Kestenholz
St. Peter at Sunset: Weshalb U2 das Gäu nie rocken werden

Vom 5. bis 9. Juli steigt in Kestenholz das Festval St. Peter at Sunset mit Zucchero, Chris de Burgh oder Bligg. Nicht dabei ist die Band U2. Warum es auch nicht dazu kommen wird, erzählen Festivalchef Roland Suter und prometall-Chef Peter Vifian.

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Ziehen für St. Peter at Sunset am selben Strick: Peter Vifian (l.) und Peter Suter.

Ziehen für St. Peter at Sunset am selben Strick: Peter Vifian (l.) und Peter Suter.

zvg

Sie haben das Heu nicht auf der gleichen Bühne: Roland Suter, Chef von St. Peter at Sunset in Kestenholz, und Peter Vifian, Verwaltungsratspräsident und Mitinhaber der prometall handel ag in Kestenholz. Gegensätzlich sind die Sympathien glücklicherweise jedoch bloss, was das Eishockey betrifft. Suter ist Fan des EHC Olten, Vifian des SC Langenthal – zwei Vereine aus der Region, die sich spinnefeind sind.

Für das Festival St. Peter at Sunset arbeiten die beiden gern und eng zusammen. Und deshalb seit Jahren zusammen: «Die Acts sind klasse, das Ambiente ist gediegen. Und all die Leute – darunter viele junge – die mitanpacken, sind sehr sympathisch. Das gefällt mir», erzählt Vifian, der sich mit seiner Firma seit einem Jahrzehnt als Sponsor engagiert. Er ist auch Vorstandsmitglied im Verein St. Peter at Sunset, der die fünftägige Veranstaltung im Mittelland trägt.

Der prometall-Chef präsidiert den Business Club, mit dem das Netzwerk zu Unterstützern gepflegt wird. Ebenso sitzt er in der Programmkommission, der auch Roland Suter angehört. Dort wird entschieden, welche Künstler beim nächsten Festival auftreten. Und zu welchen Konditionen. Eins ist klar: So renommiert die Acts jedes Jahr auch sind, das Budget wird nicht strapaziert. «Manchmal passt es einfach», sagt Roland Suter. So etwa, als 2013 Xavier Naidoo ans Festival mit seinen maximal 4000 Plätzen kam. «Es gehört auch Glück dazu».

Glückliche Fügung

Weniger Glück hatten die St.-Peter-at-Sunset-Organisatoren dieses Mal, obschon sie letzten November rundum glücklich waren, weil sie das Line-up für die nächste Veranstaltung bereits beisammen hatten. Früh wie nie zuvor. Im Februar jedoch die Hiobsbotschaft: James Morrison, gebucht als Headliner für Samstagabend, sagte alle Auftritte in Europa ab, auch jene in Kestenholz. Suter erinnert sich: «Er wolle ins Studio gehen, so die Begründung des Managements.»

Just zu diesem Zeitpunkt wollte auch der Festivalchef in die Skiferien. Das tat er auch, doch während seine Familie sich im Schnee vergnügte, telefonierte und mailte er bis zu zwei Stunden täglich in die Welt hinaus. Es musste dringend ein Ersatz her. Kein einfaches Unterfangen, da die meisten Bands ihre Pläne für den Sommer längst geschmiedet hatten.

St. Peter at Sunset – das Programm 2017:

Mi 5. Juli 20.45 Uhr: Zucchero

Do, 6. Juli, 19 Uhr: Vanessa Mai; 20.15 Uhr: Marc Pircher und Band; 21 Uhr: Die grossen 3 der Volksmusik, 22.30 Uhr: DJ Ötzi.

Fr. 7. Juli, 20 Uhr: Anna Rossinelli & Band; 21.30 Uhr: Chris de Burgh.

Sa. 8. Juli: 18.30 Uhr: The Souls; 20 Uhr: Bastian Baker; 21.30 Uhr: Bligg.

So. 9. Juli, 18 Uhr: Manillio; 20 Uhr: Stefanie Heinzmann; 21.30 Uhr: Züri West.


Weitere Infos: www.sunsetevents.ch; Vorverkauf Tickets: www.ticketcorner.ch

Zusehends nervös, hatte er eine Idee: Warum nicht Bligg anfragen, der nach seinem letzten Auftritt bei St. Peter at Sunset 2015 so sehr von Kestenholz geschwärmt hatte. «Roland», habe ihm der Manager des Musikers am Telefon gesagt, «Bligg tritt heuer nirgends mehr auf, aber ich frage trotzdem rasch nach.» Nur eine Stunde später bestätigte das Management von Bligg die Anfrage für den exklusiven Gig.

Wie sehr sich der Zürcher auf sein Konzert am 8. Juli in der Gemeinde am Jurasüdfuss freut, erzählt er auf seinem Youtube-Kanal. Für die Aussagen von Bligg hätte jeder andere Veranstalter wohl in die Tasche greifen müssen. «Den Künstlern gefällts, das ist eine tolle Bestätigung für unsere Arbeit», sagt Peter Vifian.

Aus Fehlgriff gelernt

Und auch dem Publikum gefällt es in Kestenholz. Bloss einmal, da hätten sie mit einem Act bös danebengegriffen: 2009 mit Barclay James Harvest feat. Les Holroyd. «Eine grosse Enttäuschung, da sind uns die Zuschauer – zurecht – davongelaufen», erinnert sich Vifian. «Ebenso war es aber lehrreich», ergänzt der Festivalchef: «Der Name allein garantiert nichts.»

Beim Zusammenstellen des Programms dürfe der eigene Geschmack nicht in den Vordergrund rücken. Und auch die Ausgewogenheit sei wichtig. Das sei heuer mit Zucchero, DJ Ötzi, Chris de Burgh, Bligg und Züri West als Headliner gelungen, findet Sutter. Das alles seien momentan seine Lieblingsmusiker, scherzt Roland Suter. Wenn das Festival vorbei ist, hört er dann wieder allerlei – auch Schlager: «Dank St. Peter at Sunset habe ich Zugang zu dieser herzhaften Szene gefunden.»

Viel lieber würde der prometall-Chef eine irische Rockband unter Vertrag nehmen. «Käme U2 zu uns – das wäre jener viel zitierte Höhepunkt, nach dem ich all meine Engagements für
St. Peter at Sunset beenden müsste.» Festivalchef Suter schlagfertig: «Leadsänger Bono hat mal zugesagt, zu Konditionen, die wir uns leisten können. Um dich an Bord zu halten, habe ich Bono abgesagt.» (mgt)