Balsthal
Tiefer Blick in die Natur

In der Galerie Rössli zeigen Ulrich Studer aus Rüttenen und Norbert Eggenschwiler aus Balsthal gemeinsam neue Arbeiten.

Eva Buhrfeind
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«Aromen der Felsenheide» hat Ueli Studer auf Papier gebannt

«Aromen der Felsenheide» hat Ueli Studer auf Papier gebannt

Eva Buhrfeind

Die Natur, der Blick auf – beziehungsweise – in die Natur ist der gemeinsame Nenner dieser Ausstellung zweier an sich so unterschiedlich arbeitenden Künstler. Doch nicht einfach die Natur ist Ideengeber für dieses künstlerische Wirken, es ist vielmehr der Stein als Mass der Dinge und Ansichten. Beim Balsthaler Norbert Eggenschwiler ist es der Marmor.

Eggenschwiler, ganz klassischer Bildhauer, sucht im Marmor das Bild, das Wesen, eine Assoziation mit Hintersinn und Mehrdeutigkeit. Das schlichte Kanu erinnert an native Boote, ist Urform und Sinnbild schicksalshafter Überfahrten und des leichten Materials Holz, gleichzeitig unverrückbar in der marmornen Gestalt. Wie sich überhaupt in Norbert Eggenschwilers Arbeiten evolutionsbedingte Phänomene des Materials und bildhauerische Ästhetik zu anekdotischen Metamorphosen vereinen.

Der Schwamm auf dem Boden vor der Rille der einstigen Metzgerei spielt mit der Bedeutung des Abflusses wie mit dem steinernen Boden. Den Blasen, die aus der Wand quellen, illusionieren wie die fleischfarbene Brust einerseits Natur, sind aber gleichzeitig in Stein gehauene reine Form und dazu von einer allgegenwärtigen Ironie. Denn so eindeutig diese marmornen Körper scheinen, letztendlich sind sie von einer seltsamen Spannung umgeben. Da reflektiert er die sensible Haut als Barometer der Gefühle, steckt kurze Nylonschnüre haarig in fein strukturierte Marmorkörper. Ein Stockhammereinsatz ziert den Rücken eines samtweichen, eiförmigen Objekts: Das Werkzeug des Bildhauers wandelt sich hier zum Restpanzer zwischen Utopie und Prähistorie.

Ulrich Studer aus Rüttenen hingegen recherchiert, erforscht in der Natur die Natur und damit den Charakter einer Landschaft, eines Geländes. Stets unmittelbar in der Landschaft sammelt er Informationen und wesentliche Anhaltspunkte, die er aus dem Gelände und insbesondere aus dem Stein als ursprüngliches Gesicht einer Landschaft bezieht und dann im Atelier zu Bildern verdichtet. So legt er zum Beispiel Papier auf das karg bewachsene Gebiet der Felsenheide so lange aus, bis Farbe, Strukturen und Spuren ins Papier eingedrungen sind, eine Art Monotypien, die er dann im Atelier mit künstlerischen Eingriffen zum visuellen «Aroma der Felsenheide» verwandelt. Bei Studer sind die Sinne gefragt. Das Sehen und das Nachempfinden, wenn sich in der formalen Reduktion auf Farbe, Schichtung und pflanzliche Abdrücke, in der Verflechtung von Strukturen, Spuren, Ablagerungen und malerischen Momenten über den Stein als Grundidee die Landschaft öffnet, der Blick von aussen den Blick auf das Innere erweitert.

Bis 14. Dezember. Geöffnet: Do + Fr, 18–21 Uhr, Sa, 15–18 Uhr, So, 11–14 Uhr.

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