Der Arbeitstag von Strassenmeister Urs Strähl beginnt jeweils um 6.30 Uhr im Werkhof des Kreisbauamtes II in Härkingen. Dort sichtet er zuerst die eingegangenen Mails, um beurteilen zu können, was für zusätzliche Arbeiten neben dem Unterhalt der Kantonsstrassen auf das Werkhofteam zukommen könnten. Viel elektronische Post kommt jeweils zu Wochenbeginn von der Kantonspolizei, die Unfälle meldet, bei denen noch ein Augenschein nötig wird. Dies um abzuklären, ob der Kanton Schadenersatzansprüche bei der Versicherung des Unfallverursachers anmelden muss oder allfällige Reparaturarbeiten in die Wege zu leiten sind. An einem Wochenende sind sieben bis acht Unfälle keine Seltenheit, berichtet der Strassenmeister.

Im Thal-Gäu und Olten-Gösen tätig

Die Woche im Werkhof Härkingen beginnt meist mit einer Sitzung im Obergeschoss, wo Strähl mit seinen zwei Polieren die anfallenden Arbeiten der kommenden Tage bespricht. Mit dabei ist auch Werkstattchef Heinz Tschumi, der zusammen mit Urs Wirz den umfangreichen Fahrzeugpark des Werkhofs im Schuss hält. Dazu gehören 3 Lastwagen und 3 Wischmaschinen sowie 22 Fahrzeuge mit Kontrollschildern, 14 Anhänger, 4 Schneepflüge, 8 Salzstreuer sowie rund 90 Kleingeräte vom Rasenmäher bis hin zur Walze. Tschumi weiss, welche Fahrzeuge oder Gerätschaften aktuell zur Verfügung stehen.

«Kleinere Arbeiten können wir in eigener Regie ausführen, grössere, wie etwa Asphaltieren, vergeben wir nach vorheriger Ausschreibung auswärts», erklärt Strähl. Der 49-jährige Thaler arbeitet seit elf Jahren als Strassenmeister und ist zuständig für den Einsatz der insgesamt 25 für den Werkhof tätigen Personen. 17 davon sind im Werkhof in Härkingen stationiert, 8 in der Filiale Balsthal. Unterstellt ist der Werkhof dem Kreisbauamt II in Olten, welches für den Unterhalt und den Winterdienst der Kantonsstrassen in der Amteien Thal-Gäu und Olten-Gösgen verantwortlich zeichnet. Zusammengezählt misst das Wegnetz der Kantonstrassen eine Länge von rund 240 Kilometern.

Mit dem Dienstwagen auf Tour

Wegen Ferienabwesenheiten kann Strassenmeister Strähl diese Woche nur auf ein Rumpfteam von 14 Personen zählen. «Das ist kein Problem, im Moment ist wenig los», sagt er dazu. Danach geht Strähl mit seinem Dienstwagen, einem Fiat Sedici, auf Tour. Zuerst geht es nach Wolfwil, wo ein Werkhofteam die Ränder der kürzlich auf einer Länge von 880 Metern sanierte Verbindungsstrasse nach Neuendorf humusiert oder mit einer Kies-Humusmischung auffüllt. Strähls Besuch wurde nötig, weil auf dieser Baustelle eine Ferienablösung stattgefunden hatte. Mit Rolf Häberling, dem Leiter der Werkhof-Filiale in Balsthal, bespricht er die auszuführenden Arbeiten. Die beiden Männer brauchen nur wenige Worte, um sich zu verstehen. «Wir sind gelernte Strassenbauer und wissen, worauf es ankommt», sagt Strähl.

Danach geht es weiter nach Oensingen, um an der Solothurnstrasse nach einer Mittelinsel zu suchen, bei welcher gemäss Polizeirapport der Leuchtpfosten nach einem Unfall verschwunden ist. Die Suche beleibt allerdings erfolglos. «Wir fragen bei der Polizei noch mal nach», sagt Strähl und macht sich auf den Weg nach Holderbank, wo kürzlich bei einem Unfall ein Baum am Strassenrand beschädigt wurde. Der Schaden bewegt sich im Bagatellbereich. «Das können wir abhacken», so der Strassenmeister.

«Mit offenen Augen unterwegs»

Weiter geht es nach Balsthal auf das Werkhofareal. Das Rührwerk im Soletank soll gemäss einem Notfall-SMS auf Strähls Handy stehen geblieben sein. Nach zwei Minuten läuft das Rührwerk wieder und es kann weitergehen nach Matzendorf, wo Strähl am Morgen im Vorbeifahren auf die Kantonsstrasse hängendes Buschwerk entdeckt hat. «Wir sind immer mit offenen Augen unterwegs, wenn wir etwas sehen, wird reagiert.» Dem Besitzer gibt Strähl ein Merkblatt ab, wie Bäume und Sträucher entlang der Strasse korrekt geschnitten werden müssen. Der Rest erledige sich in der Regel von selbst.

Die nächste Station ist die Verbindungstrasse zwischen Kestenholz und Wolfwil, wo Strähl einen stark beschädigten Abschnitt nahe der Gemeindegrenze von Wolfwil mit Spray markiert. Dort werden in den nächsten Tagen Kernbohrungen gemacht, um die Qualität des Belags zu prüfen. Danach wird der Strassenmeister die Fläche ausmessen und die Arbeiten ausschreiben.

