Oberbuchsiten
Telemann und Bach auf einem Tablett serviert

Der Kammerchor Buchsgau spielte an seinem traditionellen Frühjahrskonzert Werke von Bach und Telemann.

Hans-Rudolf Binz
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Der Buchsgauer Kammerchor unter der Leitung von Tobias von Arb bot ein exquisites Konzert. Bruno Kissling

Der Buchsgauer Kammerchor unter der Leitung von Tobias von Arb bot ein exquisites Konzert. Bruno Kissling

Bruno Kissling

Vergangenes Wochenende lud der Kammerchor Buchsgau unter der Leitung von Tobias von Arb zu seinem traditionellen Frühjahrskonzert. In der gut besetzten Kirche erklangen Werke zur Passionszeit von Georg Philipp Telemann (1681–1767) und Johann Sebastian Bach (1685–1750). Diese beiden Meister waren um die Mitte des 18. Jahrhunderts die grössten Komponisten Deutschlands (Händel war 1712 nach England ausgewandert), wobei der Ruhm Telemanns unter den Zeitgenossen jenen von Bach weit überstieg.

Im 19. Jahrhundert kehrten sich die Verhältnisse um, Telemann erhielt den Ruf des Vielschreibers. Erst in neuerer Zeit, bei zunehmender Kenntnis seines immensen Schaffens, ist eine gerechtere Würdigung möglich. Es war darum ein kleines Wagnis, Telemanns Passionsoratorium «Der Tod Jesu» mit drei Motetten von Bach – «Der Geist hilft unsrer Schwachheit auf» BWV 226, «Fürchte dich nicht» BWV 228 und «Komm, Jesu, komm» BWV 229 – zu konfrontieren.

Instrumente historischer Bauart

Im Gegensatz zur eigentlichen Passionsmusik war das Passionsoratorium nicht für eine liturgische Aufführung gedacht, sondern für das geistliche Konzert. Der Text von Karl Wilhelm Ramler (1725–1798) ist eine freie Umdichtung der Passions-Evangelien. Erzählende Rezitative, betrachtende Arien, kommentierende Sprüche und Choräle sind die Elemente dieser, wie man heute sagen würde, Meditation über das Sterben Jesu.

Die 1755 entstandene Musik Telemanns widerspiegelt dessen Vorliebe für Naturschilderungen und Tonmalerei. Schon die instrumentale Einleitung mit Hörnern und gedämpften Streichern zeigte Telemanns Flair für aparte klangliche Wirkungen. Diese kamen durch das differenzierte Spiel auf Instrumenten historischer Bauart dem «Freitagsakademie-Ensemble für alte Musik Bern», sehr schön zur Geltung. Jürg Brunner gestaltete als ausgezeichneter Improvisator die nur vom Continuo begleiteten Abschnitte schöpferisch mit.

Als Gesangssolisten hatten Kristine Jaunalksne, Sopran, Jan Börner, Alt 1, Jan Thomer Alt 2, Jakob Pilgram, Tenor, Tobias Wicky, Bass 1, und Florian Engelhardt, Bass 2, anspruchsvolle und dankbare Aufgaben zu bewältigen. Sie alle boten bewundernswerte Leistungen, brachten Stimmungen und Dramatik der Texte zum Ausdruck und bildeten dank barocker Singweise eine schöne klangliche Einheit mit Chor und Instrumenten; besonders beeindruckend zum Beispiel das wunderschöne Zusammenklingen von Jan Thomer mit der Traversflöte im Arioso «Ihr Augen weint». Am besten gefielen im subjektiven Urteil des Rezensenten die glasklaren, klangvollen Stimmen von Jan Börner (Alt 1) und Tobias Wicky (Bass 1).

In Telemanns Passionsoratorium hat der Chor vergleichsweise wenig zu tun. Homofone Choräle, Polyfonie und Taktwechsel in den Sprüchen und im Schlusschor stellten aber hohe Ansprüche an Gestaltungskraft, Intonationssicherheit, Beweglichkeit und Chorklang, denen die «Buchsgauer» vollauf gerecht wurden.

Motetten eine Herausforderung

Ohne Pause aufs Höchste gefordert war der Chor in den Motetten Bachs, alle drei für achtstimmigen Doppelchor komponiert. Sie sind mehrteilig, jede schliesst mit einem schlichten Choral. In den übrigen Sätzen sind die Stimmen – was typisch ist für Bach – sehr unabhängig voneinander geführt, jede hat Wesentliches zu sagen. Manchmal vereinen sich die beiden Chöre zur vierstimmigen Fuge oder zur dreistimmigen Fuge mit zusätzlichem Choral.

Vorteilhaft wirkte sich die auch von Bach bisweilen geübte Praxis aus, die Singstimmen instrumental zu verdoppeln, was dem Publikum das Erfassen des polyphonen Gewebes sehr erleichterte. Für die Motetten wurde das Solistenensemble um Christina Sutter, Sopran, und
Matthias Deger, Tenor, zum Doppelquartett erweitert und den beiden Chören zugeteilt, was eine weitere klangliche Differenzierung erlaubte, indem einzelne Passagen solistisch vorgetragen wurden. Dass dies klanglich überzeugend gelang, spricht einerseits für die hohe Anpassungsfähigkeit des Solistenensembles und andererseits für die hohe Klangqualität des Kammerchors, der hier die Früchte langjähriger Aufbau- und intensiver Probenarbeit ernten konnte.

Einmal mehr ist es dem Kammerchor Buchsgau gelungen, dem Publikum in einem exquisiten Konzert ein unbekanntes, aber lohnendes Werk vorzustellen; das ansprechende Programmheft mit dem Einführungstext des Dirigenten bot dabei eine wertvolle Hilfe als Einstieg und zum besseren Verständnis.