Seit längerer Zeit schon ist die Einführung von Tempo 30 in Egerkingen ein Thema. Die flächendeckende Umsetzung ist im Gemeinderat zwar noch umstritten, eine einheitliche Meinung herrscht jedoch bei ausgewählten, von Kindern stark frequentierten Gebieten. Am 1. Februar findet eine Informationsveranstaltung statt, an welcher die Bevölkerung über das geplante Vorgehen informiert wird.

Ausserdem erhalten die Egerkinger die Möglichkeit, ihre eigene Meinung anhand eines Fragebogens einzubringen und so bei der Entscheidung mitzureden. «Ich finde, das ist der einzig richtige Weg», sagt Gemeindepräsidentin Johanna Bartholdi. «Jeder soll das Recht haben, seine Stimme beizugeben.»

Um eine Tempo-Senkung vornehmen zu können, muss vorab ein Gutachten erstellt werden. Dies hat die Kontextplan AG vorgenommen und das gesamte Gebiet in verschiedene Zonen eingeteilt. Das Ziel des Gemeinderates ist nun, das Tempo 30 etappenweise in den verschiedenen Quartieren zu realisieren.

Meinungen gehen auseinander

«Das Thema ist bei uns im Gemeinderat ziemlich umstritten», gibt Bartholdi zu. «Aber auch in anderen Gemeinden gab das Thema ja bereits viel Knatsch.» Die Meinungen gingen auch in Egerkingen stark auseinander: Einerseits sei die Einführung von Tempo 30 eine Frage der Verkehrssicherheit, andererseits eben auch eine Kosten-Frage.

Im Verkehrsgutachten wurde deswegen die Unfall-Statistik der letzten zehn Jahre ausgewertet. 14 Unfälle haben sich in den besagten Quartieren in dieser Zeitspanne ereignet. «Die Zahl ist zwar eher gering, aber wären dies jetzt 14 Kinder gewesen, hätte es sicher einen Aufschrei der Bevölkerung gegeben», überlegt die Gemeindepräsidentin. «Eben genau wegen solchen Überlegungen ist es wichtig, die Bevölkerung in diesen Entscheid einzubeziehen.»

Durch die Zonenabgrenzung sei eine etappenweise Realisierung der Tempo-Senkung mittlerweile möglich. «Wir vom Gemeinderat sind uns einig, dass die Einführung vor allem im Bahnhofquartier und um die Schulhäuser sinnvoll ist», sagt Bartholdi und vermutet, die Bevölkerung werde das am Informationsanlass bestimmt auch so sehen: «Von einigen Anwohnern habe ich bereits gehört, dass sie eine Tempo-Senkung in diesen Zonen begrüssen würden.»

Während sich die Kosten für eine flächendeckende Einführung in allen Zonen auf rund 180'000 Franken belaufen würde, müsse für die drei Gebiete Bahnhof, Mühlematt und Nordost mit einem Kredit von rund 131'000 Franken gerechnet werden. Davon sind 32 000 Franken Fixkosten für die Planung und die Ausführung. Die Begleitkosten für die einzelnen Gebiete hängen dann jeweils von der Grösse der Zonen ab.

Fragebögen für Bevölkerung

Diese Begleitkosten werden unter anderem durch das Aufstellen von sogenannten Eingangstoren generiert, mithilfe welcher eine Tempo-30-Zone vorschriftsgemäss signalisiert werden muss. Ausserdem fallen zusätzliche Begleitmassnahmen wie beispielsweise die versetzte Anbringung von Parkplätzen oder Rollern an.

Auch wenn die Gemeindestrassen mehrheitlich bereits sehr schmal sind oder durch sogenannte Längsfussgängerstreifen optisch schmaler gemacht werden, scheint für Bartholdi eine generelle Senkung der Geschwindigkeit sinnvoll. «Oft wiegen sich die Fussgänger in falscher Sicherheit», erklärt die Gemeindepräsidentin. «Vor allem für Kinder ist die Einführung um den Bahnhof und die Schulhäuser deshalb empfehlenswert.»

Diese Empfehlung wird der Gemeinderat am 1. Februar im Gemeindesaal Mühlematt denn auch an die Bevölkerung weitergeben. Zusätzlich werden die präsentierten Unterlagen während eines Monats auf der Gemeindeverwaltung zugänglich sein. Die Bevölkerung hat ausserdem die Möglichkeit mithilfe eines Fragebogens die eigene Meinung kundzutun. Dieser sei zwar noch nicht ganz fertiggestellt, die Fragen würden sich aber primär um das Einverständnis mit den Abgrenzungen und das Einverständnis mit den Begleitkosten drehen.

«Eine wichtige Frage wird sicher auch sein, ob und in welchen Gebieten eine Einführung von Tempo 30 überhaupt gewünscht sei», fügt Bartholdi an. Der Gemeinderat erhofft sich durch die Fragebögen verschiedene Meinungen, die nach Ablauf des Mitwirkungsverfahrens eine repräsentative Aussage darstellen. «Deshalb hoffe ich, dass sich möglichst viele daran beteiligen. Das ist für Egerkingen schliesslich die Chance.»