Ohne Bewilligung geht nichts

Der nächste Termin steht in Boningen an der Fulenbacherstrasse auf dem Programm. Im Auftrag der Gemeinde wurden dort Kanalisation, Wasser und Gasleitung in die Strasse eingebaut. Bevor mit der Asphaltierung begonnen wird, schaut Strähl mit dem Ingenieur und dem Bauunternehmer die Baustelle noch einmal genau an. Alles muss seine Ordnung haben, damit Strähl grünes Licht für die Ausführung gibt. Schliesslich übernehme der Kanton die Strasse danach wieder in sein Inventar, bemerkt der Strassenmeister dazu. Ohne Genehmigung durch den Kanton darf übrigens in keiner Kantonsstrasse auch nur eine kleine Grube ausgehoben werden. «Dafür und die für nötige Verkehrsführung und Beschilderung muss bei uns ein gebührenpflichtiges Gesuch eingereicht werden», so Strähl.

Im Besitz einer solchen Bewilligung ist das Bauunternehmen, dem der Strassenmeister kurz nach 11 Uhr an der Gösgerstrasse in Olten einen Besuch abstattet. Der die Strasse querende Graben wird bereits wieder eingedeckt. Strähl entdeckt Hohlräume unter den Schnittstellen des Belags. Er verlangt deshalb, dass beidseitig des Grabens zusätzlich je 20 Zentimeter Asphalt abgetrennt werden, um Hohlräume zu vorzubeugen.

Zur Hälfte auch ein Bürojob

Gegen Mittag geht Strähl in sein angestammtes Büro im Kreisbauamt II in Olten. 40 bis 50 Prozent seiner Arbeitszeit verbringt er in seinem Büro, das er Michael Meister teilt. Meister und Strähl sind beide als Projektleiter tätig. «Bei mir kommt noch die Verantwortung für den Werkhof und das dort beschäftigte Personal dazu», meint der Strassenmeister, während er den Computer erneut auf allfällige neue die Mails abcheckt.

Nach dem Mittagessen setzt sich Urs Strähl mit Theo Frei, dem Leiter Kreisbauamt II des Amts für Verkehr und Tiefbau (AVT), zusammen. Besprochen wird die neue Beschriftung einer Signaltafel in der Gemeinde Eppenberg -Wöschnau an der Grenze zum Kanton Aargau. Anpassungen werden nötig wegen dem Bau des Eppenbergtunnels der SBB. Strähl wird nun einen Vorschlag ausarbeiten und dafür Offerten einholen. Erörtert werden ferner Meldungen aus der Bevölkerung über aus Randsteinen wachendes Unkraut. Dieses zu bekämpfen werde wegen des Verbotes von Giftstoffen immer schwieriger, erwähnt Frei. Das einzige aber nur kurzzeitig wirksame Mittel sei die mechanische Entfernung des unerwünschten Grünzeugs mit einem sogenannten Krautbesen aus Metall.

Keine Einsätze wegen Unwetter

Zur Sprache kommen ferner die unzähligen Wetteralarme der letzten Wochen. Das Einzugsgebiet des Kreisbauamtes II sei glücklicherweise wie schon in den vergangenen Jahren von solchen Unwettern verschont geblieben, halten Frei und Strähl einhellig fest. Bei einem Ernstfall würde ein Wischfahrzeug des Werkhofes zum Einsatz kommen. Einen Pikettdienst wie im Winter gibt es nicht. Wenn Alarm ausgelöst wird, geht dieser an Strassenmeister Strähl. «Wir sprechen uns bei entsprechenden Wetterprognosen ab und ich weiss dann, wen ich aufbieten kann.» Informiert wird der Strassenmeister von der Polizei auch, wenn ausserhalb der ordentlichen Arbeitszeiten ein gröberer Unfall passiert, bei dem etwa eine Leitplanke beschädigt wird. «Dann muss ich ausrücken und entscheiden, welche Sofortmassnahmen ergriffen werden müssen».

Nach der Besprechung steht eine Kontrollfahrt nach Wisen auf dem Programm. In drei Wochen soll dort die Strasse in Richtung Zeglingen mit einem neuen Belag versehen werden. Strähl stellt beruhigt fest, dass das Militär wie versprochen die im Boden eingelassenen Panzersperren entfernt hat. Nun muss er nur noch dafür sorgen, dass die Strassenränder bis 16. August gemäht werden. Dann kann er am Montag beruhigt seine Ferien antreten. Auf dem Rückweg fährt Strähl noch kurz durch die Gemeinde Ifenthal, um dort nach dem Rechten zu sehen. «Wenn ich schon Mal hier bin.»

«Kein Tag ist wie der andere»

Bevor es zum letzten Termin des Tages geht, überprüft Strähl wegen der erneuten Wetterwarnungen noch das Regenklärbecken unter der ERO-Brücke in Olten. Dazu kommt eine Funktionskontrolle der Pumpen im Zentralgebäude des Rötzmatttunnels. Dieser würde bei einem Unwetter vollständig unter Wasser stehen, wenn die Pumpen nicht wie vorgesehen anlaufen. Neu ist der Werkhof übrigens auch für das Jäten des begrünten Dachs dieser Zentrale zuständig.

An der letzten Sitzung bespricht Strähl in Olten mit Planern und ausführenden Firmen den geplanten Einbau von Gas-, Wasser- und Elektroleitungen vom Sälikreisel bis zum Postgebäude. Das zuerst vorgelegte Projekt mochte bezüglich der Verkehrsführung nicht zu genügen. In Zusammenarbeit mit der Stadtpolizei konnte das Kreisbauamt II nun eine Lösung präsentieren, die allen genehm ist. «Eigentlich war das ein ruhiger Tag», sagt Urs Strähl bei der Rückfahrt zum Werkhof nach Härkingen. An seinen ›Beruf gefalle ihm besonders, dass man ihn nicht lernen könne und dass kein Tag wie der andere sei.