Alles ist bereit für Herr Rossis Umzug ins Altersheim «Abendstern». Die Tochter holt ihn ab. Sie sind schon vor der Türe seines angestammten Hauses, da fällt Herr Rossi ein, dass er noch sein Pyjama vergessen hat. Auch der Hinweis seiner Tochter, sie habe ihm doch ein neues – ein billiges Tricot in scheusslichen Farben – gekauft, vermag den betagten Herrn nicht umzustimmen.

Er kehrt in die Wohnung zurück und findet seinen alten gestreiften Schlafanzug. Herr Rossi setzt sich noch einmal in seinen Lehnstuhl. Sinnierend hält er sein kuscheliges Bärchenpyjama in den Händen – und nickt ein. Im Schlaf träumt er nochmals sein ganzes Leben, wie es war oder wie es hätte sein können. Dies also ist die Rahmenhandlung von Christoph Schwagers aktuellem Solostück, mit dem er am Samstagabend im Gäuer Forum der Schälismühle gastierte.

Das Leben ein Traum

Im Traum lässt Herr Rossi die verschiedenen Episoden des Lebens Revue passieren. Dem Mimen Christoph Schwager genügt dabei jeweils ein einzelnes Kleidungsstück, um darauf eine ganze Geschichte aufzubauen. In den Armen Schwagers wird ein Strampelhöschen zu einem Kleinkind. Herr Rossi spielt mit ihm, liebkost es und bringt ihm die ersten Schritte bei. Auf der andern Seite ist Herr Rossi ein treu sorgender Sohn für seinen betagten Papa, versinnbildlicht durch ein simples Nachthemd, das er auf einem Stuhl drapiert und dem er seinen geliebten «Vino» auftischt.

Nach diesen berührenden Szenen landet das Nachtgewand im bereitstehenden Wäschekorb. Nun fischt Christoph Schwager ein neues Gewand aus dem danebenliegenden Kleiderberg. Mit einer roten Bluse wird er zum Tangotänzer und feurigen Liebhaber.

Dirigent und Tierbändiger

Mit einer blossen Schürze wird er zum Wirt, der seine Gäste begrüsst, ihnen den Mantel abnimmt, sie an den Tisch führt, die Bestellung aufnimmt, das Essen serviert und die unzufriedenen Esser besänftigt. Eine Augenklappe macht ihn zum ungestümen Piraten, der sich im Säbelkampf behauptet. Die gleiche Augenklappe wird zum Mundschutz des Chirurgen und schafft den fliessenden Übergang zur nächsten pantomimischen Szene. Hier wird der Patient durch ein Hemd verkörpert, das nach missglückter Operation zusammengeknüllt im Wäschekorb landet.

Köstlich ist auch Christoph Schwagers Spiel mit einer weissen Nachthaube und einer schwarzen Schlafmütze, die ein Liebespaar auferstehen lassen. Die nächsten Stücke aus dem Kleiderhaufen geben die sparsamen Requisiten für weitere Traumberufe wie Orchesterdirigent, Varietékünstler oder Tierbändiger im Zirkus. Schwager erweckt alle diese Figuren praktisch ohne Worte zum Leben, immer auch gewürzt mit einer Prise Humor. Zum Schluss rundet er die Vorstellung ab mit dem Pensionär Rossi, der aufwacht und sich mit seinem alten Pyjama samt Erinnerungen in den «Abendstern» verabschiedet.

Nächste Veranstaltung: Samstag, 22. November 2014, Schälismühle Weihnachtsmarkt.