Seit letzten Sonntag gilt Balsthal in der Amtei Thal-Gäu als Hochburg, wenn es um die Anzahl Sitze im Kantonsrat geht. Balsthal verfügt nämlich neu über vier Kantonsräte. Dafür sorgte insbesondere die Unternehmerin und SVP-Ortparteipräsidentin Christine Rütti. Sie schaffte neben den drei wiedergewählten Balsthaler Kantonsräten Enzo Cessotto (FDP), Urs Ackermann-Brunner (CVP) und Fabian Müller (SP) auch den Sprung in den Kantonsrat.

Seit ihrer Wahl wird Christine Rütti mit Gratulationen überhäuft. Spürbar wird das auch in ihrem kleinen Laden an der Goldgasse 8 in Balsthal. Quasi im Minutentakt kommen Leute, um der angehenden Kantonsrätin anerkennend die Hand zu schütteln und mit ihr ein paar Worte zu wechseln.

SVP will Gemeindepräsidium

Christine Rütti geniesst diesen Zuspruch auch mit Blick auf das gute Resultat, welches sie auf der Liste der SVP in Balsthal erreichte. Mit 551 Kandidatenstimmen konnte sie sich klar gegen Rene Zihler (Balsthal) und den SVP-Topkandidaten Beat Künzli (Laupersdorf) durchsetzen. Nicht zuletzt deshalb wurde Christine Rütti in den letzten Tagen schon mehrfach auf eine allfällige Kandidatur für das Gemeindepräsidium angesprochen. Dieses wird frei, weil Gemeindepräsident Roland Stampfli nicht mehr zu Wahl antritt (wir berichteten).

Vor einem Monat war sich Rütti sicher, dass sie nicht für das Gemeindepräsidium zur Verfügung stehen wird. Nun schliesst eine Kandidatur nicht mehr aus. Rütti erwähnt in diesem Zusammenhang, dass sie den Eindruck habe, dass die SVP in Balsthal auch als Partei an Rückhalt gewonnen habe. Die Liste der SVP erreichte im Dorf einen Wähleranteil von 25,5 Prozent, was gegenüber den Gemeinderatswahlen 2013 einer Steigerung von 5 Prozent entspricht. Die Listen der FDP und der CVP kamen am Wochenende auf einen Wähleranteil von 27,15 respektive 26,51 Prozent. Grosse Differenzen seien das nicht mehr, so Rütti.

Noch andere fähige Kandidaten

Zur Wahl stellen will sich Rütti aber nur auf Wunsch der Partei. Allerdings stünden nun zuerst wie geplant die Gemeinderatswahlen vom 21. Mai auf dem Programm. Die Nominationsversammlung wird am 25. März stattfinden. Die SVP habe andere fähige Kandidaten für das Gemeindepräsidium, bemerkt Rütti. Wer schliesslich antreten werde, müsse die Partei entscheiden. Sie selbst werde aber sicher nicht für den Gemeinderat kandidieren, auch weil ihr Mann Georg Rütti im aktuellen Gemeinderat sitze und wieder antreten werde.
Georg Rütti, seit acht Jahren im Gemeinderat, könnte sich durchaus vorstellen, für seine Frau Platz zu machen, wenn diese von der Partei ins Rennen geschickt und dann auch gewählt werde. «Das wäre für mich kein Problem, es würde ja ein SVP-Vertreter nachrücken, so der 58-Jährige.

FDP hält sich bedeckt

Die Gemeinderatswahlen abwarten will auch Enzo Cessotto, wie der 58-jährige Architekt erklärt. Seine Zurückhaltung dürfte wohl auch im Zusammenhang mit den Kantonsratswahlen stehen. Cessotto wurde zwar als Kantonsrat bestätigt, schaffte es aber im Gegensatz zu Christine Rütti in Balsthal nicht an die Spitze der FDP-Liste. Mit 705 Kandidatenstimmen musste er Karin Büttler (Laupersdorf), die auf 897 Stimmen kam, den Vortritt lassen. Dazu kommt, dass der 58-jährige FDP-Gemeinderat bereits zweimal als Gemeindepräsident kandidierte, aber jeweils unterlag, zuletzt 2013 gegen Roland Stampfli. Den Entscheid, wer am 2. Juli bei der Wahl um das Gemeindepräsidium für die FDP antreten wird, fällt die Partei erst nach Sichtung und Analyse der Resultate der Gemeinderatswahlen. Das habe die Parteileitung entscheiden, bemerkt Parteipräsident André Schaad.

Eher beflügelt haben die Kantonsratswahlen offenbar Fabian Müller von der SP. Er schaffte die Wiederwahl in den Kantonsrat und glänzte dabei in Balsthal auf der Liste der SP mit 608 Kandidatenstimmen. Ende November 2016 hatte Müller noch eher defensiv erklärt, dass sich für ihn eine Kandidatur nicht wirklich aufdränge. Der 37-jährige Gemeinderat liess sich damals aber ein Türchen offen, um möglicherweise doch noch zu anzutreten. Diese Tür hat sich am Wochenende scheinbar wieder etwas geöffnet. «Das Gemeindepräsidium wäre sicher sehr spannend», sagt Müller. Nun hoffe er auf ein Zeichen der Stimmberechtigen bei den Gemeinderatswahlen. Wenn er ein solches Signal in Form vom Stimmen wahrnehme, sei für ihn eine Kandidatur für das Gemeindepräsidium denkbar.

Menna weiter interessiert

Sicher antreten will Pierino Menna. Der CVP-Präsident und Gemeinderat macht seine Kandidatur aber ebenfalls von Entscheid der Partei abhängig. Darüber beraten werde nach den Gemeinderatswahlen, sagt auch Menna. Nicht mehr zu den möglichen Kandidaten zählt Oberamtvorsteher Stephan Berger, der ebenfalls für die CVP antreten wollte. Weil die von ihm als Bedingung erwähnte Erhöhung des Pensums für das Gemeindepräsidium von 50 auf 70 Prozent nicht zustande kam, hatte er seine Bewerbung zurückgezogen.