Aedermannsdorf

Statt Folklore: Männerchor Liederkranz wagt sich an Vivaldis «Concerto grosso»

Konzentriert sind die Frauen und Männer mit den Noten und den Worten beschäftigt.

Konzentriert sind die Frauen und Männer mit den Noten und den Worten beschäftigt.

Der Männerchor Liederkranz setzte bis anhin vor allem auf Volkslieder. Mit dem Frauenchor Wangen an der Aare wagt er sich an Werke von Antonio Vivaldi.

Bisher war der Aedermannsdörfer Männerchor Liederkranz ein Männerchor wie jeder andere. Das Repertoire traditionell und ländlich, die Sänger bodenständig in weissen Hemden mit roten, oft etwas zu kurzen Krawatten. Und nun das: Das Programm für die nächsten Konzerte verspricht ein «Concerto grosso RV 565 in d-Moll aus L’Estro armonico» von Antonio Vivaldi. Sein Werk erfordere «hohe gesangliche Anforderungen sowohl in den leidenschaftlichen als auch in den lyrischen Arien», schrieb einmal ein Kritiker.

Fühlt sich der Männerchor zu Höherem berufen? Bruno Jenni lacht. «Vor einem Jahr hätte ich auch nicht gedacht, dass wir uns an so etwas Anspruchsvolles wagen.» Der Präsident des Liederkranzes gibt zu, dass sein Chor Neuland betrete. Der Anlass dazu ist denn auch ein besonders festlicher.

Der Frauenchor Wangen an der Aare will zu seinem 100. Geburtstag «mit einer Überraschung aufwarten». Deshalb bat der Frauenchor die Aedermannsdörfer um Verstärkung. «Für Vivaldi braucht es eine ordentliche Truppe.» Die Sängerinnen aus Wangen kennen den Liederkranz, weil viele von ihnen im Aedermannsdörfer Adventschor mitsingen. Bruno Jenni wusste, was ein solches Engagement bedeutet: «Mehr und erst noch aufwendigere Proben.»

Überraschende Reaktionen

An der Generalversammlung im letzten Winter wollte Jenni von seinen Mannen wissen, wer beim «Projekt Vivaldi» dabei ist. «All zu viel habe ich mir dabei nicht erhofft.» Er täuschte sich: Der grosse Teil der Sänger macht mit, selbiges bei den Sängerinnen des Adventschors. Wenige Wochen später begannen die Proben. Unter sich tasteten sich die Chöre Satz für Satz an die schwierige Kost heran. Das sei manchmal schon etwas frustrierend gewesen, erinnert sich Jenni: «Das Gesamtgefüge fehlte noch.» Seit einigen Wochen nun treffen sich die 56 Sängerinnen und Sänger unter dem eigens dazu verpflichteten Chorleiter Patrik Fluri zu gemeinsamen Proben.

Doch die wichtigste Bewährungsprobe steht noch bevor. Morgen Freitag ist eine Gesamtprobe mit dem Huttwiler Kammerorchester geplant. Mit den von Konzertmeister Martin Kunz geleiteten Streichern sollen die Konzerte in der reformierten Kirche Wangen und in der Kirche Aedermannsdorf erst recht zu unvergesslichen Auftritten werden. Das Publikum darf ruhig Gänsehaut bekommen, wenn die drei Laienchöre über ihren folkloristischen Schatten springen und mit Vivaldis «Gloria in excelsis» für Furore sorgen.

Plant der Männerchor Liederkranz bereits weitere Ausflüge in die Welt der Klassik? Bruno Jenni möchte das nicht ausschliessen. Den 100. Geburtstag kann der Liederkranz jedoch erst im Jahr 2049 feiern. «Ob es den Chor dann überhaupt noch gibt, ist eine andere Frage», schmunzelt Jenni. Die jüngsten Mitglieder seien schliesslich auch schon um die 50.

Konzerte Sa., 16. November, 19 Uhr, Kirche Wangen an der Aare; So, 17., 17 Uhr, Kirche Aedermannsdorf; Kollekte.

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