfach bestehen geblieben.

In der Region Thal und Gäu sind die meisten der Trafostationen noch im Betrieb; sie wurden aber mit modernen Elektroanlagen ausgestattet. Viele wurden auch abgebrochen und sind damit verschwunden, manche hat man auch ganz einfach einem neuen Verwendungszweck zugeführt.

Stephan Ruch aus Günsberg, der sich seit 2009 mit den Trafostationen in der Schweiz auskennt und sie ausgiebig erforscht, sagt, dass heute noch rund 2000 Trafotürme im ganzen Land anzutreffen sind. Er hat die Homepage www.swisstrafos.ch ins Leben gerufen, wo alle Trafostationen aufgelistet wurden und mit Foto zu sehen sind. Darüber hinaus erfährt man Wissenswertes. «Es geht darum, ein Stück Technik- und Industriegeschichte zu bewahren», sagt Ruch.

«Die älteren Türme sind noch sehr aufwendig gebaut worden», stellt er fest. «Je später ein Objekt entstand, umso profaner und nüchterner wurde sein Ausbau.» Auch in der Denkmalpflege beginnt man sich langsam mit diesen Bauten zu beschäftigen. «Insbesondere die Kantone Bern und Thurgau widmen sich diesen Objekten», weiss Ruch.

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