Herbetswil
Thaler können endlich ans Wasser: Mit dem Revitalisierungsprojekt der Dünnern entsteht ein neues Naherholungsgebiet

Statistisch gesehen könnte es in Herbetswil alle 30 Jahre zu einer Überschwemmung kommen. Damit das nicht passiert, will der Kanton die Dünnern hochwassersicher machen und revitalisieren. Dadurch entsteht ein neuer Lebensraum für Mensch und Tier.

Gülpinar Günes
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Auf der Fläche rechts neben der Thalstrasse wird die Dünnern künftig breitflächiger durchfliessen und ein neues Naherholungsgebiet bilden. Die Hochwasserschutz- und Revitalisierungsmassnahmen betreffen das ganze Gebiet von der Schlittlibrücke bis zur Brücke am Galgenmattweg.

Auf der Fläche rechts neben der Thalstrasse wird die Dünnern künftig breitflächiger durchfliessen und ein neues Naherholungsgebiet bilden. Die Hochwasserschutz- und Revitalisierungsmassnahmen betreffen das ganze Gebiet von der Schlittlibrücke bis zur Brücke am Galgenmattweg.

Bruno Kissling

Seit mehr als 30 Jahren hat die Dünnern in Herbetswil keine Überschwemmung verursacht. Das Kantonale Amt für Umwelt jedoch schätzt das Risiko in diesem Zeitraum als sehr real ein. Laut der Gefahrenkarte würde bei einem Hochwasser, das statistisch etwa alle 30 Jahre auftritt, ein Schaden von 650000 Franken im gefährdeten Bereich des Siedlungsgebiets auftreten. Der Grund dafür ist simpel: Das Bachbett der Dünnern liegt auf der Höhe Dünnernacker mit knapp 526 Metern über Meer zwei Meter oberhalb des Dorfes. Damit würde bei einem Wasserstau der Bach ins Siedlungsgebiet abfliessen. Die Brücken über der Dünnern stauen das Wasser zusätzlich und vergrössern das Risiko eines Hochwassers.

Seit rund vier Jahren arbeitet das Amt für Umwelt an einer Nutzungsplanung zum Hochwasserschutz und zur Revitalisierung der Dünnern, die bei solchen Massnahmen notwendig wird. Nach einer Mitwirkungsphase im Sommer 2020 liegen nun der kantonale Gestaltungsplan öffentlich auf. Wie Gemeindepräsident Stefan Müller-Altermatt bei einer Besichtigung veranschaulicht, soll das Bachbett an einigen Stellen verbreitert und abgesenkt werden, damit der Bach wieder natürlicher mäandrieren kann. Dafür müssen die bestehenden Brücken – mit Ausnahme der «Galgenmatt» – ersatzlos abgerissen werden. Auch den Parkplatz des ehemaligen Restaurants Wolfsschlucht wird es nicht mehr geben.

Erstes Naherholungsgebiet direkt am Wasser

Stattdessen soll ein flaches Ufer mit Kiesbänken, einem Trampelpfad, einer Grillstelle und einem Aussichtspunkt entstehen – ein Raum, den Tier und Mensch gleichermassen nutzen können, ähnlich wie im Naturschutzgebiet an der Dünnern in Wangen bei Olten. Damit entsteht im Thal zum ersten Mal ein Naherholungsgebiet, wo die Besucher direkt ans Wasser können, betont Müller-Altermatt. Als Alternative für die Schlittlibrücke, die heute vor allem der Forstbetrieb nutzt, soll südlich des Bachverlaufs zusätzlich ein Wendeplatz für forstwirtschaftliche Fahrzeuge entstehen. Statt dem Restaurant-Parkplatz können die Besucher in Zukunft einen Velounterstand nutzen.

 Ein Querschnitt davon, wie es am Dünnernacker aussehen könnte: Ganz links ist die Thalstrasse. Darauf folgt eine begrünte Böschung und ein Trampelpfad für Besucher entlang des flachen Ufers der Dünnern.

