Anfangs März dieses Jahres hat die Bürgerinitiative «Läbigi Klus» den Volksauftrag «Testphase – Offene Bahnschranken bei der Thalbrücke mit Busbetrieb» mit weit über 100 Unterschriften beim Solothurner Regierungsrat eingereicht. Damit wurde der dieser beauftragt, eine mehrwöchige Testphase durchführen zu lassen, in welcher die Bahnschranke bei der Thalbrücke in Balsthal zu den verkehrsreichen Zeiten am Abend geöffnet bleiben soll.

Dafür sollte während dieser Zeit die Verbindung mit einem Busbetrieb gewährleistet bleiben. So sollte untersucht werden, ob die Staubildung in der Klus direkt mit der geschlossenen Bahnschranke zu tun hat.

Verkehrssimulation beweist Verkehrsfluss

Der Regierungsrat hat nun den Volksauftrag behandelt und kommt zum Schluss: «Die vorgeschlagene Testphase ist weder zweck- noch verhältnismässig und bringt keine neuen Erkenntnisse.» Somit sei diese Testphase abzulehnen. Der Regierungsrat stützt sich bei seiner Beurteilung der Verkehrssituation auf die Studie, die mittels elektronischer Verkehrssimulation gemacht wurde, und sagt: «Die Simulation zeigt auf, dass mit der Aufhebung der Bahnschranke zwar eine zeitlich gering verzögerte Staubildung mit leicht reduzierter Staulänge resultiert und sich damit die heutige Fahrzeit um maximal zwei bis drei Minuten verkürzen liesse.»

Es zeige aber, dass sich dadurch die Kapazität nicht genügend erhöhen lässt, um die bereits heute bestehende Verkehrsbelastung zu bewältigen und damit den abendlichen Stau zu verhindern. Zudem sei trotz allen Bemühungen zur Dämpfung der Verkehrszunahme zukünftig auch im Thal mit einem moderaten Wachstum des Strassenverkehrs zu rechnen.

Von der geforderten Massnahme wären zwischen 16 und 18.30 Uhr in jeder Richtung fünf Züge, die heute rund 440 Personen transportieren betroffen. Die Kosten für einen solchen Testbetrieb werden auf rund 100'000 Franken geschätzt.

Die nachteiligen Auswirkungen eines Testbetriebes wie der Verlust von Anschlüssen für weitere Züge oder Busse wären nicht unerheblich. «Das jetzige Verkehrsproblem kann somit nicht einfach mit der Vermeidung der Schrankenschliessung gelöst werden.»

Der Ball liegt beim Kantonsrat

Fabian Müller, Präsident von «Läbigi Klus» und Präsident des VCS Kanton Solothurn, ist enttäuscht. Er kritisiert: «Der alleinige Glaube an solche Verkehrssimulationen ist verheerend.» Die Aussage des Regierungsrats, dass eine solche Testphase praktisch nicht umsetzbar sei, erstaune besonders, denn bei Bau- oder Unterhaltsarbeiten auf einer Bahnstrecke sei es üblich, einen Bus-Ersatzbetrieb zu organisieren. «Dies sollte doch auch in der Klus und bei der Thalbrücke machbar sein.»

Auch die Kostenargumente für die Verhinderung eines solchen Testbetriebs überzeugen Müller nicht. «Es ist bedauerlich, dass der Regierungsrat damit mögliche Alternativen zur 65 Mio. Franken teuren Umfahrung ausschliesst.» Nun ist der Kantonsrat gefragt, welcher über den Volksauftrag definitiv entscheiden wird.