Ferienverkehr
Stau beim Härkinger Kreuz: Feriengrüsse aus der Blechlawine

Viele Reisende verbrachten dieses Jahr den ersten Ferientag im Auto. Die Baustelle zwischen dem Härkinger und dem Wiggertaler Kreuz sorgt derzeit für noch mehr Stau als üblich. Baustellen gelten als dritthäufigste Ursache von Verkehrsstaus.

Hansruedi Aeschbacher
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Der Stau am Härkinger Kreuz fordert Geduld
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Stop and Go: Ferienfreude sieht anders aus.
Da staunen sogar die Verkehrschaos gewohnten Asiaten in ihrem klimatisierten Reisebus.
Die Jungs im Cabrio scheinen ihren Spass zu haben.
Ein Durstlöscher ist bei dieser Hitze willkommen.
Grossandrang: Auch bei den Toiletten ist Geduld gefragt.

Der Stau am Härkinger Kreuz fordert Geduld

HR Aeschbacher

Jahr für Jahr wiederholt sich an den Wochenenden in den Sommermonaten das gleiche Schauspiel: Abertausende von Autofahrern machen sich auf die mühsame Ferienreise vom Norden in den Süden. Und wenn alle gleichzeitig losfahren, kommt, was kommen muss: Die riesige Blechkarawane kommt ins Stocken, und folglich verbringen die meisten Ferienreisenden ihren ersten Ferientag im Stau.

Eines der Nadelöhre auf der Nord-Süd-Achse ist das Härkinger Kreuz mit den Abzweigern auf die A1 Richtung Bern und die A2 Richtung Gotthard. Die gegenwärtige Riesenbaustelle zwischen dem Härkinger und dem Wiggertaler Kreuz macht den berüchtigten Engpass noch enger - der Verkehrsfluss kommt noch schneller zum Erliegen.

So wie am Freitagabend und am gestrigen Samstag. Zumeist geduldig wartend, die Klimaanlage in den blauen Bereich geschaltet, ertrugen die Ferienreisenden das Schicksal aller Stauenden: Stop and Go. Wohl wissend, dass am Gotthard, später in Chiasso oder in den Regionen Bern und Genf und, und ... bereits die nächsten Staus warten.

Das schweizerische Nationalstrassennetz misst insgesamt etwas über 1800 Kilometer, davon sind fast 1500 richtungsgetrennte Autobahnen. Das Bundesamt für Statistik hat zum Nationalstrassennetz einige bemerkenswerte Zahlen zu den Themen Verkehr und Stau parat. So registrierten die staatlichen Statistiker, dass im Jahr 2012 auf dem gesamten Nationalstrassennetz 26 Milliarden Kilometer zurückgelegt worden sind, was einer Verdoppelung seit 1990 entspricht. Im Stau standen die Autofahrer letztes Jahr länger denn je. Während sagenhafter 19 921 Stunden staute sich der Verkehr auf unseren Autobahnen im vergangenen Jahr.

Wer meint, das Härkinger Kreuz sei besonders stark von Staus betroffen, liegt total daneben. Unrühmlicher Spitzenreiter ist die Agglomeration von Zürich. Sie war im ganzen letzten Jahr nur gerade während 20 Tagen staufrei (!). Bei der Umfahrung von Genf staute sich der Verkehr an 270 Tagen und vor dem Gotthard-Nordportal an fast jedem zweiten Tag. Die wackeren Statistiker fanden auch heraus, dass sich der Nationalstrassenverkehr in erster Linie wegen Überlastung staut. Zweithäufigste Ursache war ein Unfall, gefolgt von den unzähligen Baustellen.

Nun - diejenigen, die gestern Samstag irgendwo auf dem schweizerischen Nationalstrassennetz im Stau standen, interessieren diese erstaunlichen Zahlen vermutlich nicht. Sie alle wollten einfach möglichst schnell an ihr gewähltes Feriendomizil irgendwo im Süden. In ein bis zwei Wochen wird sich die unendliche Blechlawine zwischen dem Härkinger Kreuz und dem Wiggertaler Kreuz und zwischen Bern und Härkingen wieder stauen: dann ennet dem Mittelstreifen auf der Rückreise in den Norden.

Der Oltner Schriftsteller Alex Capus hat sich unlängst in einer Kolumne gefragt, warum denn eigentlich alle wegfahren, wenn es doch jetzt bei uns so richtig schön ist. Ja, warum eigentlich?