Herbetswil
Tödlicher Unfall war eine Verkettung tragischer Umstände

Bei Nebel und Dunkelheit wollte am vergangenen Freitagabend, um etwa 18.30 Uhr, eine 80-jährige Frau aus Aedermannsdorf mit dem Postauto nach Hause fahren. Sie besuchte den Weihnachtsmarkt in Herbetswil. Leider wurde dies ihr letzter Gang.

Fränzi Zwahlen-Saner
Drucken
Teilen
Die Unfallstelle bei der Einmündung von der Thalstrasse in die Hauptstrasse nach Herbetswil gestern. fotos: frb

Die Unfallstelle bei der Einmündung von der Thalstrasse in die Hauptstrasse nach Herbetswil gestern. fotos: frb

Fränzi Zwahlen

Wegen des Weihnachtsmarktes wurde die übliche Haltestelle mitten im Dorf von Herbetswil kurzfristig aufgehoben und die Fahrgäste gebeten, sich von einem Shuttlebus vom Dorf bis zur nächsten Haltestelle, rund 300 Meter unten an der Thalstrasse, beim ehemaligen Restaurant Wolfsschlucht, fahren zu lassen.

Trotz mündlicher Aufforderung mancher Besucher wollte die Frau lieber zu Fuss bis zur Haltestelle an der Thalstrasse gehen. Als sie dort ankam, überquerte sie aus bis heute unerfindlichen Gründen die breite Strasse, die bei diesem Abschnitt über keinen Fussgängerstreifen verfügt.

Kinder waren Augenzeugen

Trotz Zurufen von anderen Passanten, die bereits an der Haltestelle warteten, überquerte die Frau die Strasse und wurde sogleich von einem heranfahrenden Auto erfasst. Und nicht genug damit: Ein nachfolgendes Auto erfasste die Frau ein zweites Mal.

Ihre dabei erlittenen Verletzungen waren so schwer, dass die Frau noch auf der Unfallstelle verstarb. «Es ist eine ganz tragische Sache, dass die Frau so ums Leben kam», sagte ein gestern noch hörbar aufgewühlter Stefan Müller-Altermatt, der Gemeindepräsident von Herbetswil. Er sei kurz nach dem Unfall von der Feuerwehr informiert worden und an den Unfallort geeilt, erzählt er weiter. Dort hätten Polizei, Feuerwehr und Rettungskräfte alles schon im Griff gehabt.

Es sollen auch Kinder Augenzeuge dieses schrecklichen Unfalls geworden sein. Dazu sagt Müller-Altermatt: «Ja, das stimmt. Doch ein engagierter Vater, der mit dabei war und aus beruflichen Gründen weiss, wie mit solchen Grenzsituationen umzugehen ist, hat die Kinder sofort betreut.»

Sie hätten über das Erlebte berichtet und dann zusammen eine Kerze zum Gedenken an die verstorbene Frau angezündet, so der Gemeindepräsident weiter. Weshalb die Frau die Strasse an dieser gefährlichen Stelle überquerte ist bis heute unklar. Dies obwohl sie ja schon an der Haltestelle beim ehemaligen Restaurant Wolfsschlucht angekommen war, wo andere Leute den Bus ebenfalls erwarteten.

Keine Strafuntersuchung

Bei der Staatsanwaltschaft des Kantons Solothurn sagt Sprecher Jan Lindenpütz: «Voraussichtlich wird keine Strafuntersuchung gegen die beiden Automobilistinnen eröffnet.» Nach den jetzigen Erkenntnissen handle es sich um einen tragischen Unfall. Die beiden Autolenkerinnen, zwei Schweizerinnen im Alter von 59 und 61 Jahren, die hintereinanderfahrend Richtung Balsthal unterwegs waren, blieben beim Unfall unverletzt.