Oensingen
SVP zur «Flüchtlingsvilla»: «Gemeinde hat einen krassen Fehlentscheid gefällt»

In der Villa Marti in Oensingen werden Asylsuchende untergebracht. Das stört die SVP. Sie will «die Attraktivität der Schweiz als Asylland senken» und deshalb nur einfach eingerichtete Zivilschutzanlagen öffnen. Das Ganze soll zum Politikum werden.

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So siehts in der Villa Marti aus - Luxus sieht anders aus.

So siehts in der Villa Marti aus - Luxus sieht anders aus.

Erwin von Arb

«Die Verantwortlichen der Gemeinde Oensingen haben einen krassen Fehlentscheid gefällt», reagiert die SVP Kanton Solothurn auf die Berichterstattung zum baldigen Einzug von Flüchtlingsfamilien in der Villa Marti.

Das Haus mit 6,5 Zimmern und einem Swimmingpool im Garten wurde von der Gemeinde für 1,2 Millionen Franken gekauft. Das Haus sollte abgerissen werden und auf dem Grundstück ein Werkhof errichtet werden.

Doch zuerst ziehen Asylsuchende ein. Die Nutzung einer Villa mit Swimmingpool als Asylunterkunft stört die SVP aber eben extrem. «Dabei müsste die Stossrichtung der Flüchtlingspolitik nicht die Steigerung, sondern die Senkung der Attraktivität als Flüchtlingsland sein», schreibt sie in einer Mitteilung.

SVP-Kantonsrat Walter Gurtner bezeichnet den Schritt im «Blick» vom Mittwoch gar als «ein Zeichen von Dummheit und Blödsinn». Es sei ein falsches Signal an die Asylbewerber. «Wohncontainer reichen völlig aus.»

Unter Druck

Laut der Kantonalpartei sei es «ein Faustschlag ins Gesicht armer Schweizer Familien und der Steuerzahlenden allgemein.» Es zeige aber auch, wie sehr die Gemeinden vom Kanton offenbar unter Druck gesetzt würden.

Wie SVP-Nationalrat Roland Borer gegenüber «Blick» sagt, sollte sich der Bund zentral um Flüchtlinge kümmern. Dann müssten die Gemeinden nicht mehr auf solche Immobilien wie die Villa Marti zurückgreifen.

Verständnis für den Entscheid der Gemeinde zeigen CVP-Nationalrat Stefan Müller-Altermatt und SP-Nationalrätin Bea Heim.

Die SVP fordert indes die Verantwortlichen der Gemeinde Oensingen auf, «diese Fehlentscheidung mit der Villa als Flüchtlingsunterkunft rasch zu korrigieren oder zurückzutreten». Ausserdem sollen einfach eingerichtete Zivilschutzanlagen» für Asylsuchende geöffnet werden. «Zivilschutzanlagen werden der Politik, die Attraktivität der Schweiz als Asylland zu senken, am ehesten gerecht.»

Die SVP will das Thema nach der Sommerpause zum Politikum machen.

Auch die Junge SVP Kanton Solothurn stellt Forderungen: Eine «offizielle und verbindliche Erklärung vom Gemeinderat Oensingen» soll es sein, wie die Partei mitteilt. «Darin soll klar werden, wer namentlich für diese ‹Bonzen-Lösung› für Asylbewerber die Verantwortung trägt.» (ldu)

In die Villa Marti in Oensingen ziehen Asylsuchende ein
8 Bilder
 Luxus sieht anders aus Peter Saner, der neue Leiter Verwaltung, in der kleinen Küche der renovationsbedürftigen Liegenschaft
 Der Aufenthaltsraum
 Der modernste Raum im Haus ist das Badezimmer.
 Blick in die Dusche
 Die Flüchtlingsfamilien aus Syrien werden in Kajütenbetten schlafen.

In die Villa Marti in Oensingen ziehen Asylsuchende ein

Erwin von Arb