Strassenunterhalt
Teeren scheint beliebt zu sein — doch nicht überall erlaubt

Strassenbeläge von Bergstrassen sind ein Politikum, wie der Fall Roggenstrasse zeigt. Wie ist es andernorts?

Fränzi Zwahlen-Saner
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Die Strasse von Egerkingen nach Bärenwil ist durchgängig geteert, doch die Abzweigung Richtung Blüemlismatt weist einen Mergelbelag auf.

Die Strasse von Egerkingen nach Bärenwil ist durchgängig geteert, doch die Abzweigung Richtung Blüemlismatt weist einen Mergelbelag auf.

Bruno Kissling

Die eigentlich untersagte Betonierung der Roggenstrasse durch die Bürgergemeinde Oensingen und der jetzt vom Verwaltungsgericht verfügte Rückbau hat auch in den umliegenden Gemeinden, und dort in den zuständigen Gremien für den Strassenunterhalt, für Diskussionen gesorgt. Die Gespräche mit den Gemeindevertretern sollen zeigen, ob auch sie Probleme mit Strassenbauten mit den kantonal zuständigen Ämtern haben.

«Wir hätten unsere Strasse auf die Blüemlismatt natürlich auch gerne durchgängig geteert», sagt die Verwalterin der Bürgergemeinde Egerkingen, Edith Fischer. Als die Oensinger den Belag der Roggenstrasse einbauten, habe man dies ganz genau beobachtet, erzählt sie weiter. «Auch wir sind mit den kantonalen Stellen in Kontakt getreten und haben uns erkundigt, was möglich wäre. Doch die Egerkinger mussten die Strasse ab Abzweigung Richtung Blüemlismatt auf der Strasse nach Bärenwil mit Mergelbelag versehen.

«Einzig der oberste, steile Teil zum Restaurant konnte asphaltiert werden.» Der Unterhalt für die Grienstrasse sei natürlich wesentlich höher, als für eine geteerte Strasse. «Es braucht nur ein grosses Sommergewitter und schon müssen wir wieder Löcher flicken». Die Bürgergemeinde Egerkingen sei bezüglich Holzwirtschaft nicht so sehr auf diese Strasse angewiesen, sagt Fischer noch. «Es geht uns vorwiegend um den guten Zugang zum Restaurant Blüemlismatt.»

Asphaltierung vor vielen Jahren

«In Oberbuchsiten sind die Strassen auf die Alp und auf die Tiefmatt geteert. «Das ist seit mindestens zwanzig Jahren so», erklärt Robert Gurtner, Präsident der zuständigen Werkkommission. «Damals wurde die Asphaltierung dieser Strassen vom Kanton ohne Einwände bewilligt. Im Budget dieses und des kommenden Jahres hat die Gemeindeversammlung Kredite bewilligt, um die Alpstrasse in zwei Etappen zu sanieren. «Bei der Strasse auf die Tiefmatt handelt es sich nicht bloss um eine Zufahrtsstrasse, sondern um eine Verbindungsstrasse nach Holderbank.»

Obwohl Gurtner das Vorgehen der Bürgergemeinde Oensingen nicht kommentieren möchte, meint er, sei es schon zumindest fragwürdig, dass einzelne Strassen teilweise asphaltiert, betoniert oder dann wieder mit Mergel gedeckt würden. Die Tiefmattstrasse auf dem Gemeindegebiet Holderbank ist im letzten Jahr auf diese Weise saniert worden und die Nachteile der unterschiedlichen Belagsarten sind schon sichtbar. «Ich finde, eine Wegstrecke soll man als Ganzes sehen und einen einheitlichen Belag einbauen.» Doch letztlich sei dies halt auch eine Frage der Verhältnismässigkeit in der Anwendung der entsprechenden Vorschriften, meint Gurtner.

Zusammenarbeit ist wichtig

«Wir hatten nie Probleme mit unseren Strassenbelägen», sagt der Mümliswiler Gemeindepräsident Kurt Bloch. Auf die «geteerten Strassen im Thal» angesprochen, wie der Oensinger Bürgergemeinde Liechti als Argument für die Betonierung der Roggenstrasse erwähnte. Bloch erklärt zudem: «Es handelt sich im Guldental um Hoferschliessungen und keine Zufahrten zu Restaurants.» Diese seien im Rahmen der Berggebietsförderung und/oder im Einverständnis mit dem Amt für Landwirtschaft oder gar des Bundes abgesprochen. «Also in Mümliswil hatten wir noch nie Streitfragen bezüglich Strassenbelägen», fasst Bloch zusammen. Schliesslich halte man sich auch an die Gesetze.

Mehrheitlich sei für das grosse Wegstreckengebiet von Mümliswil-Ramiswil die Flurgenossenschaft zuständig, welche durch die Einwohnergemeinde jährlich mit zwischen 70'000 und 90 '000 Franken alimentiert wird. «Eine unserer kommenden Aufgaben wird die Sanierung der Limmernstrasse sein», blickt Bloch in die Zukunft.

Der Gang ans Bundesgericht

Nun also wollen die Oensinger Bürger ans Bundesgericht gelangen, denn sie wollen «kämpfen bis zum Letzten», wie sie schon an der Bürgergemeindeversammlung vom vergangenen Sommer beschlossen haben. Den Befehl zum Rückbau des rund 660 Meter langen Teilstückes, der eigentlich bereits Ende Oktober 2017 hätte durchgeführt werden müssen, will die Bürgergemeinde Oensingen so nicht akzeptieren. Laut Bürgergemeindepräsident Liechti gehe es bei der Beschwerde ans Bundesgericht um die Bewilligung, die Strasse so zu belassen, wie sie jetzt ist. Als Argument wird auch angeführt, dass das Verwaltungsgericht das rechtliche Gehör verweigerte, indem kein Augenschein mehr durchgeführt wurde.