Gerne hätte man applaudiert, nachdem der letzte Ton des Requiems von Wolfgang Amadeus Mozart verklungen war. Doch es war so ausgemacht, beim Gedenkkonzert «100 Jahre Explosionskatastrophe in Mümliswil vom 30. September 1915» in der Kirche St. Martin sei der Applaus zu unterlassen.

Das Konzert findet am Samstag, 19.30 Uhr, ein zweites Mal statt. Initiiert haben das Konzert die Einwohnergemeinde und die Bürgergemeinde Mümliswil-Ramiswil sowie die Kirchgemeinden Mümliswil und Ramiswil.

Gemeinsame Standing Ovation

So ungewohnt ein Konzert ohne Applaus ist, so aussergewöhnlich war die Stimmung, die dadurch entstehen konnte. Das Publikum in der nahezu gefüllten Kirche wurde gebeten, sich zum Schluss von den Sitzen zu erheben und so einerseits den bei der Katastrophe Verstorbenen die Ehre zu erweisen.

Und anderseits so den Sängerinnen und Sängern, Musikerinnen und Musikern sowie den musikalischen Leitern den Dank für das Gebotene zu zollen.

Sozusagen eine gemeinsame, stille Standing Ovation an die Opfer der Explosionskatastrophe. Und als schliesslich noch das Glockengeläute einsetzte – als Zeichen der Hoffnung und Zuversicht, hätte man sich eine passendere Atmosphäre nicht vorstellen können.

Symbolhafter Programmablauf

Der Dirigent und musikalische Gesamtleiter Andreas Spörri hat sich für den Aufbau des Gedenkkonzertes eine Symbolik ausgedacht. Die Individualität jedes der 32 Opfer der Katastrophe soll hervorgehoben werden. Der Bogen spannt sich vom einzelnen Menschen über die Gruppe bis hin zur grossen Gemeinschaft.

So begann das Konzert mit einem Solo, die junge Violinistin Noëlle Grüebler spielte mit grossem Ausdruck Johann Sebastian Bachs Partita Nr. 2 in d-moll (Allemanda). Dann setzte das Orchester ein – im Sinne einer grösseren Gemeinschaft – und interpretierte auf berührende Art zwei Sätze aus der Holberg Suite von Edvard Grieg. Diese passten wunderbar, klingen darin doch sowohl Melancholie als auch Zuversicht und Versöhnung an.

Die Namen der Opfer

Wahrlich Totenstille herrschte im Kirchenraum, als die Namen der 32 Opfer einzeln genannt wurden, jeweils begleitet von einem Glockenschlag. Verstärkt wurde die Wirkung dadurch, dass das Alter der Opfer erwähnt wurde.

Der Älteste war 48 Jahre alt, die Jüngste knapp 16-jährig. Unweigerlich musste man an Menschen aus seiner eigenen Familie oder dem Bekanntenkreis denken, die gleich alt sind wie die damaligen Opfer.

Ein Gesamtkunstwerk

Schliesslich folgte das Hauptwerk im Programm, das Requiem von Wolfgang Amadeus Mozart. «Chor, Solisten und Orchester bilden die grosse Gemeinschaft, die Anteil nimmt am Schicksal der einzelnen», sagt Andreas Spörri. Er hat das Werk bewusst gewählt.

Mozart war ernsthaft erkrankt und erhielt im Juli 1791 den Auftrag, eine «Messe für Verstorbene» zu schreiben, die in der katholischen Liturgie eine besondere Form des Messegottesdienstes ist. Der christliche Glaube an eine Auferstehung der unsterblichen Seite des Menschen steht im Mittelpunkt.

Doch Mozart verstarb während der Arbeit am Requiem am 5. Dezember 1791. Sein Schüler Franz Xaver Süssmayr brachte den Auftrag zu Ende. «Mozart war also, als er starb, im gleichen Alter wie viele der Explosionsopfer», sagt Spörri.

Tobias von Arb hatte den Kammerchor Buchsgau als dessen Leiter für die Aufführung vorbereitet. Andreas Spörri, Dirigent des Classionata Symphonie Orchesters fügte als Gesamtleiter die beiden Klangkörper sowie die Solisten Bénédicte Tauran, Sopran, Violetta Radomirska, Mezzosopran, Sebastian Lipp, Tenor, Martin Snell, Bass, zusammen. Daraus erwuchs ein beeindruckendes Gesamtkunstwerk.

