Egerkingen

Stöckli-Kauf kommt in Bevölkerung nicht gut an – praktisch nur negative Ressonanz

Als Standort ist der Platz bei der alten Mühle (unten links) vorgesehen.Bruno Kissling

Als Standort ist der Platz bei der alten Mühle (unten links) vorgesehen.Bruno Kissling

Eine Umfrage zeigt: Die Idee, im Dorf ein Emmen- taler Stöckli aufzubauen, findet wenig Anklang beim Stimmvolk.

Der Stöckli-Kauf – ein heisses Thema, das die Egerkinger Bevölkerung bewegt. Eine Umfrage im Dorf zeigt, wie umstritten das Vorhaben ist. «Das ist ein Schildbürgerstreich», sagt René Hänni aus Egerkingen. Er ist gegen die Anschaffung des Stöcklis. «Bei der alten Mühle war bereits einmal eines, das gemeinsam mit der alten Mühle unter Heimatschutz stand.» Doch die Gemeinde habe dieses bei Nacht und Nebel abreissen lassen, empört sich der ältere Einwohner. Am Anfang hätten deswegen viele den Vorschlag für einen Aprilscherz gehalten, sagt die Besitzerin eines örtlichen Gastronomiebetriebes, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte.

Investition ins Ungewisse?

Nach einem Antrag der Kommission für Kultur, Gesellschaft und Soziales stimmte der Egerkinger Gemeinderat im Februar dem Kauf eines Emmentaler Stöckli zu. Das dreistöckige Gebäude soll neben der alten Mühle Platz finden und das dortige Erscheinungsbild aufwerten. Nutzungsmöglichkeiten des Stöcklis sieht Gemeindepräsidentin Johanna Bartholdi im Tourismus und für Wellness: als Unterkunft, Kneipp-Anlage oder eventuell sogar als Dorfmuseum. Die Anschaffung würde die Gemeinde mindestens 100 000 Franken kosten (wir berichteten). Mit diesem Vorhaben sind einige Bewohner nicht einverstanden. «Der Kostenpunkt ist eine Ungewissheit. Solange man nicht im Voraus weiss, was genau man mit dem Stöckli machen möchte und wie hoch die Investitionen sind, bin ich dagegen», so der 73-jährige Peter Felber. Seine Frau Rita Felber-Haller ergänzt: «Wer geht schon eine Wellnessanlage in Egerkingen besuchen? Ausserdem hat das Emmentaler Stöckli nichts mit unserer Gemeinde zu tun.»

Eine Identitätsfrage

Die Mehrheit der Befragten wirft dem Projekt vor, keinen Bezug zur Gemeinde und den Bedürfnissen seiner Bewohner zu haben. «Die örtliche Bevölkerung hat kein Interesse an diesem Angebot. Unsere Gemeinde ist kein Touristenort: Wir haben viele Geschäftsleute und Durchreisende, die an Meetings kommen. Das Stöckli alleine wird daran nicht viel ändern», sagt die Besitzerin des örtlichen Gastronomiebetriebes, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Sei sei bereits seit 20 Jahren in der Gemeinde wohnhaft.

Ihre Meinung stützt eine weitere Egerkingerin, die anonym bleiben möchte: «Ich finde es keine tolle Sache. Man möchte aus Egerkingen etwas machen, das es nicht ist. Es ist kein Ferienort, sondern lediglich ein Durchfahrtsort.» Sie ergänzt: «Man sollte lieber in Dinge investieren, die nötig sind, wie zum Beispiel in Kinderkrippen.» Aus der Umfrage wird klar, dass die Egerkinger das Geld beispielsweise in bereits bestehende Organisationen, Vereine und in die Jugend investieren wollen.

Was meinen die Befürworter?

Das Projekt stösst allerdings nicht nur auf negative Resonanz: Franz Tassile, seit zehn Jahren in Egerkingen wohnhaft, begrüsst das Projekt. «Ich finde das Vorhaben gut. Alles, was Geld einbringt und die Leute nach Egerkingen lockt, ist in meinen Augen positiv. Wer weiss, vielleicht kann man ja irgendwann einmal wieder die Fridau umfunktionieren und in Betrieb nehmen.»

Von insgesamt zwölf Befragten sprach sich lediglich eine Person für den Stöckli-Kauf aus. Kosten und Relevanz sind bei den Kritikern die grössten Streitpunkte, wie sich bei der Umfrage herausstellte. Ob die Gemeinde das Projekt genehmigt, wird sich an der Gemeindeversammlung zeigen. «Ich habe das Gefühl, dass an der Gemeindeversammlung im Juni ein gewisses Echo dagegen kommen wird», so der Egerkinger René Hänni.

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