Ein Querschnitt davon, wie es am Dünnernacker aussehen könnte: Ganz links ist die Thalstrasse. Darauf folgt eine begrünte Böschung und ein Trampelpfad für Besucher entlang des flachen Ufers der Dünnern.

Ausschnitt aus dem Auflageobjekt des Kantons

Um dem Gewässer diesen Platz zu schaffen, müssen sechs Privatbesitzer dem Kanton ihr Land verkaufen. Betroffen sind diverse Parzellen nördlich der heutigen Dünnern, die landwirtschaftlich genutzt werden. «Da kann ich dem Kanton aber leider kein Kränzchen winden», sagt der Gemeindepräsident. Der Kanton habe sich zu viel Zeit gelassen, bevor er die Landbesitzer angesprochen habe. Anfänglich waren sie auch nicht in der lokalen Begleitgruppe dabei, die unter anderem aus Vertretern der Gemeinde, des Kantons, des Naturparks sowie diverser Umwelt- und Naturschutzverbände besteht. «Den Landabtausch haben sie schlecht gemacht», so Müller-Altermatt.

Kosten für die Gemeinde fallen keine an

 Stefan Müller-Altermatt (CVP), Gemeindepräsident Herbetswil und Nationalrat 

Stefan Müller-Altermatt (CVP), Gemeindepräsident Herbetswil und Nationalrat 

Bruno Kissling

Ansonsten aber gefalle dem Gemeindepräsidenten das Projekt. Ein Grund dafür ist sicherlich auch, dass die Gemeinde für den Bau kein Geld investieren muss. Insgesamt kostet das Projekt den Kanton gut 3 Millionen Franken. Zehn Prozent, also 300000 Franken muss die Gemeinde übernehmen. Ursprünglich kostete es sogar 7 Millionen und folglich 700000 Franken für die Gemeinde. «Hätten wir tatsächlich so viel Geld aufwenden müssen, hätten wir interveniert und versucht, das Projekt zu stoppen», sagt Müller-Altermatt. Es konnten aber Fremdfinanzierungen gefunden werden, insbesondere aus dem Ökofonds der Alpiq. Und nach Diskussionen zwischen Gemeinde und Kanton sei das Projekt auch redimensioniert worden: Man verzichtet beispielsweise auf den kostenintensiven Neubau von Brücken.

Denkbar sei in Zukunft aber ein Fussgängerübergang für Wanderer an der Stelle der Brücke vis à vis der Autogarage. Unweigerlich aber wird der Unterhalt des neuen Naherholungsgebietes Mehrkosten für die Gemeinde mitbringen, gibt Müller-Altermatt zu. «Die Höhe können wir heute noch nicht abschätzen.» Das Projekt liegt bis am 18. Januar in der Gemeindeverwaltung von Herbetswil und beim Amt für Raumplanung auf. Im Februar soll er dann dem Regierungsrat zur Genehmigung eingereicht werden.

Ersatz der Stützmauer

Das Hochwasserschutzprojekt wird zeitgleich mit einem Projekt des Amts für Tiefbau realisiert und ist auch in demselben Gestaltungsplan zusammengefasst. Das Projekt betrifft die Stützmauer der Dünnern im Gebiet der Eichmatt entlang der Thalstrasse. Aufgrund ihres schlechten Zustandes wird diese teilweise zurückgebaut und ersetzt. Gleichzeitig wird auch in diesem Abschnitt die Dünnern mit diversen Elementen, wie Steinen und Wurzelstöcken ökologisch aufgewertet. Die Kosten für diesen Abschnitt betragen zusätzlich rund eine Million Franken. (gue)

 Die Stützmauer wird vom Pfundhof bis zur Schlittlibrücke ersetzt.

Die Stützmauer wird vom Pfundhof bis zur Schlittlibrücke ersetzt.

Bruno Kissling

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