Stetig gewachsen

Das Orchester mit 27 Musikerinnen und Musikern, die vier Solisten und der Chor mit gut 50 Sängerinnen und Sängern boten eine imposante Kulisse in der Kirche. Von daher war zu Beginn des Requiems der zaghafte Einstieg etwas irritierend, insbesondere beim Chor.

Dirigent Andreas Spörri brauchte einiges an Einsatz, bis der Klangkörper seine ganze Fülle entfaltete. Beim «Dies irae» war es dann so weit. Von da an war die Kraft vorhanden und man konnte sich tragen lassen von der herrlichen Musik Mozarts.

Auf dem Vorplatz der Kirche St. Martin in Mümliswil steht ein Denkmal, das an die 32 Toten der Explosionskatastrophe vom 30. September 1915 in der Kammfabrik Mümliswil erinnert. Dort fand am 100. Jahrestag eine kurze Gedenkfeier statt, bei der Landammann Roland Heim und Gemeindepräsident Kurt Bloch einen Kranz niederlegten. Bloch erinnerte in einem kurzen Abriss an das schreckliche Geschehen der Explosion mit Brandfolge, bei der neben den Toten auch noch 17 Schwerverletzte zu verzeichnen waren. Besonders beeindruckend seien zum einen die Solidaritätsbezeugungen aus der ganzen Schweiz gewesen. Zum andern, wie sehr sich der damalige Patron Otto Walter Obrecht dafür einsetzte, dass die Mitarbeitenden 60 bzw. 50 Prozent des Lohnes erhielten während der Zeit, in der wegen der zerstörten Gebäude nicht gearbeitet werden konnte. «Heute nennt man das Sozialplan», sagte Bloch. Roland Heim bezeichnete es als eine würdevolle Aufgabe, als Landammann am Anlass zum Gedenken teilzunehmen. Ungleich schwerer müsse es für Landammann Robert Schöpfer gewesen sein, der sich 1915 am Unglückstag vor Ort für die Hilfe einsetzte. «Wie damals die Solidarität und die Anteilnahme funktionierten, ist vorbildlich», betonte Heim. Heute gebe es Institutionen wie die Glückskette oder auch die Suva, die es ermöglichen, menschliche und wirtschaftliche Tragödien abzufedern. (wak)

Solidarität – bevor es die Glückskette gab

Auf dem Vorplatz der Kirche St. Martin in Mümliswil steht ein Denkmal, das an die 32 Toten der Explosionskatastrophe vom 30. September 1915 in der Kammfabrik Mümliswil erinnert. Dort fand am 100. Jahrestag eine kurze Gedenkfeier statt, bei der Landammann Roland Heim und Gemeindepräsident Kurt Bloch einen Kranz niederlegten. Bloch erinnerte in einem kurzen Abriss an das schreckliche Geschehen der Explosion mit Brandfolge, bei der neben den Toten auch noch 17 Schwerverletzte zu verzeichnen waren. Besonders beeindruckend seien zum einen die Solidaritätsbezeugungen aus der ganzen Schweiz gewesen. Zum andern, wie sehr sich der damalige Patron Otto Walter Obrecht dafür einsetzte, dass die Mitarbeitenden 60 bzw. 50 Prozent des Lohnes erhielten während der Zeit, in der wegen der zerstörten Gebäude nicht gearbeitet werden konnte. «Heute nennt man das Sozialplan», sagte Bloch. Roland Heim bezeichnete es als eine würdevolle Aufgabe, als Landammann am Anlass zum Gedenken teilzunehmen. Ungleich schwerer müsse es für Landammann Robert Schöpfer gewesen sein, der sich 1915 am Unglückstag vor Ort für die Hilfe einsetzte. «Wie damals die Solidarität und die Anteilnahme funktionierten, ist vorbildlich», betonte Heim. Heute gebe es Institutionen wie die Glückskette oder auch die Suva, die es ermöglichen, menschliche und wirtschaftliche Tragödien abzufedern. (wak)