Oensingen
Streifzug durch (Seelen-)Landschaften

Die erste Wechselausstellung im Alterszentrum Roggenpark lädt dazu ein, Landschaftsimpressionen bewusst zu erleben und die Natur von einer anderen Seite zu entdecken

Marina Stawicki
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Im Roggenpark stellen Raffaella Studer (links) und Judith Sauthier ihre Werke aus.

Im Roggenpark stellen Raffaella Studer (links) und Judith Sauthier ihre Werke aus.

Markus Müller

Bereits zwei Monate nach der Eröffnung des neuen Alterszentrums neben dem Sunnehof in Oensingen fand am letzten Freitagabend die Vernissage einer ersten Ausstellung in den Gängen und öffentlich zugänglichen Räumlichkeiten statt. Musikalisch eröffnet wurde die Veranstaltung durch Edith Grob am Klavier und Bill Eggenschwiler an der Klarinette. Gefühlvoll spielten sie «Londonderry Air», die Nationalhymne Nordirlands, als passenden Einstieg in die Landschaftsthematik.

Mit Stolz begrüsste Werner Hunziker, der Vizepräsident der Genossenschaft für Altersbetreuung und Pflege Gäu (GAG), die zahlreich erschienenen Anwesenden. Ihm obliegt die Federführung für Kunst im Roggenpark. Aus den verschiedensten Möglichkeiten von Gestaltungskonzepten habe man sich entschieden, Wechselausstellungen zu zeigen und regionalen Kunstschaffenden die Chance zu geben, ihre Werke in einem solchen Rahmen präsentieren zu können. Als grösste Herausforderung bezeichnete er die Farbgebung einiger Wände, die es zu bespielen galt. Die beiden Künstlerinnen Judith Sauthier und Raffaella Studer haben die Aufgabe gut gelöst und den leuchtend orangen Hintergrund in die Hängung mit einbezogen.

Bewegung in den Werken

Die Bilder und Fotografien hätten sie von Anfang an berührt, betonte Madeleine Schüpfer in ihrer Vernissagerede. Sie kenne Judith Sauthier seit langem und habe ihr Schaffen verfolgt. Durch das von hinten einfallende Licht und die erzeugten Kontraste habe sie in ihrer Malerei an Kraft gewonnen. Madeleine Schüpfer strich besonders die von der Künstlerin genutzte Freiheit des grossen Bildraumes heraus. Spürbar sei die Bewegung in den Werken, was sie lebendig wirken lasse. «Man sieht förmlich, wie der Wind in seiner Poesie darüber hinweg weht.»

Die Landschaftsimpressionen sind auf die eigene Wahrnehmung hin angelegt. Sie scheinen abstrakt, aber dennoch sind einzelne Elemente wie Gräser, Blumen oder Berge auszumachen. Judith Sauthier arbeitet intuitiv, aus der Seele heraus, wie sie selber sagt. Auf diese Weise erzeugt sie Stimmungsbilder, bei denen die Natur im Vordergrund steht und was diese bei den Betrachtenden auszulösen vermag.

Liebe zum Detail

Bezogen auf die Arbeiten von Raffaella Studer betonte Madeleine Schüpfer die zunehmende Bedeutung und Stellung der Fotografie in der Kunst. Die Fotografin spiele mit der Ästhetik des Lichts, mit hellen und dunklen Linien, mit weiten Ebenen. Sie habe das Auge, zu erfassen, was bewegt in der Natur. «Sie besinnt sich auf ihre Liebe zum Detail, ohne sich darin zu verlieren.»

So spiegeln die Fotografien von Raffaella Studer zeitgemäss wider, wo wir leben. Sie zeigen bekannte Orte in unserer Region aus einem anderen Blickwinkel, wie man sie vorher selten oder nie betrachtet hat. Die Schönheit der alltäglichen Landschaftssujets wird durch das eingefangene Licht herausgekehrt und der Blick für Finessen geschärft.

Freiheit für Interpretationen

Bewusst haben die beiden Künstlerinnen darauf verzichtet, ihre Werke zu mischen und nebeneinander zu präsentieren. So sind die grossformatigen Bilder von Judith Sauthier im Parterre und im ersten Obergeschoss und die kleinteiligeren Fotografien von Raffaella Studer im zweiten und dritten Stock zu sehen – eine gelungene Präsentationsform, da die einzelnen Bilder und Fotografien an Wirkungskraft gewinnen. Verbindende Elemente sind aber augenscheinlich. Beide haben viel Tiefgang, gehen den Spuren des Lichts nach und lassen den Betrachtenden die Freiheit für eigene Interpretationen.

«Ein Mädchen (Weibchen)» von Mozart bildete den musikalischen Abschluss des offiziellen Teils – ein Streifzug, Leichtigkeit ausdrückend, wie als würde das Mädchen durch die Landschaft hüpfen. Es lud die Besucherinnen und Besucher, ganz im Sinne von Madeleine Schüpfer, dazu ein, sich Zeit für den Rundgang zu nehmen und dem Lichtschimmer nachzugehen.