1942. Ein Trupp deutscher Infanteristen, begleitet von einigen Kampfpanzern, ist bis nach Welschenrohr vorgedrungen. Mit Ziel Herbetswil bewegen sich die Invasoren im Schritttempo der von Mischwald umsäumten Dünnernstrasse entlang. Nach einigen hundert Metern erreichen sie die Wolfsschlucht, welche links der Strasse den Berg hinaufführt. Dann ein lauter Knall: Eine ohrenbetäubende Explosion beendet das deutsche Vorrücken.

Unter dem Asphalt vergrabene Sprengladungen wurden soeben gezündet und haben einen Krater in die Strasse gerissen, der ein Weiterkommen erschwert. Wer nicht zusammen mit dem Strassenbelag in die Luft geflogen ist, wird unter Maschinengewehrbeschuss genommen. Aus einer höher gelegenen Nische in der Felswand links der Strasse tritt das Feuer eines 7,5-Millimeter-Maschinengewehrs, angereichert mit regelmässigen Schüssen einer 7,5-Zentimeter-Gebirgskanone, welche die feindlichen Raupenfahrzeuge mit panzerdurchbrechender Munition befeuert.

Ein solches oder ähnliches Szenario hatte man wohl vor Augen, als die Schweizer Armee 1941 die Errichtung des Infanteriewerks «Hammerrain» beschloss – eines von mehreren Dutzend Werken im Solothurner Jura-Raum, welche einen möglichen Einmarsch deutscher Truppen von Nordwesten her hätten behindern sollen. Nach dem Zweiten Weltkrieg waren solche Einrichtungen noch bis zum Ende des Kalten Krieges einsatzfähig. Danach musterte man sie sukzessive aus.

Vom Kriegs- zum Vereinszweck

Heute erfüllen die Verteidigungsstellungen eine weitaus friedlichere Funktion: Ihr Erhalt ist zum Vereinszweck geworden. Seit 2000 widmet sich der Verein Festungswerke Solothurner Jura deren Pflege und wissenschaftlichen Auswertung. 15 Objekte betreut der Verein im Auftrag des Kantons Solothurn. Letzterer hat die Anlagen im Zuge der strategischen Neuausrichtung der Schweizer Armee Ende der Neunzigerjahre von dieser übernommen.

Ziel des Vereines ist es zudem, die Bunker der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Von diesem Angebot werde rege Gebrauch gemacht, wie Beat Allemann, Kassier des Vereins, mitteilt. Für Gruppen ist ein Besuch der Anlagen, die von Welschenrohr bis in die Region Olten reichen, während des Jahres auf Anfrage möglich. «Daneben erhalten wir auch vermehrt Anfragen von Einzelpersonen und Kleingruppen, deren Besuche jedoch aus zeitlichen Gründen schwierig zu koordinieren sind», so Allemann.

Aus diesem Grund führt man diesen September erstmals die «Tage der geöffneten Bunkertüren» durch, um einzelne Interessenten gebündelt durch die Anlagen zu führen.

Bunker öffnen ihre Türen

Am kommenden Samstag, 12. September, wird die Stahltür des Welschenrohrer Bunkers für Besucherinnen und Besucher offenstehen. Auch der Lagerort der mehreren hundert Kilo Sprengstoff, welche sich noch bis ums Jahr 2000 unter der Hauptstrasse von Welschenrohr nach Herbetswil befanden, kann bei dieser Gelegenheit besichtigt werden.

Die Gäste erwartet eine informative Führung, die am Nachmittag dreimal stattfinden wird. Eine Woche später wird zudem der Bunker der Äusseren Klus in Oensingen der Öffentlichkeit zugänglich sein.

Tage der offenen Bunkertüren:

Samstag, 12. September 2015, in Welschenrohr. Treffpunkt: Postautohaltestelle Wolfsschlucht.

Samstag, 19. September 2015, in Oensingen. Treffpunkt: Parkplatz Landi, Äussere Klus, Ost-Ecke Nähe Barriere OeBB.

Führungen jeweils um 14.30 Uhr, 15.30 Uhr, 16.30 Uhr. Eintritt 5 Franken, Vereinsmitglieder und Kinder gratis.