Verkehrsanbindung Thal
Thaler Gemeinde wollen Zeichen setzen – bereits sechs Gemeinden beteiligen sich an den Kosten

Standortgemeinde Balsthal soll bei der Finanzierung mit 2 Millionen Franken unterstützt werden. Zunächst war die Rede davon gewesen, lediglich 1 Millionen Franken zu bezahlen.

Myriam Sperisen
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Der «Flaschenhals Klus» ist hier deutlich zu sehen. Die geplante Verkehrsanbindung soll über das Bahnhofs- und Industrieareal hinweg für Entlastung und weniger Stau in der gesamten Talenge sorgen. Geplant ist ein Viadukt, das über die Dünnern und das Industrieareal führen würde. Anschliessend würde die Strasse in den Felsen.

Der «Flaschenhals Klus» ist hier deutlich zu sehen. Die geplante Verkehrsanbindung soll über das Bahnhofs- und Industrieareal hinweg für Entlastung und weniger Stau in der gesamten Talenge sorgen. Geplant ist ein Viadukt, das über die Dünnern und das Industrieareal führen würde. Anschliessend würde die Strasse in den Felsen.

Bruno Kissling

Die Thaler Gemeinden sollen sich mit insgesamt 2 Mio. Franken am Projekt «Verkehrsanbindung Thal» am Kostenanteil der Gemeinde Balsthal beteiligen. Zunächst war die Rede davon gewesen, lediglich 1 Mio. Franken zu bezahlen. Ein Beitrag, der an der Thaler Gemeindepräsidentenkonferenz (GPK) vom 31. Januar auf 2 Mio. Franken verdoppelt wurde.

Projekt Verkehrsanbindung Thal

Verkehrsanbindung Thal heisst: Eine neue Strasse und ein 300 Meter langer Viadukt über die Bahnlinie und die Dünnern sowie ein 220 Meter langer Tunnel durch den Felsen, womit die Klus umfahren wird. Das Projekt beinhaltet auch Kunstbauten, flankierende Massnahmen in der Klus und ökologische Ausgleichsmassnahmen beim Weiler St. Wolfgang. Nach der öffentlichen Planauflage, welche vom 30. Oktober bis 28. November 2017 dauerte, folgte das Plangenehmigungsverfahren. Momentan behandelt der Kanton die neun eingegangenen Einsprachen. Unter anderen hatte die Bürgerinitiative «Läbigi Klus» gegen das Projekt «Verkehrsanbindung Thal» Einsprache erhoben. Unter anderem mit den Begründungen, der Bau der Strasse werde das Wohnquartier Neumatt massiv mit zusätzlichen Lärm- und Schadstoffimmissionen belasten. (my)

Die GPK befand, man sollte ein deutlicheres Zeichen setzen, erklärt GPK-Präsident Kurt Bloch auf Anfrage. Die Verteilung des Betrages soll aufgrund der Einwohnerzahlen sowie des Steuerkraftindexes erhoben werden. Die Zahlungen sollen in zehn Jahresraten erfolgen, und dies frühestens ab dem Jahr 2021.

Die GPK kam eindeutig zum Schluss, dass die Verkehrsanbindung für alle Gemeinden im Thal eine gute Sache sei. Balsthal wird voraussichtlich rund 7 Mio. Franken an das 65-Millionen-Franken-Projekt bezahlen müssen, der Kanton befasst sich gegenwärtig mit den Detailkosten.

Status der Thaler Gemeinden

Die Verkehrsanbindung Thal ist für jede Gemeinde wichtig», führt Kurt Bloch weiter aus. So fällten bereits sechs Thaler Gemeinderäte den Grundsatzentschluss, sich an den Balsthaler Kosten zu beteiligen: Es sind dies Gänsbrunnen, Holderbank, Aedermannsdorf, Herbetswil, Mümliswil-Ramiswil sowie Welschenrohr. Ausstehend ist somit noch der Entscheid in den beiden Gemeinden Matzendorf und Laupersdorf, welche die Infoveranstaltung vom 29. Oktober abwarten.

Einzig in Welschenrohr ist der Prozess bereits soweit fortgeschritten, dass man bereits morgen vor die Gemeindeversammlung treten könnte. Der Rat bewilligte eine genaue Summe. Es handelt sich um 242'375 Franken, die Welschenrohr Balsthal innerhalb von zehn Jahren bezahlen will. Im Welschenrohrer Rat war der Tenor fast einhellig: «Diese Chance dürfen wir nicht verpassen.» Dennoch wird die Finanzierung der Verkehrsanbindung Thal noch viel zu reden geben, bevor sie vor allen Thaler Gemeinderäten beurteilt und anschliessend den Budget-Gemeindeversammlungen unterbreitet wird.

Auch kritische Stimmen

Ein scharfer Kritiker des Projekts ist etwa der Welschenrohrer Gemeinderat Thomas Mägli (FDP): «Wenn am Schluss alles in den gleichen Kreisel geleitet wird, dann ist das für mich keine Lösung», argumentierte er an der Gemeinderatssitzung. Und er verlieh seinem Votum Nachdruck: «So viel Geld zum Fenster hinauswerfen, für etwas Unsinniges» (siehe unten).

Mägli: «Hoffentlich wird es abgelehnt»

Der Welschenrohrer Gemeinderat Thomas Mägli ist gegen das Projekt Verkehrsanbindung Thal, zumindest so, wie es jetzt daherkommt. Er verfasste auch schon Leserbriefe in dieser Zeitung, um seine Meinung kundzutun. Auf Anfrage bestätigte er: «Es geht meines Erachtens auch ohne teures Viadukt.» Ihm schwebt seit längerem eine Untertunnelung des Gebietes «Moos» ebenfalls mit Tunnel, vor. Fast die Hälfte des Verkehrs könne man so bereits vor dem bestehenden Kreisel Richtung Moutier umleiten, ist er überzeugt. Ein Tunnel bestehe da auch schon, dieser müsste einfach ausgeweitet werden. Doch Mägli stiess auf Gegenwind: «Geht nicht», habe es von verschiedenen Verantwortlichen immer wieder geheissen, und: «Zu teuer». Falls es zur Volksabstimmung komme, werde er alles daransetzen, die Leute davon zu überzeugen, dass die aktuelle Lösung falsch sei. Er hoffe, dass das Projekt abgelehnt werde. (my)

Doch dem konnte Gemeindepräsident und Parteikollege Stefan Schneider nicht zustimmen: «Wenn wir die aktuelle Lösung nicht akzeptieren, so werden wir auch in Jahrzehnten nicht weiter sein als jetzt.» Beat Allemann (CVP) schloss sich dem Votum Schneiders an: «Das aktuelle Projekt ist die einzige Lösung, die beim Kanton durchkommen wird.»

Genauso sieht es auch GPK-Präsident Kurt Bloch: «Ansonsten können wir wieder 20 Jahre warten, bis sich etwas tut.» Er hält nicht viel davon, dass aktuelle Projekt infrage zu stellen. In Balsthal zeigt man sich unterdessen erfreut. Gemeindepräsident Pierino Menna: «Wir sind froh, wenn sich die anderen Thaler Gemeinden finanziell am Projekt beteiligen.» Dies sei ein deutliches Zeichen dafür, dass es die Verkehrsanbindung brauche. Doch in Anbetracht der Kosten, welche auf Balsthal zukommen werden – Menna geht von 9 Mio. Franken aus, meint er: «Dieser Betrag ist für uns als Gemeinde immer noch sehr schwierig zu stemmen.»

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